KR Friedrich Scheck

KR Friedrich Scheck

Beim Laufen haben ich mir heute überlegt, dass die Freisprüche des BAWAG-Verfahrens trotz des großen medialen Erstaunens kein Wunder sind, wenn die Anklage ähnlich aufbereitet war, wie jene von YLine.

Ein paar Notizen dazu.

Staatsanwalt Marchart geht mit einem bereits angeschlagenem Gutachter in das Hauptverfahren. Sein Verständnis von einem „unbefangenen und unparteilichen Gutachter“ empfinde ich als zumindest seltsam. Theoretisch sieht die österreichische Strafprozessordnung vor, dass schon der „Anschein einer Befangenheit“ genügt, um einen Gutachter für ein Verfahren abzulehnen bzw. von Amts wegen zu entfernen. Dieser Anschein ist nach herrschender Rechtssprechung jedenfalls dann gegeben, wenn es zwischen einem Beschuldigten bzw. Angeklagten und dem Gutachter eine enge geschäftliche Beziehung gibt. Das sagt einem auch der gesunde Hausverstand.

Dem Angeklagten KR Friedrich Scheck wird u.a. vorgeworfen, unter Ausnutzung von Insiderwissen und unter vorsätzlicher Täuschung von Dritten Gewinne für sich bzw. Schaden für Dritte in der Höhe von € 3.698.101,12 verursacht zu haben.

Das hat nicht der Staatsanwalt herausgefunden, sondern die FMA. Der Gutachter Dr. Thomas Keppert musste es daher übernehmen und so steht es eben in der Anklage. Nun ist es aber so, dass dieser Dr. Keppert parallel zum Ermittlungsverfahren gegen KR Scheck u.a. gut bezahlte Gutachtertätigkeiten für eben jenen KR Scheck bzw. dessen Unternehmen durchgeführt hat. Keppert hat jahrelang diverse Immobiliengutachten für die kommerzialrätlichen Unternehmen durchgeführt (siehe auch meine Notizen dazu). In den Geschäftsberichten der damals börsennotierten ECO Business Immobilien AG, die von Scheck gegründet und als CEO geleitet wurde, hat Dr. Keppert alleine im Jahr 2009 41 Prozent des Immobilienbestandes bewertet und entsprechend fette Honorarnoten ausgestellt. Bereits die Jahre zuvor, als KR Scheck noch Alleinvorstand der ECO Business Immobilien war, hat Keppert für ihn bewertet. Immobiliengutachten sind für ein Immobilieneunternehmen und auch für das Einkommen von Scheck von höchster Wichtigkeit (siehe beispielsweise Geschäftsbericht 2009, Seite 29). Das ist doch schon eine verkehrte, schizophrene Welt, oder? Da soll ein gerichtlich bestellter und von den Steuerzahlern bezahlter Gutachter ein objektives Gutachten über einen Verdächtigen oder Beschuldigten machen, von dem er aus einem anderen Auftragsverhältnis gleichzeitig hunderttausende Euro kassiert. Da könnte sich einem schon der Verdacht der Befangenheit aufdrängen! Ich habe eine entsprechende Befangenheitsanzeige gemacht, die nach einigen Monaten des Abliegens abgelehnt wurde. Ich habe den Staatsanwalt gefragt, ob er denn keine Befangenheit sieht? Antwort war ein Schulterzucken. Wie geht denn dieser Staatsanwalt mit den Geldern der Steuerzahler um? Das Verfahren kostet Millionen und da darf man doch höchste Sorgfalt erwarten, oder? Da muss doch schon der leiseste Zweifel genügen, um den Gutachter zu ersetzen, damit das Verfahren sicherstmöglich abgewickelt werden kann, denke ich!

Aber warum rege ich mich auf? Scheck wurde ja trotzdem angeklagt! Alles in Ordnung. Eben nicht, ganz und gar nicht. Die Anklage gegen Herrn KR Scheck wurde nur in den so offensichtlichen Punkten der FMA-Findings erhoben, in denen niemand mehr weg sehen konnte. Hier sind ein paar sehr naheliegende Punkte, die nur bei KR Scheck, nicht aber bei den anderen Angeklagten „vergessen“ wurden:

  • KR Scheck hat weitere € 4,1 Millionen Gewinne aus Aktienverkäufen gemacht, die der Staatsanwalt „vergessen“ hat
  • KR Scheck hat die Aktien von YLine bzw. von mir für die Sacheinlage seiner i-online ag erhalten. Das ist tatsächlich die einzige (!!!) große Sacheinlage, die in der Anklage nicht berücksichtigt wurde. Dabei war sie – wie angesichts der Unmengen an Aktien, die KR Scheck erhalten hat, leicht zu erkennen ist – die bedeutendste Sacheinlage der YLine. Hinzu kommt, dass in der Anklage die „Wertlosigkeit“ der i-online ag sogar vom Staatsanwalt selbst behauptet wird aber Anklage gibt es diesbezüglich nicht. Hier wird offenbar mit verschiedenen Maßen gemessen. Bonmot am Rande: das Verfahren gegen den dafür zuständigen Wirtschaftsprüfer Dr. Huppmann – ein Du-Freund von KR Scheck – wurde vor einigen Jahren eingestellt. Keppert hatte nichts dagegen… (siehe auch meinen Nachtrag dazu)

Erschwerend kommt hinzu, dass die i-online ag die einzige Sacheinlage war, bei welcher der Sacheinleger – KR Friedrich Scheck – im Nachhinein zugegeben hat, YLine mit falschem Cashflow und verbotener Aktivierung eigenerstellter Software getäuscht zu haben. Das findet sich auch in den Niederschriften der Kriminalpolizei. Ich weiß nicht, ob KR Scheck deswegen ein Gauner ist aber als solcher wurde er damals von einigen Leuten bezeichnet. Ohne die Einbringung der i-online in die YLine und den nachfolgenden Verkauf der YLine-Aktien wäre die hochverschuldete Unternehmensgruppe Scheck  vor dem Aus gestanden. Das Gesamtobligo der „Gruppe“ Scheck  betrug damals mehr als 100 Millionen Schilling. Scheck hatte kaputte Software-Firmen zusammengekauft und dabei Riesenverbindlichkeiten aufgebaut.

Die österreichische Justiz findet trotzdem nichts dabei, dass Dr. Keppert zeitgleich mit Erstellung des Strafgutachtens i.S. YLine für die Eco Immobilien AG (Fritz Scheck war Alleinvorstand) Immobiliengutachten erstellt. Der „liebe Thomas“ (Zitat KR Scheck für seinen Du-Freund Thomas Keppert) weist als Rechtfertigung übrigens darauf hin, dass er nunmal einer der wenigen zertifizierten Immobiliengutachter in Österreich ist … er vergißt dabei zu erwähnen, dass er erst mit der ECO Immobilien AG in dieses lukrative Beratungsfeld hineingewachsen ist. Und Scheck meint, dass er den Auftrag an Keppert ja nicht persönlich vergeben hätte, sondern als Organ der ECO Business Immobilien AG (!!!).

Fakt ist, dass sich der Staatsanwalt in seiner Anklage mangels ausführlicher eigener Ermittlungen massiv auf den Gutachter stützt und dieser in einer Hauptverhandlung eine wichtige Rolle spielen würde. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie der „Anschein der Befangenheit“ hier nicht auftreten soll. Aber dass das so eine Sache mit den Gutachtern in Österreich ist, wissen wir ja spätestens seit Meinl, der Hypo Alpe Adria und Dr. Birnbacher: übrigens hat Dr. Keppert auch dort ein Privatgutachten erstellt, für die Vorstände…

Join the conversation! 3 Comments

  1. […] bedanke mich für die Informationen, die ich per E-Mail zu meinen Notizen von über KR Scheck und seinem Gutachter erhalten habe. Tatsächlich habe ich nicht gewusst, dass der aus dem Strafverfahren ausgeschiedene […]

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  2. […] für Friedrich Scheck und seine ECO Business Immobilien AG und ECO Management GmbH tätig (hier meine Notizen dazu). Dabei hat er viel Geld verdient. Da ist so ein freundschaftliches Schreiben schon in Ordnung, […]

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  3. […] Leider muss ich nochmals festhalten, dass alles so war, wie ich es hier schreibe. Da das alles immer so unglaublich klingt, veröffentliche ich die Beiträge mit entsprechenden Unterlagen. Ansonsten laufe ich Gefahr, dass mir keiner glaubt. Ich finde es ja bewundernswert, dass der geschätzte Gutachter Dr. Thomas Keppert trotz der Vorlage aller Unterlagen diese Vorgänge rund um Friedrich Scheck, Georg Plochberger und deren Familien nicht befunden hat. Aber was erwartet man sich, wenn dieser auf deren Lohnliste steht (siehe meine Notizen). […]

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Kategorie

Staatsanwaltschaft, Unternehmen

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