FragezeichenIch habe gestern ein „anoymes“ GMX-E-Mail erhalten, in dem mir erklärt wurde, dass der Insiderhandel für die Entwicklung der YLine völlig irrelevant gewesen wäre. Das E-Mail war etwas plumper und weniger lesenswert formuliert als ich es jetzt zusammenfasse. Was hätte bitte der Umstand, dass Organe Aktien verkauft haben mit der Finanzierungsfähigkeit der YLine zu tun?

Antwort, lieber Ernst: fast alles! Ich meine, die Hypothese, dass der Umfang der Director Dealings zwar eine interessante Information für die übrigen Aktionäre sein könnte aber für die Entwicklung des Unternehmens eher irrelevant, ist für eine OMV oder eine Erste Bank vielleicht richtig. Aber ganz sicher gilt das nicht für ein Start-Up, das ausschließlich mit Unterstützung des Kapitalmarktes errichtet werden konnte. In unseren Kapitalmarktprospekten wurde die Voraussetzung der weiteren Finanzierungsfähigkeit über den Kapitalmarkt als wichtiger Risikofaktor angeführt. Diese Kapitalmarktprospekte waren für Vorstand und Aufsichtsrat bindende und haftungsrelevante Dokumente (im übrigen auch für IBM).

Darf man denn das? Sich auf den Kapitalmarkt verlassen? Aber ganz sicher, Kredite für den Unternehmensaufbau bekommt man von Banken ohnehin nicht! Beispiele? Bitte: Amazon hat sage und schreibe 15 Jahre gebraucht, bevor die kumulierten Gewinne die vorhergehenden Verluste kompensiert hatten. Erst 7 Jahre nach Gründung wurde der erste Gewinn erzielt (siehe Wikipedia). Bis dahin hatten – verkürzt gesprochen – die Aktionäre die Verluste finanziert. Ähnliches gilt auch für Google, Yahoo oder auch Facebook, das erst 5 Jahre nach Gründung erstmals positiven Cash-Flow erzielte (siehe Wikipedia). Twitter, der neue Superstar unter den sozialen Netzwerken wird seit 2006 nur durch die Aktionäre am Leben gehalten. Kaum Umsatz und hohe Verluste zeichnen das Unternehmen aus. Spricht man ihm die Lebensfähigkeit ab? Nein! In den ersten Jahren braucht ein Start-Up mit starkem Wachstum den Zugang zum Finanzmarkt wie das buchstäbliche „Stück Brot“. Kein wachstumsorientiertes Start-Up ist in den ersten Jahren ausfinanziert, das gibt es nicht! Das wäre eine Anomalie. Und gerade in dieser Zeit sind Director Dealings extrem sensibel. Das hat man zuletzt bei Facebook gesehen, wo jeder Aktienverkauf eines Vorstands oder Aufsichtsrat von großem medialen Aufschrei begleitet ist. Siehe beispielsweise diesen Artikel auf Business Insider. Um wieviel mehr muss das für kleinere Start-Ups wie YLine gelten? (Bitte selber beantworten)

YLine war sicher nicht Amazon, Facebook oder Twitter  aber gerade mit unserem IBM-Projekt haben wir ein „super“ vorzeigbares Wachstum gehabt. Und blöd war das Geschäftsmodell ganz sicher nicht, das „sponsored Membership“-Modell wird heute von allen Telekoms und E-Commerce-Anbietern wie Amazon gefahren. Damals waren wir schon so etwas wie das österreichische Twitter. Aber auch wir haben viel versucht und hätten noch weitere 1 bis 2 Jahre benötigt, um die entsprechende Strategie und Eigenfinanzierung umzusetzen. Wir waren extrem abhängig vom Kapitalmarkt und haben das auch immer kommuniziert, die Aktionäre und Partner speziell darauf hingewiesen. Hier machen auch Gutachter und Staatsanwalt den Fehler, die YLine als „normales“ Unternehmen zu betrachten.

Wir waren ein Start-Up, das laufend Finanzierung benötigte und das ex ante auch öffentlich sagte. Wann tritt bei einem Start-Up die Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit ein? Am ersten Tag des Bestehens, am zweiten Tag des Bestehens, am dritten Tag des Bestehens oder wann? Muss ich da in die Basis der Finanz- und Betriebswirtschaftlehre einsteigen? Nein, will ich eigentlich nicht! Befremdend finde ich, dass man uns jetzt den Vorwurf macht, dass wir es versucht haben und dafür kriminalisiert werden. Ist Unternehmensgründung in Österreich kriminalisierungsgefährdet? Wozu schreiben wir dann Kapitalmarktprospekte? Für die Fische? Aber halt, ich wollte jetzt eigentlich nicht darüber schreiben.

Schreiben wollte ich, dass für das Start-Up YLine die Director Dealings von existenzieller Bedeutung waren und sind. Es war in keinster Weise egal ob Friedrich Scheck und Georg Plochberger ihre Aktien wie die Verrückten hinausschaufelten, Ernst Hofmann schnell einmal begünstigte Aktien an Mike Lielacher verkaufte (die dieser sofort verhökerte) oder ein Vorstand auf Druck seines Lebensgefährten die gesperrten Aktien auf den Markt schmiss.  Da wurden Vereinbarungen mit der YLine und letztlich das Vertrauen der Aktionäre gebrochen.

Wir haben mit den mittlerweile bekannten Aktientransaktionen der Insider das Vertrauen des Kapitalmarktes auf das Schlimmste enttäuscht. Immer wieder erhielt ich Anrufe unserer institutionellen Anleger aus London, die sich über die laufenden Verkäufe beschwerten und mich nach den Verkäufern fragten. Und die nicht verkauft haben. Ich konnte ihnen damals die Frage nach den Verkäufern nicht beantworten – jetzt kann ich es! Es waren Director Dealings. Für diese Abzockerei entschuldige ich mich im Namen meines Teams!

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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Unternehmen

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