Telekom Affäre rund um Johann Wanovits, Euro Invest Bank und Telekom-VorstandAm kommenden Montag beginnt der Prozess gegen die ehemaligen Telekomvorstände Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Heinz Sundt sowie den früheren Euro Invest Bank-Chef Johann Wanovits. Gegenstand der Anklage sind Kursmanipulationen rund um die Telekom-Aktie im Jahr 2004 (siehe diesen Profil-Bericht) und behauptete Untreue des Telekom-Vorstandes. Wanovits wäre von der Telekom bestochen worden, um die Kurse in die Höhe zu treiben und damit zu verhindern, dass Aktienoptionen für das Telekom-Management wertlos verfallen.

Angeblich wird sich Rudolf Fischer teilweise schuldig bekennen.  „Er wird sich nicht im Sinne der Anklage schuldig bekennen, aber für einen Teil die Verantwortung übernehmen“ wird sein Anwalt, Wolfgang Brandstetter, zitiert (siehe Presse-Artikel). Fischer sei sich nun bewusst, damals in wenigen Minuten eine strafbare Entscheidung getroffen zu haben. Na, das hört sich bei der Beweislage wie eine durchaus vernünftige Strategie an. Wanovits sieht dem Vernehmen nach in seinem Verhalten kein Problem. Für die Dienste hat die Euro Invest Bank angeblich € 900.000 als Gegenleistung erhalten.

Für mich ist es typisch österreichisch, dass es die Euro Invest Bank noch gibt bzw. überhaupt so lange gegeben hat. Und dass Leute wie Johann Wanovits überhaupt so lange als Banker tätig sein durften. Die von den Brüdern Franz und Johann Wanovits 1989 gegründete Euro Invest Bank ist seit über 20 Jahren dafür bekannt, dass ihre Adresse „Grüngasse 16“ eher zur „dunklen Seite des Kapitalmarktes“ in Wien zählt, wenn ich diese durchaus treffende Metapher gebrauchen darf. Die Affären der Euro Invest Bank würden viele Bücher füllen.

Der burgenländische ÖVP-Lokalpolitiker Johann Wanovits hat in der Euro Invest Bank offensichtlich eine Ethik etabliert, unter welcher Insiderhandel und Kursmanipulation von Mitarbeitern als selbstverständliche Handlungsoption angesehen wurden. Gerne hat sich Wanowits scherzhaft damit gebrüstet, die „bestgeprüfte Bank in Wien“ zu sein. Eine eher zweifelhafte Ehre.

Der Ruf der Bank ist auch der Grund, warum entweder gefallene Banker wie Robert Schimanko oder Rene Riefler sich gerne dorthin flüchteten oder dort Leute produziert werden, die rechtliche Probleme bekommen. Beispielsweise der Banker Mirko Lukic, der die Aktientransaktion der Telekom durchgeführt hat (siehe auch Auszug aus dem Protokoll des parlamentarischen Untersuchungsausschusses).

Mirko Lukic vor dem Unterssuchungsausschuss über die Telekomaffäre

Die Euro Invest Bank war einer der Market Maker der YLine-Aktie und eine unserer Investmentbanken. Dabei hatte ich viel mit Robert Schimanko, damals Prokurist der Euro Invest Bank, zu tun. Mit diesem hatte ich sowohl die Libro-Übernahme aufgesetzt, wie auch die Verhandlungen mit IBM im Spätsommer 2001 geführt. Und er hatte die YLine in die notleidende Beteiligung der IS4B seines Klienten Günther Robol hineingeführt (ausführlich Notiz folgt). Rene Riefler war damals Vorstand der Euro Invest Bank. Schimanko war einer jener gefallen Banker, die im Zusammenhang mit dem Anlegerbetrug rund um den Salzburger Michael Berger und der Manhatten Investment Ltd (siehe diesen Bericht in der Presse) zunächst von den US-Behörden verfolgt wurden. Schimanko saß in den 1990er Jahren als Vertreter der Bank Austria im Aufsichtsrat der New Yorker Manhatten Investment Ltd. Zwar konnte ihn sein Anwalt Christian Hausmaninger damals aus den Fängen der US-Justiz herausholen aber die Bank Austria trennte sich sehr rasch von Schimanko. Er ging dann gemeinsam mit Rene Riefler zur Euro Invest Bank. Dort war damals ein gewisser Thomas Schätti der für die YLine zuständige Market Maker.

Rund sechs Wochen nach dem Niedergang der YLine verließen Rene Riefer und Robert Schimanko die Euro Invest und gründeten damals ihre RRS Capital Strategies Services GmbH. Thomas Schätti ging zurück in die Schweiz und gemeinsam unterstützten die Drei Ronny Pecik bzw. Mirko Kovats bei der VA Tech-Übernahme. Schätti wurde kurz danach der Assistent von Mirko Kovats. Die RSS ließ sich, wie gelernt, wieder in wilde Geschäfte ein – natürlich in Partnerschaft mit der Euro Invest Bank – wo wieder Mirko Lukic, wenn man den Anzeigen Glauben schenkt, zum willfährigen Gehilfen wurde. Die RRS wurde von der FMA unter Kuratel gestellt – siehe Bericht im Wirtschaftsblatt – und ist mittlerweile Geschichte. Die Euro Invest Bank hat auch diesen Skandal wieder einmal überstanden.

Bei der YLine waren in der Abwicklung mit den Aktien massive Ungereimtheiten rund um Robert Schimanko aufgetaucht. Daher besuchte ich 2002 damals gemeinsam mit einer Wirtschaftsprüferin (man will ja Zeugen haben) Johann Wanowits in der Euro Invest Bank. Dieser erzählte uns, dass er wisse, dass Schimanko und Riefler „schlimme Finger“ wären. Langatmig klärte er uns über die Scheidungsdetails von Schimanko auf, über versteckte Luxusautos aber helfen, helfen könne er mir nicht, denn dann würde auch er in die Luft gehen. Die „dunkle Seite“ eben.

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