Ich habe vor ein paar Tagen bereits ein paar Notizen zur Frage der Bewertung der Internetunternehmen im Allgemeinen und der YLine im Besonderen gemacht (siehe hier). Wie ich heute so zwischen Kaffee und Kuchen durch ein paar Unterlagen „surfe“, habe ich etwas entdeckt, das vielleicht interessant ist oder zum Nachdenken anregt.

Bekanntlich wirft uns der vom Gericht bestellte Gutachter Dr. Keppert vor, dass wir die gekauften Unternehmen bzw. Sacheinlagen viel zu hoch bewertet hätten. Und siehe da, Herr Dr. Keppert selbst hat – nach dem Konkurs der YLine wohlgemerkt –  eine bezahlte Bewertung für die damals zur YLine gehördenden FirstInEx AG abgegeben. Das Gutachten ist datiert mit dem 25. Oktober 2001 und wurde anlässlich des Verkaufes der FirstInEx angefertigt. Dabei geht Dr. Keppert von einem objektivierten Unternehmenswert der FirstInEx mit einer Brandbreite von € 1,05 bis € 1,7 Millionen. Naja, das ist gar nicht schlampig, wenn man daran denkt, dass damals die New Economy insgesamt und leider auch die YLine insbesondere soeben zusammengebrochen waren.

Bewertungsgrundlagen von Keppert: 2002 erzielte die FirstInEx bei einem Jahresumsatz von € 372.213,96 einen
Jahresverlust von € 722.140,53. Da wurden anständige Multiples angewandt und das nach dem Zusammenbruch in einem Konkursszenario! Die hohe Bewertung sollte der AMIS den Kauf schmackhaft machen!

Tatsächlich hat der Masseverwalter die FirstInEx dann über Vermittlung des Dr. Keppert an die AMIS-Gruppe um € 160.000 verkauft. Wie kann das sein, staunt der Laie? Hat der Masseverwalter die FirstInEx verschleudert? Nein, aber gar nicht.

Ein gewisser Dr. Kern von der Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO Auxilia hat dem Masseverwalter die Angemessenheit des Kaufpreises bestätigt. Bequemerweise ist dieser Dr. Kern der Schwiegervater der Kanzleipartners von Dr. Keppert. Da fällt mir ein, dass es auch jener Dr. Kern war, der für die Wirtschaftsprüfung von AMIS verantwortlich war, die 2005 als größter Finanzskandal Österreichs zusammengebrochen ist. Keppert hat dafür die Bilanzen gemacht und die Republik muss jetzt nach einem OGH Urteil für die Schäden der Anleger haften.

Ach ja, und dann wurde Keppert in Zusammenhang mit der FirstInEx von so einem schrecklichen Gutachter wegen Deckung einer Bilanzfälschung angezeigt (siehe hier). Damit war dann auch seine Bewertung falsch…  Keppert war Steuerberater der AMIS und wurde nach dem Kauf Aufsichtsrat der FirstInEx. Die AMIS hat dann über die FirstInEx, während Keppert Aufsichtsrat war, Anlegergelder veruntreut, wie man mittlerweile weiß. Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss wurde er dafür auch ordentlich gequält (Protokoll ist hier) aber Keppert hat von nichts etwas gewusst. Wie war das nochmal, was wirft er uns hinsichtlich Sorgfalt etc vor?

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  1. […] Die FirstInEx ist jenes Unternehmen, das 2001 über Vermittlung von Keppert an den Finanzdienstleister von AMIS verkauft wurde. Keppert saß dann als Steuerberater der AMIS bis 2003 im Aufsichtsrat der FirstInEx (siehe auch meine Notizen dazu). […]

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