Als ich heute im Standard-Artikel  „Falter“: Ehemaliger Immofinanz-Boss soll Fellners 3,2 Millionen zugeschanzt las, dass der verdächtigte Medienunternehmer Wolfgang Fellner – auch in der Sache YLine kein Unbekannter – ein Gutachten im Strafverfahren Immofinanz  zu seiner Rechtfertigung vorlegte, wonach die inkriminierte Immobilientransaktion „sachgerecht und fremdüblich“ gewesen sei, besprang mich eine Ahnung, … und tatsächlich.

Der Verdacht betraf die Untreue des damaligen Immofinanz-Bosses Karl Petrikovics und die Beihilfe Helmuth Fellners bei einem Immodeal im Jahr 2004. Das entlastende Gutachen wurde tatsächlich von dem gerichtlichen Sachverständigen Prof. Dr. Thomas Keppert erstellt. Laut einem weiteren Standardartikel hält Keppert in seinem Privatgutachten fest, dass die Übertragung der Liegenschaft aus sachverständiger Sicht „angemessen und fremdüblich“ – also völlig legal – vorgenommen wurde. Laut Gutachten sind die Bedingungen des Verkaufs „nachvollziehbar, sachgerecht und wirtschaftlich begründet“. Das hat Keppert auch beim Hypo-Gutachter Birnbacher behauptet bevor dieser blamablerweise gestanden hatte, dass alles Lug und Betrug war.

Besonders pikant daran ist meines Erachtens, dass eben jener Thomas Keppert im Immofinanz-Prozess auch als Privatgutachter auf Seiten des angeklagten Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics tätig ist. Also hat Keppert Interessen auf beiden Seiten und sein Gutachten für die Fellners ist damit das Papier nicht wert auf dem es geschrieben ist. Hätte er nämlich befunden, dass die Fellner-Trankaktionen nicht in Ordnung waren, dann hätte er seinen Auftraggeber aus einem anderen Mandatsverhältnis, Karl Petrikovics, belastet und dem gegenüber hat er als Auftragnehmer bestimmte Treue- und Sorgfaltspflichten.

So aber behauptet Keppert, dass die belastenden Behauptungen von Hubert G. in seiner am 15. Jänner 2009 gemachten Zeugenaussage in Sachen Immofinanz alle nicht stimmen (übernommen von ‚Der österreichische Journalist‘, Kid Möchel: Akte Fellner: Brisante Vorgänge im Immofinanz-Strafverfahren):

Hubert G. war bis Mitte November 2008 bei der Constantia Privatbank für das Beteiligungsmanagement und Controlling in Sachen Immofinanz und Immoeast zuständig. Der Controller sagt kurz vor Mittag aus, dass „gute Kunden der Bank bei Laune gehalten bzw. bei Immobiliengeschäften bevorzugt behandelt wurden“. Dabei äußert er auch den Verdacht, dass „Immobilien durch die Immofinanz und Immoeast vermutlich zu überhöhten Preisen gekauft oder weit unter dem Wert verkauft wurden“. Als Beispiel bringt er den Namen „Fellner“ ins Spiel.

Helmuth Fellner, von dem G. sogar wissen will, dass er auch das Vermögen seines Bruders Wolfgang verwaltet, hat der Immofinanz 2006/07 ein Objekt in der Geiselbergstraße in Wien-Simmering verkauft. Laut Controller G. soll in der Immofinanz-Bilanz „das Objekt noch im selben Jahr um circa 15 bis 16 Millionen Euro abgeschrieben“ worden sein.

G. und sein Kollege Martin Sch., der ebenfalls bis November 2008 in leitender Funktion bei der Constantia Privatbank tätig war, wollen laut Protokoll von ihrem Chef Christian T. Aufklärung „über die Differenz zwischen Bewertung und des tatsächlichen Kaufpreises“ verlangt, aber keine Antwort erhalten haben.

Als weitere mutmaßliche Ungereimtheit führt G. ein anderes Geschäft mit „Fellner“ und der Immofinanz-Gruppe ins Treffen. Es betraf den angeblichen „Verkauf einer Residenz/Apartment in St. Moritz“. Auch in diesem Fall wollen Martin Sch. und Hubert G. „den zu geringen Kaufpreis und die extrem komplizierte Vertragsstruktur kritisiert haben“. Zur Erklärung: Beide Verdachtsfälle haben zu den Hausdurchsuchungen bei Helmuth und Wolfgang Fellner geführt.

Wie lange lässt sich die Justiz von Gutachtern wie Thomas Keppert eigentlich zum Narren halten, fragt man sich da schon fast reflexartig. Die Ermittlungen gegen Helmuth Fellner laufen noch und können laut Staatsanwaltschaft gegen Wolfgang Fellner jederzeit wieder aufgenommen werden. Aus internen Kreise hört man, dass die Staatsanwaltschaft „heiß auf Keppert“ ist.

Nachdem die offensichtlich zumindest fragwürdigen Methoden der „Gutachtenserstellung“ durch Dr. Thomas Keppert spätestens seit der Birnbacher Affäre der österreichischen Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt sind, sollte und wird sich diese das Gutachten von Dr. Keppert iS Immofinanz/Fellner-Brüder ja hoffentlich etwas genauer anzusehen. Bei der Gelegenheit sollte man vielleicht auch das Berufsverständnis von Dr. Keppert zum Thema „Pflichten eines Sachverständigen“ einer Prüfung zu unterziehen.

Join the conversation! 1 Comment

  1. […] sei auch auf “Die Akte YLine” verwiesen, wo die damals die NEWS-Gruppe unter den Fellnern einen Riesen-Deal mit der YLine […]

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Latest Posts By justiziar

    Kategorie

    Unternehmen

    Schlagwörter

    , , ,