Stellt euch folgendes Szenario vor. Ihr habt euch soeben als Immobilienmakler selbständig gemacht, geht zu eurer Hausbank und fragt den Filialleiter nach einem Kredit für die Anschaffung der Büromöbel für euer kleines Unternehmen, das ihr soeben gegründet habt. So um die 50.000 Euro vielleicht, stellt ihr euch vor. Das müsste möglich sein, denkt ihr euch. Den Filialleiter kennt ihr und mit der Bank habt ihr schon eine jahrelange Geschäftsverbindung. „Natürlich, das machen wir gerne“ wird euch der Filialleiter antworten. Er wird alles vorbereiten, in zwei Tagen sollt ihr unterschreiben kommen und dann könnt ihr über den Kredit verfügen und die Büromöbel kaufen.

Am Abend desselben Tages trefft ihr diesen Filialleiter zufällig beim Heurigen. Ihr kommt ins Gespräch und dabei erzählt ihr ihm eher scherzhaft, informell wie das halt so ist, dass ihr da ja ein wirklich tolles Projekt hättet. Ihr könntet euch ein Zinshaus um € 10 Millionen kaufen, das da gerade neu errichtet wird. Tolle Lage und so aber das Investment ist halt schon enorm hoch und übersteigt eure Möglichkeiten. Das Risiko besteht darin, dass man die Wohnungen raschestmöglich vermietet. Der Filialeiter, der natürlich daran interessiert ist, sein Kreditvolumen auszuweiten, sagt dir: „Ok, was wäre, wenn ich Ihnen den Kredit für den Kauf dieses Zinshauses geben würde“. Ungläubig siehst du ihn an und fragst: „Geht denn das? Ich habe aber keine Sicherheiten und eine Garantie dafür, dass die Wohnungen rasch genug vermietet werden, die gibt es auch nicht. Das ist ein Risiko. Ich glaube zwar, dass es funktioniert aber wissen kann ich es nicht.“ Der Filialleiter überlegt kurz und meint dann „das mache ich schon, kommen Sie in zwei Tagen bei mir vorbei, ich bereite alles vor“. Hmm, überlegt ihr, das gefällt mir schon aber ich muss mich absichern.

Zwei Tage später geht ihr zum Filialleiter. Der hat tatsächlich alle Unterlagen für einen Kredit über € 10 Millionen vorbereitet und legt euch das Papier vor. Ihr seid euch unsicher und wollt sicher sein, dass der Filialleiter auch weiß und zur Kenntnis nimmt, dass das ein Risiko ist und die Rückzahlungsfähigkeit davon abhängt, dass die Wohnungen zeitnah vermittelt werden. Ihr legt also ein entsprechendes Schreiben vor. Das hat euch euer Anwalt geraten. Der Filialleiter nimmt das zustimmend zum Akt und bittet rechts unten um Unterschrift. Ihr seid noch immer misstrauisch und wollt mit dem Kreditvorstand der Bank reden. „Ok“, sagt der Filialleiter, ruft denselben an und schaltet das Telefon auf Lautsprecher. „Geht alles in Ordnung, wenn es Probleme gibt, dann finden wir eine Lösung“ bestätigt nun auch der Kreditvorstand der Bank. „Außerdem wird unsere Immobilienabteilung ihre Wohnungen anpreisen“. Das wird auch gleich im Akt vermerkt. Jetzt gehen euch die Gegenargumente aus. Ihr wollt jetzt auch den Generaldirektor der Bank sprechen. „Kein Problem“ meint der Filialleiter und ruft diesen an. „Das machen wir gerne“ bestätigt auch der Generaldirektor. Naja dann, das hört sich doch toll an, jetzt ist das einfach ein Mussgeschäft. Das ist eine Riesenbank, das sind erfahrene Leute, die müssen es doch wissen und die Immobilienanzeigen hängen in jeder Filiale. Ihr habt ihnen jetzt mehrmals mündlich und auch schriftlich kommuniziert, dass das Risiko zwar deiner Meinung nach vertretbar aber durchaus vorhanden ist. Und mit der Verkaufskraft der Bank sind die Wohnungen „im Nu“ weg.

Zeitlicher Sprung: ein Jahr später schlägt die Immobilienkrise zu. Die Rahmenbedingungen haben sich schlagartig verändert. Die Vermietung der Wohnungen zieht sich, die Kreditraten können in absehbarer Zeit möglicherweise nicht bedient werden und die Anzeigen in den Filialen der Bank wurden nie aufgehängt. Ihr geht zur Bank und ersucht um Unterstützung. Der Kreditvorstand schlägt euch vor, den Chef der Controllingabteilung als Manager zu übernehmen, zufällig wäre der verfügbar. Der könnte das sicher in Ordnung bringen und die Kommunikation mit der Bank wäre dann auch einfacher. Es kostet allerdings eine Ablösezahlung von einer Million Euro (Abfertigung, Pensionszusagen etc) aber das wäre ein gutes Investment, die Million würde man gleich dem Kreditkonto anlasten können. Hört sich logisch an für euch und ihr engagiert den Controllingchef. Ein guter Mann aber leider komplett überfordert. Nach 5 Monaten bekommt er wegen des Stresses gesundheitliche Probleme, geht auf Kur und scheidet dann aus. Von wegen Kommunikation und Verhandlung mit der Bank. Eine Million in den Wind geschrieben, das Problem ist noch immer da. Also wieder zur Bank gepilgert.

Dort kommt es noch schlimmer. Weder der Filialleiter noch der Kreditvorstand können sich jetzt an die Zusagen erinnern. Aktenvermerke? Zusatzvereinbarung? Nein, man möge doch privates Vermögen nachschießen, wird beschieden. Das hat man aber gar nicht. Auch das zu den Akten gelegte Schriftstück über den Hinweis auf das Risiko wird negiert. Man wehrt sich rechtlich. Die Bank friert das Konto ein, Mieteinnahmen kommen damit überhaupt nicht mehr. Aus und vorbei. Ihr stellt Konkursantrag nachdem euch ein hinzugezogener Berater das empfohlen hat. Riesenskandal, der Filialleiter und Kreditvorstand werden in Pension geschickt. Die Bank vergleicht sich mit dem Masseverwalter, zahlt noch in die Konkursmasse ein, holt sich dann 35 Prozent der Kreditforderung aus der Konkursquote und macht die Bücher zu.

So, und jetzt stellen wir uns vor, dass das kleine Maklerbüro die YLine mit 25 Mitarbeitern war, das Zinshaus die 35.000 PCs, die Bank IBM mit 300.000 Mitarbeitern, die Immobilienkrise war der Niedergang der New Economy, das Schreiben war ein Kapitalmarktprospekt mit allen Einschränkungen und Risiken der YLine, der Aktenvermerk über die Verkaufsunterstützung ein Document of Understanding. Der Rest ist sinngemäß EXAKT genauso abgelaufen (viele Details wurden noch nicht erwähnt). Eigentlich wollten wir ein Rechenzentraum von IBM haben aber dann wollten sie alle meine Vorstellungen  betreffend PC-Projekt sofort umsetzen (siehe auch diesen Beitrag). Die Namen der handelnden Personen – also Filialleiter, Kreditvorstand, Generaldirektor und Chefkontroller – sind allgemein bekannt. Das waren der damalige Chef der Finanzbranche der IBM Österreich, der Finanzchef von IBM Europa, der weltweite Finanzchef der IBM und der Generaldirektor der IBM Österreich. Die alle haben mit mir wegen dieses Projektes verhandelt, stellt euch das vor! Und die wollten das, und wie! Kann das ein so blödes Projekt gewesen sein? Habe ich hier irgendwie leichtfertig agiert und meinen Partner im Hinblick auf das Risikio nicht intensiv bearbeitet? Mit der Pistole zur Unterschrift gezwungen? Nein, eher umgekehrt aber das dürft ihr beurteilen.

Ich will hier keinen „auf arm“ machen. Im Gegenteil, ich stehe zu meiner Entscheidung aber das sollte man auch von IBM und den handelnden Personen erwarten dürfen bzw. müssen. Fortsetzung folgt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Unternehmen

Schlagwörter

, , , ,