libro-logoPassend zum nahenden Jahresende eine kleine Schnurre. Friedrich Scheck wurde in der Zeit nach der YLine nicht müde zu betonen, dass er so gut wie nichts über die YLine gewusst habe und raunte den Medien stets zu, dass er eigentlich gar nicht so richtig dabei war. Die 12 Millionen Gewinn, die er und sein Partner mit YLine-Aktien erzielt hatten, vergaß er regelmäßig zu erwähnen. Hatte er ja auch für Nichts erhalten, oder? Dem Staatsanwalt gegenüber gab er an, dass er über die Probleme der YLine und ihren Konkurs aus der Kronenzeitung erfahren habe. Das soll diesen auch, wie man hört, einigermaßen erzürnt haben.

Hier handelt es sich offenbar um eine sehr ausgeprägte Form partieller Amnesie, bei welcher ich unterstützend einspringen kann. Ich kann mich erinnern, dass ich im Frühjahr und Sommer 2001 kaum einen Tag ohne Friedrich Scheck verbracht habe. Schon in der Zeit davor haben wir uns mehrmals die Woche gesehen und fast täglich telefoniert aber im Sommer 2001 traten Fritz und ich sozusagen fast als Tandem auf. Ich konnte ja damals nicht ahnen, dass Fritz hinter meinen Rücken die YLine-Aktien zu Tode verkaufte! Bei Verhandlungsbeginn hatte er fast seinen gesamten Aktienbestand bereits verkauft (siehe auch Depotauszug aus dem Gutachten)!

Einer der Gründe für unser intensives Zusammenleben war die Übernahme der damals börsennotierten Libro durch Schecks Friedschröder GmbH & Co KEG. Am 19. Juni 2001 konnte das sogenannte Böhm-Hofmann-Konsortium in den Räumlichkeiten einer Rechtsanwaltskanzlei in der Wiener Innenstadt die entsprechenden Aktienkaufverträge mit den Libro-Aktionären Telekom Austria AG, Deutsche Beteiligungs-AG, Deutsche Beteiligungsgesellschaft Fonds III GmbH und Unternehmens Invest AG (UIAG) unterfertigen. Käufer auf Seiten des Böhm-Hofmann-Konsortiums war eben jene Friedschröder GmbH & Co KEG von Friedrich Scheck. Der Notar Friedschröder aus Wolkersdorf ist ein langjähriger Geschäftsfreund von Scheck und bei Bedarf auch dessen Treuhänder (siehe auch Artikel in der Telekom-Presse bzw. im NEWS).

Die Übernahme erfolgte aufschiebend bedingt und erforderte die Zustimmung der Banken bei denen Libro hoch verschuldet war. Diese wurde letztlich nicht erteilt. Dabei hatte sich Friedrich Scheck schon wirklich darauf gefreut, Finanzvorstand bei Libro zu werden und die Einzelhandelskette in altbekannter Weise zu sanieren. Schließlich war Scheck Masseverwalter. In den Wochen davor hatten wir eine Vielzahl von Gesprächen mit allen Beteiligten geführt wobei Friedrich Scheck es übernommen hatte, mit den Banken die entsprechende Lösung zu finden. In vielen stundenlangen Meetings mit den Banken in den Räumlichkeiten der Raiffeisen wurde über Details verhandelt – letztlich ohne Erfolg. Man verlangte für die aushaftenden Verbindlichkeiten eine Bankgarantie von unserem Konsortium, welche wir nicht geben wollten. Letztlich hat man auch das von Friedrich Scheck vorgelegte Sanierungskonzept abgelehnt. Vielleicht hatte das auch damit zu tun, dass sich Friedrich Scheck in den Jahren davor bei den Banken massiv verschuldet hatte, was hie und da schon Besorgnis erregte. Das wusste ich damals leider noch nicht!

Im Zuge der Verhandlungen hatte Friedrich Scheck wie gesagt täglich Kontakt zu mir und der YLine. Er führte beispielsweise auch die Gespräche mit unserem ehemaligen Aufsichtsrat Stahrlinger, der ebenfalls Interesse an Libro hatte. Intensiven Kontakt hatte Fritz dabei natürlich auch zu unseren Banken und Bankern.

Neben dem YLine-Aufsichtsrat Friedrich Scheck war auch noch der YLine-Aufsichtsratsvorsitzende Hofmann im Projekt engagiert, daher auch der von der Presse vergebene Namen „Hofmann-Böhm“-Konsortium. Der Plan wäre gewesen, nach Übernahme die Internet-Tochter von Libro, lion.cc, in die YLine zu integrieren und damit einen entsprechenden Wachstumsschub zu bekommen. Die Einzelhandelskette selbst interessierte mich nicht, die wollte Scheck. Lion cc war damals das größte Internet E-Commerce-Unternehmen in Österreich. Mit an Bord war damals auch die deutsche Metro, mit welcher die YLine in Deutschland ein gemeinsames Internet-Unternehmen hatte. Es hätte ein interessantes Projekt in einem gerade von der Krise getroffenen Internetmarkt sein können.

Ich hoffe, dass ich damit rechtzeitig vor Beginn des Verfahrens die Erinnerungen wieder aufgefrischt habe. Wir wollen ja alle vom Gleichen reden, oder?

Join the conversation! 1 Comment

  1. […] obwohl die Libro-Übernahme auch aber eben nicht ausschließlich im Interesse der YLine war (siehe meine Notizen). Die Verrechnung über mein Privatkonto sieht man aus den handschriftlichen Bemerkungen der […]

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Unternehmer

Schlagwörter

, ,