Januar 9, 2013

Meine Managementfehler

Kid Moechel im KURIER über YLine

Kid Moechel im KURIER über YLine

Gestern hat Kid Moechel vom KURIER einen Rundruf gemacht und die Rechtsvertreter der Angeklagten um ihre Meinung zur Anklage abgefragt (oben der Artikel). Am Ende war notabene auch ich an der Reihe. Natürlich haben alle ihre Unschuld behauptet und natürlich will niemand beim IBM-Projekt dabeigewesen sein, was Moechels Stoßrichtung war. Diese Verantwortungsflucht kann ich sehr gut verstehen auch wenn aus den Aufsichtsratsprotokollen, Emails und sonstigen – im Gutachten enthaltenen – Unterlagen Anderes hervorgeht. Im Gegenteil – in der Aufsichtsratssitzung Ende März 2000 haben alle dem Vertrag mit IBM zugestimmt. Kein Widerspruch, keine Fragen, keine Ablehnung! Jetzt will halt niemand dabeigewesen sein. Menschlich ebenso verständlich wie armselig.

Haben wir, habe ich etwas falsch gemacht in der Zusammenarbeit mit IBM bzw. in der Ausgestaltung des PC-Projektes? Offenbar, denn ansonsten würde es YLine wohl heute noch geben. Konnte jemand damit rechnen, wie IBM sich verhält? Nein! Hat IBM Vereinbarungen gebrochen? Natürlich, das belegen mittlerweilige einige Gutachten und Stellungnahmen. War die IBM-Forderung als Eigenkapital zu werten? Ja, sagen die involvierten Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte! Hat IBM einige Millionen Euro in die Masse eingezahlt und damit zumindest den Ansatz eines Schuldeingeständnisses geliefert? Ja! Haben Schlüsselpersonen auf IBM-Seite von der Partnerschaft profitiert? Ja natürlich, was auch die Motivation belegt. Hat der Staatsanwalt trotz 11 Jahren Ermittlung irgendetwas gefunden? Nein! So, und was erkennt ein unaufgeregt denkender Mensch darin?

Nach 12 Jahren habe ich es aufgegeben, mich zu ärgern, finde es aber reichlich kindisch, wenn man nicht zu Verantwortungen stehen will obwohl man Millionen kassiert hat. Vor allem macht es diese Haltung allen Jenen einfach, die versuchen, die YLine zu kriminalisieren. Diese Haltung hat Petra Wohlfahrt das Leben gekostet und es ist nicht zuletzt ihren Verwandten geschuldet, dass man YLine endlich „normal“ betrachtet. Hier wurden keine kriminellen Aktionen gesetzt aber vielleicht, wahrscheinlich, sicher Fehler gemacht. Von mir jedenfalls!

Mein schlimmster Managementfehler war ganz sicher, damals den IBM Generaldirektor Günter Pridt als Vorstand geholt zu haben. Frei nach Shakespeare war das „viel Lärm um Nichts“ aber hätte ich das wissen müssen?  YLine hat Millionen an Abfertigung und Signing Bonus an IBM und Günter gezahlt. In der Hoffnung auf die Partnerschaft. Der erste Weg als neuer Vorstand von YLine hat Günter Pridt damals – begleitet von mir – zum Autohändler geführt, wo er zwei Autos (Opel Astra) für seine Kinder kaufte. Gebracht hat dieser, vom Finanzchef von Europa, Dr. Arthur Kozak, orchestrierte Wechsel nichts, gekostet hat er viel. Nach wenigen Monaten und einer wochenlangen Kur ist Günter Pridt ausgeschieden. Nichts gebracht, bestens gemeint, viel gekostet und dafür bin ich verantwortlich. Das sind Managementfehler, die ich mir sehr berechtigt vorhalten lassen muss. Aber auch dabei hat der Aufsichtsrat – ohne jeden Druck von mir – begeistert zugestimmt. Wer agiert macht Fehler und sollte dann dafür einstehen!

Liebe Vorstandskollegen, lieber Aufsichtsrat, liebe Wirtschaftsprüfer – wir waren alle dabei! Es ist schiefgegangen aber eure Art damit umzugehen ist vielleicht, möglicherweise kontraproduktiv. Vor allem sehe ich jetzt meinen Aufsichtsratschef Ernst Hofmann an (von Friedrich Scheck mag ich hier gar nicht reden)! Und festhalten möchte ich auch, dass mein damaliger Aufsichtsrat Norbert Frömmer sich toll verhalten hat. Er hat in der Krise im Sommer 2001 als einziger Aufsichtsrat wirklich versucht, zu unterstützen und mich auch sehr kritisch betrachtet. Soweit meine subjektive Wahrnehmung!

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Presse

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