Ok, zugegeben, es mag ja sein, dass ich manchen Menschen hier scheinbar überproportional viel Raum gebe. Das sei mir aus zwei Gründen verziehen. Erstens habe ich mit manchen Menschen seit gut 12 Jahren engste Verflechtungen und zweitens liegen mir diese Menschen dann – sozusagen – am Herzen. Zu diesen gehört eben der Gutachter in Sachen YLine – Mr. Thomas Keppert. So ein Strafverfahren verbindet eben, und seien es nur unterschiedliche Perspektiven.

Bei einer Auseinandersetzung sollte man zunächst, so lernt man es, Einigkeit über notwendige Definitionen erzielen. Dazu gehört in einem Wirtschaftsverfahren sicher das Verständnis über das was man darf und das was man nicht darf, über das was man wissen muss und was man nicht wissen muss und über den Sorgfaltsmaßstab, den man in einer bestimmten Funktion – z.B. Aufsichtsrat, Vorstand, Steuerberater,  Wirtschaftsprüfer oder Gutachter – anwenden muss. Und gerade da gibt Keppert ein höchst dankenswertes Thema ab. Zwischen dem, was er in seinen Gerichtsgutachten anderen als Norm vorgibt und dem, was er selber lebt, gibt es, so scheint’s, eine heftige Diskrepanz. Als Beispiel – richtig geraten – wieder einmal die FirstInEx.

Keppert war ein Beitragstäter bei der Veruntreuung der Kundengelder von AMIS. Das sagt beispielsweise der ehemalige AMIS-Vorstand Dietmar Böhmer. Das meint aber auch die Wiener Rechtsanwaltskanzlei Kraft & Winternitz, die Keppert angezeigt hat und die im AMIS-Verfahren für die Anleger bereits Prozesse gegen die Republik Österreich bzw. die Anlegerentschädigungseinrichtung (AeW) gewonnen hat. Also nicht gerade irgendwer! Und letztlich sagt das auch der in Sachen AMIS beauftragte Gutachter Dr. Biegler vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Was hat Keppert denn getan? Nichts, sagt er! Und gewusst hat er auch von nichts. Glaubhaft? Nein! Aber hier Kepperts Geschichte mit „meiner“ FirstInEx und die Schautafel.

Keppert hat 2001 dem AMIS-Vorstand Dietmar Böhmer empfohlen, die FirstInEx aus der Masse von YLine zu kaufen (siehe auch meine Notizen). Das Gutachten dazu hat er – gegen Bezahlung – auch gleich gemacht. Dann ist Keppert 2001 in den Aufsichtsrat der FirstInEx eingezogen. Dort hat er als Aufsichtsrat bei der Auflage einer börsennotierten FirstInEx-Anleihe über € 5 Millionen mitgewirkt. Verzinsung mit 7 Prozent, womit alleine die jährlichen Zinsen so hoch gewesen wären, wie der Umsatz des Unternehmens! Bedienbarkeit? Nicht gegeben. Plan für Mittelverwendung? Negativ! Fragen oder Einwände des Aufsichtsrates Keppert? Nein! Bedenken des Steuerberaters Keppert? Nein! Damit war die Anlegerschädigung vollzogen. Im Verfahren gegen einen AMIS-Mitarbeiter begründete der Richter Olschak die Verurteilung damit, dass „jeder noch so kleine Beitrag“ zur Untreue bestraft werden muss, auch wenn man vielleicht nicht das ganze Bild kennt! Es reiche, wenn  man sehe, dass Gelder abfließe!

Die Anleihe wurde dann über komplexe Konstruktionen mit Geldern der AMIS-Anleger gezeichnet. Das darf nicht sein, das widerspricht den gesetzlichen Vorgaben für ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen und ist daher illegal. Ohne Wenn und Aber! Die fehlende wirtschaftliche Plausibilität und die Illegalität. Zwei Dinge, die einen ordentlichen Aufsichtsrat, der zugleich auch Steuerberater des Unternehmens ist, auffallen hätten müssen. Sagen alle außer Keppert, der in seinen Gerichtsgutachten diese  Maßstäbe aber anlegt.  Hier die Schautafel:

Keppert bei AMIS

Keppert, AMIS und FirstInEx

Keppert hat die diversen AMIS-Konstruktionen gekannt und als Berater bzw. auch als Organ daran mitgewirkt, seinen Beitrag geleistet. Es war ihm sogar bewusst, dass das „sittenwidrig“ sein könnte aber gemacht hat er nichts dagegen – außer es positiv bewertet! Diese Special Purpose Vehikel wie FirstInEx oder I & E Real Estate haben über Jahre hinweg vorwiegend dazu gedient, Anlegergelder abzuzweigen. Mir liegt eine eidesstattliche Erklärung des ehemaligen AMIS-Vorstandes Böhmer vor, in dem die Verantwortung von Keppert im Detail dargelegt wird. Insofern könnte es hier seitens der Anleger noch zu weiteren Aktionen kommen, hört man.

Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss wird der Gerichtssachverständige Keppert zu diesen vielfachen Funktionen und seinen Verantwortungen gefragt. Hier ein kurzer Auszug des Dialoges aus dem Protokoll, der vielleicht für viele Vorstände, Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer interessant, jedenfalls aber für Keppert gelebte Realität scheint:

Obmann Mag. Dr. Martin Graf: Sie waren ja Aufsichtsrat, Sie kannten diese Firma relativ gut, nicht?
Dr. Thomas Keppert: Na ja, wie man sie eben als Aufsichtsrat kennt.
Obmann Mag. Dr. Martin Graf: Was ist denn das Schicksal der FirstInEx gewesen?
Dr. Thomas Keppert: Glauben Sie wirklich, dass jeder Aufsichtsrat eine Firma gut kennt?
Obmann Mag. Dr. Martin Graf: Wie bitte?
Dr. Thomas Keppert: Glauben Sie wirklich, dass jeder Aufsichtsrat die Firma, in der er Aufsichtsrat ist, gut kennt?
Obmann Mag. Dr. Martin Graf: Wenn man die Corporate Government ernst nimmt, schon.
Dr. Thomas Keppert (kurze Heiterkeit): Na ja.
Obmann Mag. Dr. Martin Graf: Wenn man das allerdings nicht so ernst nimmt, nicht.

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