Gestern habe ich Notizen darüber gemacht, wie sich meines Erachtens ein typischer Insiderhandel darstellt (siehe Notizen hier). Gebracht am Fallbeispiel Friedrich Scheck und mit vollständiger Dokumentation, die auch im Gutachten so enthalten ist. Ich will mich hier nicht dem Vorwurf der schlampigen oder tendenziellen Darstellung aussetzen und einen erklärenden Nachsatz liefern, der das Ausmaß der Beschädigung der YLine-Aktie durch den Insiderhandel der „Gruppe Scheck“ vielleicht noch deutlicher vor Augen führt.

Bekanntlich waren Friedrich Scheck und Georg Plochberger ein Team. Beide waren Aktionäre der i-online ag und haben daher die Aktien der YLine gemeinsam bekommen und verwertet. Die beiden haben dermaßen geschlossen gemeinsam agiert, dass das Gutachten auf Seite 68 auch „die Frage aufwirft, ob die Ordererteilung jeweils nur von einer Person durchgeführt wurde“. Nun, das war so, wie ich aus eigener Wahrnehmung weiß. Der Kapitalmarktmann war Georg Plochberger, der im Zeitraum Dezember 2000 bis Juli 2001 wohl hauptsächlich mit dem Aktienverkauf befasst war. Rechnet man die Aktienverkäufe von Friedrich Scheck und Georg Plochberger zusammen und stellt diese dann vergleichend den gesamten Transaktionen der YLine-Aktie an der Brüsseler EASDAQ gegenüber, dann ergibt sich ein erschreckendes Bild. Teilweise wurden mehr als 80 Prozent der Aktientranskationen von Plochberger und Scheck durchgeführt.

Hier ist beispielsweise eine Tabelle über die gesamten Aktien-Verkaufstransaktionen von Friedrich Scheck und Georg Plochberger im ersten Quartal 2001 (basierend auf FMA Bericht, Sachverständigengutachten und EASDAQ-Daten):

Aktientransaktionen Friedrich Scheck und Georg Plochberger

Hier die Highlights der zusammenfassenden Analyse:

  • Im ganzen ersten Quartal 2001 haben die beiden an insgesamt 23 Tagen Aktien gehandelt, also zumindest an jedem dritten Tag;
  • es wurden dabei in Summe fast 100.000 Aktien verkauft, was wiederum 26,18 Prozent des gesamten Handelsvolumens jener Tage war;
  • an den einzelnen Handelstagen haben sie nur an vier Tagen weniger als 10 Prozent des gesamten Handelsvolumens bestritten;
  • an neun Handelstagen haben sie mehr als 50 Prozent des gesamten Handelsvolumens an der EASDAQ verursacht und
  • an drei Handelstagen sogar mehr als 80 Prozent.

Der Aktienverkauf von Scheck und Plochberger gestaltete sich auch im zweiten Quartal 2001 ähnlich aggressiv und brutal.

Wie gesagt – alles Fakten. Zum Vergleich: Ich habe als Hauptaktionär im Q1/2001 keine einzige Aktie verkauft, meine Frau 1.523 Aktien und die mir zuzurechnende ADU Privatstiftung 9.000 Aktien.

Ich bin mir ziemlich sicher – und lasse mich auch gerne widerlegen – dass eine dermaßen brutale Behandlung von Aktien durch Insider keine Aktie eines Start-Up-Unternehmens aushalten kann. Die daraus resultierende schlechte Performance der Aktie hat uns den Zugang zum damals ohnehin schon angeschlagenen Kapitalmarkt verunmöglicht.

Join the conversation! 8 Comments

  1. […] der massive Insiderhandel, der den Aktienkurs seit Jänner 2001 konsequent nach unten drückte (siehe meine Notizen). Bekanntlich hat alleine Friedrich Scheck im Zeitraum Jänner 2001 bis Juli 2001 knapp 124.000 […]

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  2. […] Grund der Signifikanz seines “Massenhandels” auch mit deutlich höherer Verantwortung (siehe meine Notizen). Und hier sehe ich auch Georg Plochberger noch im Boot […]

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  3. […] und Georg Plochberger YLine-Aktien im Ausmaß von knapp 12 Millionen Euro verkauft hatten (hier meine Notizen dazu). Da hatte ich wegen der ganzen Probleme noch ein wirklich schlechtes Gewissen gegenüber dem armen […]

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  4. […] bewegen lassen. Wie schon in der Diskussion rund um die Aktientransaktionen eines Friedrich Scheck (Beitrag hier) oder die Befangenheit des Gutachters Thomas Keppert (Beitrag hier)  hat dieser Blog Bewusstsein […]

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  5. […] eingetauscht und diese dann unmittelbar verkauft haben – siehe dazu auch den Bericht “Insiderhandel: Wie man eine Aktie systematisch ruiniert“. Vom doppelstelligen Millionengewinn haben sie knapp 750.000 Euro Steuer bezahlt,  was […]

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  6. […] Derzeit prüft die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft die Einleitung eines Verfahrens, sagt ein Sprecher. Angezeigt wurden Aktivitäten, die Friedrich Scheck als Vorstand der börsennotierten ECO Business Immobilien AG bzw. als geschäftsführender Gesellschafter der ECO Management GmbH gesetzt hat. So hat Friedrich Scheck u.a. 2008 seine ECO Management GmbH um schöne 48,8 Millionen Euro an die ebenfalls börsennotierte conwert verkauft (im Detail hier beschrieben). Der Haken dabei war offenbar, dass die ECO Management GmbH nur einen Jahresumsatz von € 5 Millionen erzielte (was für eine Bewertung?! – fast das Zehnfache des Jahresumsatzes für ein Dienstleistungsunternehmen) und sogar dieser Umsatz war gar nicht ihr eigener.  Die ECO Management GmbH war lediglich die ausgelagerte Managementgesellschaft der ECO Business Immobilien AG. Eine Konstruktion, ähnlich wie bei Grasser und Meinl. Die conwert wiederum war Gründerin und Kernaktionärin der ECO Business Immobilien. Zur Abrundung des Netzwerkes war der conwert-Vorstand Günter Kerbler wiederum Gesellschafter der ECO Management GmbH. Kurz zusammengefasst, ein In-Sich-Geschäft: die conwert hat eigene Umsätze gekauft und dabei Friedrich Scheck und Günter Kerbler Millionen zukommen lassen. Der Anlegerschützer Rasinger bezeichnete seinerzeit den Kauf der ECO Management GmbH durch die conwert als Abzockerei der Kleinaktionäre (siehe auch Bericht auf Wiener Zocker). Aber im Abzocken von Aktionären hat Scheck seine Sache bei der YLine ja sehr gut gelernt (siehe Notizen hier). […]

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  7. […] und der Schädigung von Kleinaktionären bei der Yline erhoben (siehe hier einen Bericht auf der Dokumentationsseite zur Causa). Offenbar soll Scheck den vom Gericht in der Causa Yline bestellten Gutachter über die ECO […]

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  8. […] Anklage diesbezüglich aber durchaus richtig liegt und seine millionenschweren Aktientransaktionen (siehe Notizen dazu hier) anhand der vorliegenden Ermittlungsergebnisse durchaus die Tatbestände des Insiderhandels und des […]

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