In den letzten Wochen habe ich – wahrscheinlich leicht nachvollziehbar – eine Vielzahl von Diskussionen in Sachen YLine geführt. Sowohl mit ehemaligen Kollegen, Mitangeklagten, Investmentbankern und auch mit Rechtsanwälten. Es formieren sich erste Allianzen und Argumentationslinien. Dabei zeigt sich meines Erachtens immer deutlicher das gemeinsame Verständnis, dass die „Akte YLine“ in erster Linie ein Kapitalmarktverfahren ist. Hier ein paar Notizen dazu:

    • neun der zwölf Angeklagten waren Aktionäre oder haben Aktionärsbesitz vertreten, allen zwölf Angeklagten werden kapitalmarktrelevante Punkte vorgeworfen.
    • eine Reihe von Aktionären haben sich als Privatbeteiligte angeschlossen und wollen verständlicherweise Aufklärung um die Vorgänge rund um die YLine-Aktie und wer damit wie verdient hat.
    • Das Thema des Insiderhandels nimmt ohnehin breitesten Raum ein, wobei diesbezüglich nicht nur das Verhalten der Organe, sondern im Rahmen eines Gutachtens wohl auch das der involvierten Investmentbanken und -banker zu untersuchen ist. Hier sehe ich persönlich – wenig überraschend – den wichtigsten Ansatz zum Verständnis der miesen Performance der YLine-Aktie im Frühjahr und Sommer 2001.
    • Bei den großen Themenkomplexen Sacheinlagen und Bilanzen geht es in erster Linie um die Unternehmens- und Beteiligungsbewertungen, die wiederum direkten Bezug zum Kapitalmarkt haben. Die YLine-Aktie wurde bekanntlich durch die Börse bewertet und die mit der Währung „YLine-Aktie“ erworbenen Sacheinlagen durch die involvierten Investmentbanker und Wirtschaftsprüfer. Insofern bewegen wir uns hier direkt im damaligen Kapitalmarktumfeld mit der ergänzenden Fragestellung, ob die involvierten Organe der „YLine-Gruppe“ u.a. im Sinne des § 255 AktG bei Sacheinlage- oder Abschlussprüfungen die richtige Auskunft erteilt haben.

      Kritische Finanzierungsfähigkeit der YLine im Emissionsprospekt

      Kritische Finanzierungsfähigkeit der YLine im Emissionsprospekt

    • Die Finanzierungsfähigkeit des Start-Ups YLine funktionierte ausschließlich über den Kapitalmarkt. Das kann auch aus dem Börseprospekt ersehen werden, wo wir die Öffentlichkeit explizit darauf hingewiesen haben, dass für den Fall, dass wir keine Finanzierung mehr bekommen können, die Insolvenz drohen könnte (siehe Auszug aus Börsenprospekt hier). Die zu beantwortende Frage ist, wie lange wir vor diesem Kapitalmarkthintergrund tatsächlich finanzierungsfähig waren und zu beweisen ist, dass die von uns im April 2001 abgeschlossene aktienbasierende Finanzierungsvereinbarung mit dem Navigator-Fonds funktioniert hätte. Zumindest bis zur Eskalation im IBM-Streit, als diese dann nach einer verlorenen Einstweiligen Verfügung die Forderung fällig gestellt und unsere Einnahmen gesperrt hat (siehe Hinweis im Prospekt unten).
    • In Verbindung mit der Finanzierungsfähigkeit stellt sich abseits des Insiderhandels die Frage, ob der Wirtschaftsprüfer den Bestätigungsvermerk für die Bilanz 2000 erteilt hätte, wenn der massenweise Verkauf der Aktien durch Friedrich Scheck und Georg Plochberger bekannt gewesen wäre? Klare Antwort der Wirtschaftsprüfer heute: nein!
    • War das PC-Projekt und die Partnerschaft mit IBM (hier meine Notizen) kapitalmarktrelevant? Natürlich, ohne den Kapitalmarkt hätte es diese Geschäfte definitiv nicht gegeben. Es wurde daher auch entsprechend umfassend in den beiden Börsenprospekten beschrieben (siehe Auszug als PDF hier), von IBM, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten und Investmentbanken geprüft. Den Aktionären wurde das Risiko explizit dargelegt. Unser Investmentbanker im Aufsichtsrat gab bei seiner Einvernahme an, dass er damals als Analyst einen ISP-Kunden mit € 3.000 bis 6.000 bewertete und das Projekt daher sinnvoll für YLine gewesen wäre. Die 35.000 PC-Kunden erhöhten den Börsenwert der YLine für die Aktionäre also irgendwo zwischen 105 bis 210 Millionen Euro. Entsprechend stieg der Aktienkurs im Zeitraum des Projekts auch von € 45 auf € 235. Dabei haben wir den Aktionären sogar mitgeteilt, dass wir im Rahmen des Projektes unsere Forderungen an IBM zediert und ein Treuhandkonto mit € 3,6 Millionen eingerichtet hatten (siehe Bild unten). Da wurde nichts verschwiegen. Insofern muss die Frage nach der Zulässigkeit dieses Projektes vor dem konkreten Kapitalmarkthintergrund der YLine und der damaligen Rahmenbedingungen beantwortet werden und nicht losgelöst davon.
Darlegung des IBM-Projektes im Börsenprospekt

Darlegung des IBM-Projektes im Börsenprospekt

  • Letztendlich wurde exakt dieses im Börsenprospekt beschriebene Risiko schlagend. IBM hat im Zuge der von YLine angestrebten Klage (eine Einstweilige Verfügung war bereits gewonnen worden) die Forderung fällig gestellt, die Zession gezogen und uns damit von weiteren Einnahmen abgeschnitten. Das, und nur das war der letztendliche Insolvenzgrund, der als potenzielle Bedrohung ex ante offengelegt und transparent war.

Wie man es auch drehen und wenden mag: der Kapitalmarkt und das diesbezügliche Verhalten der YLine und ihrer Organe sind der Dreh- und Angelpunkt dieses Verfahrens.

So, und jetzt ist Fasching!

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