Im Nachhinein ist man immer gescheiter, so ein altes und richtiges Sprichwort. Die YLine hatte Anfang 2000 für eine 20 Prozent-Beteiligung damals knapp 17 Millionen Euro mit YLine-Aktien bezahlt (siehe auch Notizen hier). Ich habe mich darüber hinaus mit einer Aktienleihe an der i-online beteiligt und durfte dafür 96.000 YLine-Aktien mit einem damaligen Wert von 8,7 Millionen hinlegen.

Unser Aufsichtsrat Ernst Hofmann, unser Vorstand Kurt Hofmann und unser Investmentbanker Mike Lielacher kamen hingegen zu knapp 16 Prozent der Anteile um den Kaufpreis von ungefähr € 800.000. Gemessen am Kaufpreis der YLine wurden diesen damit rund € 10 Millionen geschenkt oder der YLine und mir zu teuer verkauft. Interessant, finde ich, oder? Hier sind meine wie üblich mit Fakten und Unterlagen angereicherten Notizen dazu.

Mir war bis vor kurzem die tatsächliche Eigentümerstruktur der i-online nicht bekannt aber die im Gutachten befindlichen Beilagen, die im Zuge von Hausdurchsuchungen bei den Beteiligten gefunden wurden, ermöglichen eine entsprechende forensische Aufarbeitung. Mit dem Verkauf von Anteilen der i-online an die YLine haben Friedrich Scheck und Georg Plochberger jene YLine-Aktien erhalten mit denen sie die € 12 Millionen tatsächlich verdient haben (hier meine Notizen dazu). War da sonst noch jemand dabei, den wir kennen? Natürlich, die üblichen Verdächtigen!

Neben Georg Plochberger und Friedrich Scheck waren auch unser Aufsichtsratsvorsitzender Ernst Hofmann mit seiner ganzen Familie (Claudia, Petra und Veronika Hofmann), unser Vorstand Kurt Hofmann, sowie unser Investmentbanker Mike Lielacher bereits im Jahr 2000 in der i-online investiert. Lielacher hatte damals ein Mandat mit der YLine und sollte unsere Interessen vertreten. In den Aufsichtsratsprotokollen, Unterlagen und E-Mails findet man keine Aufklärung über die tatsächlichen Beteiligungsverhältnisse, was angesichts der potenziellen Interessenskonflikte geboten gewesen wäre. Die Beteiligung von Ernst Hofmann, Kurt Hofmann und Mike Lielacher erfolgte über Treuhänder. Bis auf die treuhändige Beteiligung des Kurt Hofmann bestätigt Friedrich Scheck diese Beteiligungsstruktur dem Masseverwalter Dr. Stapf 2004 schriftlich. Insofern ist das auch unbestrittener Fakt.

Hier der Stand des Aktionärsbuches nach der Hauptversammlung der i-online am 5. Dezember 2000 (siehe hier auch die Schreiben der Treuhänder Dkfm. Johann Frank und Thomas Herndl):

Familie Hofmann und Mike Lielacher bei der i-online

Familie Hofmann und Mike Lielacher bei der i-online

Mike Lielacher und KUrt Hofmann bei der i-online

Mike Lielacher und Kurt Hofmann bei der i-online

In dieser Hauptversammlung am 5. Dezember 2000 wurde eine Kapitalerhöhung zum Nominale beschlossen (siehe Auszug HV-Protokoll vom 5. Dezember 2000). Damals war Friedrich Scheck noch vom Börsengang der i-online überzeugt und er wollte unseren ISP kaufen, was dann im Jänner 2001 auch erfolgte. Der Aufsichtsratsbeschluss dazu auf Seiten YLine wurde auch gleich am 5. Dezember 2000 von Ernst Hofmann unterschrieben (hier AR-Beschluss). Es sollte halt schnell gehen.

Leider erwies sich der von Scheck angestrebte Börsengang im Frühjahr 2001 zunehmend als Unmöglichkeit. Keine Investmentbank wollte damals das Projekt machen. Scheck behauptet in seinen Darstellungen immer, dass ich den Börsengang der i-online getrieben und daran festgehalten hätte. Schwachsinn und beispielsweise durch das wirklich lesenswerte E-Mail vom Samstag, 24. März 2001 an das „Scheck-Team“ leicht widerlegbar. Der im E-Mail von Friedrich Scheck ausführlich dargelegte „Plan B“ sah jetzt vor, dass die YLine die Mehrheit, natürlich mit vielen Haken und Ösen versehen, an der notleidenden i-online erwerben sollte. Weder das strategische Internet-Produkt war damals fertig noch Geld vorhanden.

In diesem E-Mail vom Samstag an Ernst Hofmann, Kurt Hofmann und Mike Lielacher – das E-Mail ist nicht an mich, die YLine oder andere YLine-Organe ergangen – legt Scheck seine ersten Kapitalmarkt- und Transaktionsüberlegungen dar. Dann wird es spannand. Am Montag, den 26. März 2001 informiert Friedrich Scheck dann den Vorstand der YLine mit diesem ebenfalls lesenswerten E-Mail über die konkreten Ziffern. Man wolle ATS 228 Millionen für weitere 32 Prozent der i-online AG, darunter jene 16 Prozent die durch unseren Aufsichtsrat Ernst Hofmann und unseren Investmentbanker Mike Lielacher gehalten wurden (hier Bild).

Friedrich Scheck an YLine-Vorstand

Friedrich Scheck an YLine-Vorstand

Gestaltet sollte das Ganze nach den Vorstellungen von Friedrich Scheck so werden, dass, für den Fall, dass die YLine Insolvenz anmelden müsste, die Aktionäre der i-online ihre Aktien wieder um einen Euro zurückkaufen könnten. Das Insolvenzszenario war bei dem mittlerweile bekannt gewordenen Verhalten der Beteiligten entweder beabsichtigt oder zumindest in Kauf genommen worden. Der „Plan B“ war eine Art pervertierter „reverse takeover“ mit wohlwollender Unterstützung unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Hofmann, unseres Vorstandes Kurt Hofmann und unseres Investmentbankers Mike Lielacher.

Es stellt sich die Frage, warum es weder Mike Lielacher noch Ernst Hofmann und auch nicht Kurt Hofmann trotz der ihnen gesetzlich auferlegten Verpflichtung die YLine und Wirtschaftprüfer über diese Verhältnisse und Vorhaben nicht informierten. Aber das hatte Ernst Hofmann ja auch in der Webline nicht anders gehalten (siehe Notizen zum Pornokönig) und gelernte Gewohnheiten soll man bekanntlich nicht ändern. Soviel dazu, ob und was der Vorstand der YLine bzw. der übrige Aufsichtsrat tatsächlich gewusst haben. Aber Stück für Stück werden wir das erarbeiten.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Notizen wieder ein Stück weit mit der von Friedrich Scheck verbreiteten Legende aufgeräumt habe, dass er gar nicht dabei gewesen wäre. Es ist, meine ich, für jeden ersichtlich, wer hier die Choreografie gemacht hat. Weitere Notizen folgen! Noch einen schönen Sonntag.

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  1. Euch Wiener kann wirklich kein Mensch verstehen. Dieser sogenannte Kommerzienrat Scheck ist doch schon bei der der Ecobusiness aufgefallen. Wir haben ihn und seinen Wiener Haberer Kerbler schon einmal bei der Staatsanwaltschaft hier in München angezeigt. Rausgekommen ist genau gar nichts obwohl doch alle Wissen, dass das der größte Beschiss des Jahrhunderts war. Ich finde es eine Riesensauerei das bei euch die Leut solange herumlaufen und andere veräppeln dürfen. Man, was ist eure Justiz doch für Saftladen, unglaublich! Aber jeder bekommt die Justiz, die er verdient!

    Antwort
  2. Sind die Herren Kurt und Ernst Hofmann verwandt? Bitte um Aufklärung einer neugierigen Leserin.

    Antwort
    • Nein, die beiden sind meines Wissens nach weder verwandt noch verschwägert, sonder langjährige Geschäftspartner. Mag . Kurt Hofmann kam über Vermittlung von Ernst Hofmann vom Trend/Profil-Verlag zur YLine und war in der Folge Vorstand in unserer ISP-Tochter, LG Werner Böhm

      Antwort
      • Vielen Dank und noch eine letzte Frage. Wie ist die Beziehung zwischen Herrn Ernst Hofmann und Herrn Friedrich Scheck und Herrn Hermann Pöltl von der Capital Bank?

      • Interessante Frage, offenbar sind Sie ein Insider. Hermann Pöltl war bei der Capital Bank der zuständige Betreuer für die YLine, Ernst Hofmann und auch von Friedrich Scheck. Die Verbindung zur Capital Bank wurde von Ernst Hofmann hergestellt, der in frühen Zeiten im Aufsichtsrat der GRAWE saß als die Capital Bank noch ein Tochterunternehmen der GRAWE war. Damals saß der Vorstand der Capital Bank, Hans-Dieter Prentner, auch im Vorstand von Hofmanns Privatstiftung.

  3. Dieser Kurt Hofmann war doch auch in der Firstinex tätig was für mich ein weiterer Beweis dafür ist, dass dieser Herr der blauen Mischpoche zuzuordnen ist. Insofern verschweigt Herr Böhm hier doch einige Tatsachen oder dreht sie so, wie er sie braucht. Ich habe heute den folgenden Artikel im Archiv des Wirtschaftsblatts gefunden: http://wirtschaftsblatt.at/archiv/bwien/866558/index. Darin wird im Juni 2001 beschrieben, wie Herr Kurt Hofmann die „Grasser-Firme“ Firstinex sauber machen und mit einer i-online von fusionieren und das ganze dann noch im September noch an die Börse bringen wollte. Das passt doch überhaupt nicht mit dem zusammen war in dem Artikel geschrieben wird. Erklären sie sich bitte Herr Böhm, falls sie das trauen und können. Aufklären ist ja schön und gut aber dann auch ordentlich!!! Ein Leser, der nicht für dumm verkauft werden will!!!

    Antwort
    • Es hat ja einige zeit gebraucht bevor hier die ersten Kommentare kamen aber notwendig war das auch. Es ist ja alles ganz spannend was man da so liest aber viele Informationen werden ganz einfach ausgelassen. Herr Böhm, entweder trauen sie sich tatsächlich alles zu sagen oder sie lassen es aber ….

      Was ist mit Gerry Mikscha? Was hat der bei der yline wirklich gemacht. Der war doch ganz eng mit euch allen vor allem mit dem „Kammern-Präsident“ Ernst Hofmann. Auf Wikipedia steht ja auch das er bei yline gearbeitet hat und dann auch mit lielacher. Bekanntlich sucht man auch die Millionen des Eurofightergeschäftes bei ihm. Sind die in der yline? bei Hofmann? bei Lielacher. Sicher war die yline eine blaue Hochburg, da können sie schreiben, was sie wollen hier!

      Antwort
      • Hallo BlueChipper, Gerry Mikscha war oder ist ein guter Freund von Ernst Hofmann und wurde mir von diesem auch vorgestellt. Ich habe Gerry als intelligenten und aufrichtigen Menschen kennengelernt, der maßgeblich zum Erfolg der FPÖ beigetragen hat. Für mich war er die emotionale und ordnende Kraft hinter Jörg Haider. Gerry hat als Geschäftsführer der FPÖ auch den Auftrag mit der YLine abgeschlossen. Man wollte die FPÖ und ihre Mitglieder in das Internet führen. Ein durchaus schlüssiges Konzept. Natürlich war Gerry auch mit Lielacher gut bekannt, der sich den Blauen damals als Investmentbanker angedient hat. Er wäre ja auch beinahe Aufsichtsrat bei der ÖBB geworden. Wieweit diese Bekanntschaft geht oder ging entzieht sich aber ebenso meiner Kenntnis wie die Frage ob Mikscha etwas mit den Eurofightern zu tun hatte und wo dieses Geld ist. Sicher nicht in der YLine, sonst würde ich diesen Blog hier nicht schreiben. Irgendwie logisch, oder? mfg Werner Böhm

    • Hallo Walter, es stimmt, Kurt Hofmann war auch als Vorstand in der i-online tätig und sollte das Unternehmen mit der angeschlagenen i-online fusionieren. Ob man aus diesem Umstand folgern kann, dass das wieder ein Hinweis auf eine blaue Verbindung ist, weiß ich nicht. Kurt Hofmann und die „blaue Eminenz“ Ernst Hofmann kennen sich zwar sehr gut aber ob es auch eine Verbindung zu Grasser gab weiß ich nicht. Es war der Vorgänger von Kurt Hofmann, Dietmar Jandl, der ein persönlicher Freund von Karl-Heinz Grasser war und diesen in die FirstInEx als Investor hineingeführt hat. Ich werde darüber noch einen Beitrag schreiben, mfg Werner Böhm

      Antwort
  4. Entweder Sie sind der größte Bullshitter im Web oder sie haben wirklich diese Informationen und haben nichts gemacht. Was auch immer, besonders positiv schneiden sie dabei nicht ab. Ich kann mir aber leider einfach nicht vorstellen, dass das alles stimmt. Das sind alles Räubergeschichten, diese Hofmanns könnten doch gar nicht mehr frei herumlaufen.

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  5. […] Lielacher im übrigen als schweren Betrug. Ich habe dazu auf dem Blog “Die Akte YLine” diesen Beitrag gefunden. Soweit so […]

    Antwort

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