Ich habe eine Anfrage betreffend die Finanzierungsfähigkeit der YLine über den Kapitalmarkt im Frühjahr 2001 erhalten. In der Anklage wird nämlich behauptet, dass diese wegen der schlechten Marktumstände, der engen Aktie und der niedrigen Kurse nicht mehr gegeben gewesen wäre. Ich mache dazu gerne meine Notizen.

Zur Erinnerung: wir haben im April 2001 mit dem US-Fond Navigator eine auf Aktien basierende Finanzierungslinie abgeschlossen. Das Kapitalmarktumfeld war damals wirklich deprimierend aber wir hatten uns bestmöglich abgesichert. Wir hätten dem Navigator über 18 Monate hinweg unsere YLine-Aktien verkaufen können, maximal jedoch für 50 Millionen Euro. Für den Ankauf von Aktien gab es eine Regelung wobei sich der Ankaufskurs am Durchschnittskurs über die letzten Handelstage vor dem Verkauf errechnete und die Anzahl der in den einzelnen Tranchen maximal an den Navigator verkaufbaren Aktien sich ebenfalls nach den durchschnittlichen Markvolumina richtete. Das ganze Prozedere wurde in einem dicken Vertrag unter – der sehr teuren – Beteiligung der besten Anwälte festgehalten. Alleine die Verhandlungen darüber zogen sich über viele Wochen.

Vor diesem Hintergrund habe ich folgendes Szenario entwickelt, das zeigen soll, dass die YLine zum Zeitpunkt des Abschlusses der Finanzierungslinie mit dem Navigator noch voll finanzierungsfähig war und sich auch finanziert hat. Ich habe die Monate März, April und Mai 2001 genommen und mir die durchschnittlichen täglichen Handelsvolumina, sowie die Durchschnittskurse angesehen. Dann habe ich darauf basierend exrapoliert, wie sich das Handelsvolumen über 18 Monate (360 Handelstage) hätte entwickeln können.

Die Berechung der theoretischen Finanzierungsgrenzen der YLine

Die Berechung der theoretischen Finanzierungsgrenzen

Auf Basis dieses Handelsvolumens wäre die Finanzierung der YLine über den Navigator jedenfalls möglich gewesen. Die 50 Millionen hätten darin Deckung gefunden. Die dargelegten Werte sind natürlich nur Theorie, wir wollten niemals die volle Finanzierungslinie von € 50 Millionen ausnutzen, sondern eben nur jenen Teil, den wir benötigt hätten, um die YLine „fertig“ zu finanzieren. Zu dem damaligen Zeitpunkt hatten wir dem schwierigen Marktumfeld bereits Rechnung gezollt und die YLine in Richtung kosteneffizienten ASP restrukturiert. Die „Go-Go“-Zeiten der New Economy waren da bereits vorbei. Die Finanzierung dafür hätten wir jedenfalls gehabt. Das Problem war IBM und das Problem war – wie wir später erfuhren – Friedrich Scheck und die beiden haben mehr gemeinsam, als man gemeinhin weiß. IBM war im übrigen in die Verhandlungen mit dem Navigator von unserer Seite involviert.

Ich bin mir bewusst, dass das nur eine hypothetische Szenariorechnung ist. Diese ist aber ebenso gültig, wie die weniger fundierten Annahmen und pauschalen Behauptungen der Staatsanwaltschaft. In diesem Fall ist die „Hätti-Tant“ auf Seiten der Staatsanwaltschaft. Diese hat es in 11 Jahren Ermittlungsarbeit nicht der Mühe wert gefunden, mit den Navigator-Leuten zu reden. Wirklich, das ist so! Aber man behauptet halt einmal. Die mangelnde Finanzierungsfähigkeit der YLine war nicht das Problem. Dass ein derartiges Szenario des massenweisen Verkaufes von YLine-Aktien über viele Monate möglich war und ist, das haben uns Friedrich Scheck und Georg Plochberger einwandfrei bewiesen.

Das Problem bei dieser Betrachtung ist dabei leider der massive Insiderhandel, der den Aktienkurs seit Jänner 2001 konsequent nach unten drückte (siehe meine Notizen). Bekanntlich hat alleine Friedrich Scheck im Zeitraum Jänner 2001 bis Juli 2001 knapp 124.000 Aktien für insgesamt € 7,8 Millionen Euro verkauft, Georg Plochberger nochmals knapp 4 Millionen Euro, in Summe also knapp 12 Millionen Euro. Umgekehrt betrachtet kann man zweifelsfrei behaupten, dass diese € 12 Millionen jedenfalls auch von der YLine lukriert hätten werden können. Insgesamt sind in diesem Zeitraum von den Organen der YLine leider mehr als 200.000 Aktien um mehr als 14 Millionen Euro verkauft worden. Das sind nur die Ziffern, die ich kenne. Mit diesem Geld hätte sich die YLine dreimal finanzieren können. Es wäre in der Szenario-Rechnung aber jedenfalls davon auszugehen, dass ohne diesen Insiderhandel der Aktienkurs signifikant höher gewesen wäre.

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