Christoph Matznetter und sein Engagement bei der YLine

Christoph Matznetter – Berater und Gründungshelfer der YLine

Der heutige Beitrag ist so eine Art Auftragsarbeit, zumindest das Thema betreffend. YLine ist, man mag es nach 12 Jahren kaum glauben, noch immer eine politische Causa, anders ließe sich die Bitte um Aufklärung eines interessierten Lesers nicht erklären. Es geht um die politische Zugehörigkeit der YLine und um mittlerweile mehr oder weniger antiquierte politische Akteure.

Eine rote Geburt

Diesbezüglich darf ich festhalten, dass die YLine kein blaues Unternehmen war und fernab dieser politischen Farbe gegründet wurde. Auch wenn im Zuge der kurzen Existenz einige blau gefärbte Leute mit der YLine in Berührung kamen – geboren wurde die YLine mitten im Schoß des roten Lagers. Die Gründung des Unternehmens habe ich 1998 unter Beiziehung des ehemaligen Finanzstaatssekretärs Christoph Matznetter und seiner Kanzlei vollzogen. Meine Schwester hat das Handwerk der Steuerberatung bei Matznetter gelernt und dieser ist daher auch quasi familiär mit mir verbunden, oder? Matznetter hat mir als Steuerberater meines Vertrauens persönlich bei der Errichtung meiner Stiftung die entsprechende Beratung angedeihen lassen. Matznetters Kanzlei, die Merkur Treuhand, führte einige Zeit auch die Buchhaltung und bis zur Anmeldung der Insolvenz bzw. sogar danach für den Masseverwalter noch die Lohnverrechnung für die YLine. Im Zuge der politischen Auseinandersetzungen rund um die YLine versuchte sich Matznetter umständlich herauszureden, als er von der ÖVP angeschossen wurde.

Lopatka [Anm: damals Generalsekretär der ÖVP] beziehe sich möglicherweise darauf, dass die Kanzlei Merkur Treuhand, bei der er, Matznetter, einer von vier Geschäftsführern ist, bei YLine mit der technischen Durchführung [sic] der Lohnverrechnung beauftragt war, wobei dieses Service auch nach dem Konkurs weiter für den Masseverwalter Stapf bis zur Endabrechnung aller Dienstnehmer erbracht wurde (siehe OTS-Meldung vom Oktober 2003) .

Die ÖVP machte Matznetter damals sogar für die Insolvenz der YLine mitverantwortlich. Eine lächerliche Behauptung, die später auch widerrufen wurde aber Tatsache bleibt, dass Matznetter und seine Kanzlei als Gründungshelfer, frühe Wegbegleiter der YLine und bis zuletzt als Lohnverrechner tätig waren. Keine Rede von FPÖ-Nähe  – genau im Gegenteil. Zwar versuchte Matznetter später zu relativieren aber letztlich bleibt es unumstrittenes Faktum (siehe auch Bericht im Standard). Sollte die YLine also tatsächlich politisch besetzt gewesen sein, dann hat die SPÖ dabei zumindest ebenso viel Anteil wie die FPÖ. Der frühere FPÖ- und spätere ÖVP-Finanzminister war ebenso bei uns engagiert wie der spätere SPÖ-Finanzstaatssekretär. Matznetter habe ich lange vor Haider und Grasser kennengelernt und mit ihm ebenso viel oder wenig zu tun gehabt wie mit den anderen beiden!

Christoph Matznetter gegen Karl-Heinz Grasser

Matznetter hat sich aus dem Konkurs der YLine ein unternehmerisches Schnäppchen herausgeholt, was die Damen und Herren im Parlament damals heftig beschäftigte (siehe Protokoll hier). Insofern hat er von YLine sicher mehr profitiert als Grasser. Als Matznetter 2003/2004 die YLine im Zuge von parlamentarischen Debatten kriminalisierte, um auf den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser einzuschlagen und dessen Rücktritt zu fordern – dieser war bekanntlich mit seiner Familie an der YLine und der YLine-Tochter FirstInEx beteiligt (siehe Bericht im Profil) – habe ich Matznetter angerufen und zur Rede gestellt. Ich soll das nicht so eng sehen, meinte er jovial am Mobiltelefon, er wisse, dass die YLine nichts Kriminelles gemacht hätte, denn er hätte ja die Bücher geführt. Aber es wäre eben politisch opportun, das müsse ich verstehen. Nun, ich sagte ihm, dass ich das definitiv nicht verstehen würde und er ja wohl auch nicht glücklich wäre, wenn ich Details über die Zusammenarbeit mit der YLine erzählen würde. Mit parlamentarischer Immunität kann man leicht laut schreien! Es war ein gutes Gespräch, denn danach hat Matznetter medial keine negativen Worte mehr über die YLine verloren. So einfach geht das mit ein wenig gutem Willen.

Peter Pilz und Pius Strobl

Ähnliche Gespräche hatte ich auch mit Peter Pilz, der 2003 und 2004 über die Kriminalisierung der YLine ebenfalls seine aufgeregten Attacken auf Karl-Heinz Grasser führte. Bei ein, zwei oder drei Bier im Cafe Stein haben wir uns dann ausführlich unterhalten. Ich habe ihn gefragt, ob er wüsste, welche Rolle denn der Grüne Pius Strobl bei der YLine gespielt hätte? Er wusste es nicht, versprach, sich danach zu erkundigen und dann war es auch von grüner Seite ruhig in Sachen YLine. Dankenswerter Weise hat Pilz mich auch namentlich nicht in seinem 2006 erschienenem Buch „Republik der Kavaliere“ erwähnt. Strobl wurde 2004 vom Wirtschaftsprüfer der YLine – Ernst & Young – als Unternehmenssprecher in Sachen YLine organisiert (siehe beispielsweise hier)  und hat mich bei einem netten Abendessen sehr subtil über diverse Interessen und mögliche Bedrohungen aufgeklärt. Seinen Fall im ORF habe ich, gebe ich offen zu, mit einer gewissen Befriedigung beobachtet.

Ich könnte jetzt noch viele Zeilen über die politischen Scharmützel und diverse politische Gespräche verfassen aber Fakt ist, dass damals alle Farben irgendwie bei der YLine mitmachen wollten oder mitgemacht haben und das auch Teil des Problems war. Es gab halt leider nur einen „New Economy Star“ in Wien, alle wollten zunächst mitnaschen, sich dann abputzen und nicht dabei gewesen sein. Und jetzt hängen mir die Leute ebenso am Hals wie die diversen Freimaurer und Rotarier – das ist gelebtes Österreich! Was soll einem da noch erschüttern?

P.S.: liebe Grüße an den roten Pferdezüchter Robert Schimanko in der Schweiz, der auch einer dieser politischen Akteure rund um die YLine war!

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Politiker, Unternehmen

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