https://i2.wp.com/www.rundschau-online.de/image/view/2012/0/27/15250798,11294284,dmData,Insiderhandel+%25281327500711429%2529.jpgIch weiß, dass ich hier ab und an den Schwerpunkt zu gedrängt auf ein Thema setze aber das ist immer dann der Fall, wenn ich dieses Thema aufarbeite und dazu Notizen mache. Für mein Buch „Die Akte YLine“ bin ich eben derzeit dabei, das Thema Friedrich Scheck und Insiderhandel aufzubereiten und durch die Unterlagen zu gehen. Eine forensische Analyse, sozusagen.

Friedrich Scheck hat, nach anfänglichem Abstreiten ist zumindest das jetzt unwidersprochene Tatsache, mit dem Verkauf der YLine-Aktien Millionen verdient und sich aus einer persönlich schwierigen finanziellen Situation befreit. Damals gegen Ende des Jahres 2000 wollten ihm die Banken bereits die Kredite fällig  stellen und die Geschäftsbeziehung kündigen. So erhielt er am 20.12.2000 ein Schreiben der Creditanstalt in dem er aufgefordert wird, YLine-Aktien als Sicherheit einzuliefern andernfalls die Geschäftsbeziehung beendet werden würde. Friedrich Scheck hatte sich mit seiner i-online ag völlig überschuldet und verspekuliert, nur mehr die Beteiligung der YLine und deren Aktien hatte ihn retten können.

Noch am selben Tag (!) antwortet er der Creditanstalt per E-Mail (hier das E-Mail als PDF). In diesem E-Mail bestätigt er, dass er, ausgestattet mit dem Wissen, das er in „unzähligen Gesprächen“ mit dem YLine-Management erhalten hatte, YLine-Aktien verkaufen und das Obligo rückführen würde. Dabei ersuchte er auch um Unterstützung der Creditanstalt beim Verkauf, damit der Kurs der YLine-Aktie beim massenweisen Verkauf nicht noch mehr beschädigt würde. Hier der Ausschnitt aus dem E-Mail von Friedrich Scheck an die Creditanstalt:

Friedrich Scheck schreibt an CreditanstaltFriedrich Scheck schreibt also, dass er Insiderinformationen erhalten habe. Der § 48a BörseG definiert Insiderhandel wie folgt: „Insider-Information“ ist eine öffentlich nicht bekannte, genaue Information, die direkt oder indirekt einen oder mehrere Emittenten von Finanzinstrumenten oder ein oder mehrere Finanzinstrumente betrifft und die, wenn sie öffentlich bekannt würde, geeignet wäre, den Kurs dieser Finanzinstrumente oder den Kurs sich darauf beziehender derivativer Finanzinstrumente erheblich zu beeinflussen, weil sie ein verständiger Anleger wahrscheinlich als Teil der Grundlage seiner Anlageentscheidungen nutzen würde.

Die Tatsache, dass einer der Großaktionäre und Konzernorgane finanziell notleidend wurde und Aktien im großen Stil verkaufen musste oder würde, stellt per se unbestreitbar einen veröffentlichungswürdigen Tatbestand dar. Das war geeignet, den Kurs zu beeinflussen. Das Wissen um diese Tatsache stellt wiederum „Insider-Information“ iSd § 48a BeörseG dar und über dieses verfügte Friedrich Scheck. Ein vernünftiger Aktionäre wäre mit diesem Wissen ausgestattet wohl nicht in die YLine-Aktie eingestiegen. Friedrich Scheck hatte damals Organfunktionen in der YLine-Gruppe und hätte das bekanntgeben müssen. Heute nennt man das „Director Dealings„. Er nutzte aber vielmehr, wie er selbst schreibt, den Zugang zum YLine-Management, um Informationen für vorteilhafte Verkäufe seiner Aktie zu erhalten. Das kommuniziert er genau so der Creditanstalt. Von wegen kaum Kontakt oder so! Im Wissen, dass seine massenhaften Verkäufe den Kurs schaden würden, hat er verkauft und ersuchte die Bank um Unterstützung, „um einen weiteren Sinkflug“ durch „zu unkoordinierte“ Verkäufe zu verhindern.

Der massenweise Verkauf der YLine-Aktien innerhalb kürzester Zeit hat damals die YLine-Aktie massiv beschädigt. Wir standen damals – im November und Dezember 2000 – gerade im Versuch, die BEKO zu übernehmen und mussten jeden Tag miterleben, wie die Aktie unerklärlich verfiel. Im Frühjahr 2001 hatten wir mit einer US-Investmentfirma eine Finanzierunglinie vereinbart, die ebenfalls stark an die Kursentwicklung geknüpft war. Trotz dieses Wissens hat Friedrich Scheck permanent Aktien verkauft, verkauft und verkauft. Wäre ich unter den Geschädigten der YLine, würde ich heftig sauer sein. Ups, ich gehöre ja dazu!

An vielen Tagen haben im Zeitraum September 2000 bis Juli 2001 die Scheck’schen Verkaufsaufträge 30 Prozent aller gehandelten Aktien ausgemacht, an manchen sogar 40 Prozent. Alleine am 15. 2. 2001 hat er 9.500 Aktien auf den Markt geworfen. Wer das nicht glaubt, weil es so unglaublich klingt, der findet hier die Kursliste der EASDAQ und hier den Depotauszug von Friedrich Scheck – einfach abgleichen. Jeder Experte in Sachen Kapitalmarkt wird bestätigen, dass diese permanenten Verkaufsaufträge mit hoher Stückanzahl eine Aktie in einem ohnehin schon schlechten Umfeld ruinieren können. Die YLine-Aktie war immer eine enge Aktie mit verhältnismäßig wenig Umsatz. Da richtet der systematische Verkauf großer Aktienbestände natürlich Schaden an. Das hat der Aufsichtsrat und Aktionär Friedrich Scheck jedenfalls erreicht.

Versteht mich jetzt nicht falsch aber das kann schon ein Grund sein, um nachdenklich zu werden. Ohne jetzt zu zicken oder gegrämt zu wirken, denke ich, dass die Frage, wie genau ein Insiderhandel aussieht, beantwortet werden konnte.

Join the conversation! 3 Comments

  1. Viele deiner Beiträge sind gut – dieser der beste, bisher 😉

    lg

    Joachim

    Antwort
    • Vielen Dank, ich bemühe mich um bestmögliche Aufarbeitung. Das bin ich mir und den „YLinern“ schuldig, denke ich. Das Thema der Aktien und wer damit wirklich verdient hat, steht dabei natürlich im Zentrum der Fragestellung, wie man ja auch in der Anklage sieht, lg Werner

      Antwort
  2. […] jene YLine-Aktien erhalten mit denen sie die € 12 Millionen tatsächlich verdient haben (hier meine Notizen dazu). War da sonst noch jemand dabei, den wir kennen? Natürlich, die üblichen […]

    Antwort

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