Werner Tomanek - Die Zwei Klassen JustizIch habe – anlassbezogen, wie der Schenker betont – das Buch „Die Zwei Klassen Justiz“ von Werner Tomanek geschenkt bekommen.

Tomanek gehört nicht zu der Art von Strafverteidigern, die die illustre Schar der Angeklagten in unserem Prozess gewählt hat. Im YLine Verfahren werden die Angeklagten, soweit absehbar, vertreten von der Elite der Wiener Strafanwälte: Namen wie Soyer, Ainedter, Brandstetter, Kremslehner (Dorda, Brugger, Jordis), Mertens usw. tauchen auf. Unser Staatsanwalt hat diesen Anwälten ein nettes Weihnachtsgeschenk bereitet. Da tickt derzeit die Honoraruhr…

Werner Tomanek gilt eher als ein Strafverteidiger der Mörder und Diebe und auch nach Lektüre des Buches habe ich den Eindruck, dass er der „White Collar“-Kriminalität – in welche die Wirtschaftskriminalität zählt –  eine gesunde Portion Skepsis entgegenbringt und solche  Mandanten als Cashcow verwendet, um seiner „eigentlichen“ Berufung als Anwalt der sozial Schwächeren zu humaneren Stundensätzen nachgehen zu können.

Basierend auf seiner langjährigen Erfahrung als Strafverteidiger und einer eigenen, sehr dramatischen Erfahrung als Angeklagter mit dem österreichischen Justizsystem, beschreibt Werner Tomanek in seinem Buch dieses als ein in sich krankes System.

Er spricht von der Ungerechtigkeit der Zwei-Klassen-Justiz und weist darauf hin, dass die Unterschicht in der Zwei-Klassen-Justiz nicht mit der Unterschicht in der Zwei-Klassen-Gesellschaft gleichzusetzen ist. Die „justizielle Unterschicht“ ist viel umfangreicher. Zu ihr zählt jeder Mensch, der das System nicht durch Geld, Macht oder Seilschaften beugen kann. Werner Tomanek macht klar, dass ein Unschuldiger (und der kann auch zum wohl situierten Mittelstand gehören), der nicht das Geld hat, einen fähigen Strafverteidiger zu engagieren und Privatgutachten zu beauftragen defacto der Willkür der österreichischen Justiz ausgeliefert ist .

(Na, dann brauchen sich ja all jene, die damals gut bei mit den YLineaktien verdient haben z.B. Fritz Scheck und Christian Rosner  usw. überhaupt keine Sorgen zu machen 😉 ).

Er zeigt auf, wie desatrös und zermürbend ein jahrelanges Ermittlungsverfahren für die Lebensumstände des Beschuldigten ist.

Sein Heilmittel ist im übrigen, bloß weit weg zu bleiben von irgendwelchen möglichen strafrechtlichen Verwicklungen: borgen Sie nicht ihr Auto her und lassen Sie Ihren Bekannten nicht den Koffer bei Ihnen zu Hause abstellen usw…all diese Hilfeleistungen können in einer Anklage zur Beihilfe einer Straftat enden.  Zusammengefasst: bleiben Sie weit weg von der österreichischen Justiz. Gerechtigkeit hat dort keine Heimat!

Er ist nicht so vermesse,n zu hoffen, dass sich das System ändern lässt.  Tomanek rät weiters, es auch unbedingt zu vermeiden, dass es zu einer Hauptverhandlung kommt. Praxisnahe wie er ist, weist Tomanek aber darauf hin, dass es genügend Anwälte gibt, die aus finanziellen und medialen Gründen per se nichts gegen eine Hauptverhandlung einzuwenden haben. Eine präventive Vorgangsweise bzw. Einstellung des Verfahrens steht daher nicht auf der Prioritätenliste der Anwälte. An dieser Stelle musste ich solange unbewusst nicken, dass ich heute noch eine gewisse Nackensteife verspüre!

Die Aussagen von Werner Tomanek in seinem Buch sind so ziemlich das Beste, was ich in den letzten 11 Jahren von einem Strafverteidiger gehört habe. Unsere vornehmen  Wirtschaftsstrafverteidiger finden zwar auch viele Worte, aber der Inhalt und die Taten gingen bis dato eher an der Sache vorbei – sonst hätten wir wohl jetzt nicht nach 12 Jahren  die Anklage vor uns liegen.   Jedenfalls kann ich als Betroffener in einem nun schon fast 12 Jahre dauernden Strafverfahren sowohl die negativen Erfahrungen mit der österreichischen Justiz bestätigen als auch die destaströsen Auswirkungen eines jahrelangen Ermittlungsverfahrens auf das persönliche Umfeld eines Beschuldigten.

Das Buch sei jedem empfohlen, der in Österreich darüber nachdenkt eine Managementposition in einem Unternehmen zu übernehmen bzw. den Berufsstand der Wirtschaftstreuhänder zu ergreifen.

Das Buch ist auch kurzweilig zu lesen und daher eine unbedingte Empfehlung – 5 Sterne!

Join the conversation! 1 Comment

  1. […] kurzem das Werner Tomaneks Buch “Die Zwei-Klassen Justiz” gelesen und war sehr angetan (siehe auch meine Notizen). Das Buch ist erst vor wenigen Monaten im edition a-Verlag erschienen und passt genau auf die […]

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorie

Unternehmen

Schlagwörter

, ,