Kreditschädigende Aussagen

Einstweilige Verfügung gegen IBM

Einstweilige Verfügung gegen IBM

Ginge es nach IBM, dann hat es ja gar keine Partnerschaft gegeben. Das wurde zumindest seitens Big Blue im Sommer 2001 behauptet. Diese Behauptung musste IBM nach einer am 6. August 2001 vom Handelsgericht Wien erlassenen Einstweiligen Verfügung dann unterlassen. Auch bei den IBM-Anwälten Freshfields Bruckhaus Deringer – im vorgebrachten Rekurs vom 23. August 2001 – ist es unbestrittene Tatsache, dass am 30. September 1999 eine Partnervereinbarung zwischen YLine und IBM unterschrieben wurde. Die Einstweilige Verfügung bescheinigt, dass zwischen YLine und IBM „ein Partnerschaftsvertrag geschlossen wurde, der vom Zeitablauf her noch nicht erloschen ist„. Und weiters wird festgehalten: „Die Behauptung, dass die Klägerin (Anm: YLine) im Verhältnis zur Beklagten (Anm: IBM) dieser nur wie jeder andere Kunde die Zahlung offener Rechnungen schulde, ist geeignet, die Klägerin im Geschäftsverkehr herabzusetzen.“ Soviel zur Qualität der Aussagen und dem Verhalten von IBM.

Inhalt Partnervereinbarung

Die Partnerschaft mit IBM war ganz klar formuliert hinsichtlich der gemeinsamen Erreichung eines bestimmten Ziels. So heißt es in der Präambel der Vereinbarung, IBM und YLine (damals noch IT.D) „kommen überein, eine Partnerschaft für die Errichtung und den Betrieb einer für den europäischen Raum vorgesehenen Rechenzentrums- und Internetzugangsinfrastruktur abzuschließen„. Weiters heißt es, dass sich IBM und YLine „zu wechselseitiger Exklusivität und partnerschaftlichen Verhalten“ verpflichten. Das PC-Projekt war eine konkrete und seitens YLine vereinbarungsgemäße Umsetzung dieser Vereinbarung, IBM war in der Folge der hauptsächliche Nutznießer der diversen Kapitalerhöhungen. Das Geld unserer Aktionäre wurde erheblichenteils an IBM durchgereicht. Trotzdem hat IBM seine Verpflichtungen – wie bei den niemals funktionierenden LINUX-Großrechnern, dem nicht umgesetzten Center of Competence oder dem Vertrieb der gemeinsamen Produkte – in weiten Bereichen eindeutig nicht eingehalten. Rechtlich hätten wir das wie bei der Einstweiligen Verfügung nachweisen können aber IBM hat zuvor die Partnerschaft bestritten, dann „das Licht ausgeknippst“, fällig gestellt, Zession gezogen und Insolvenz erzwungen. Aber das ist nur unsere Sicht.

Kosten der Partnerschaft

Nach den Ergebnissen des Gerichtsgutachters Dr. Thomas Keppert wurden von IBM Leistungen von insgesamt € 38,1 Millionen an YLine fakturiert. Das sind umgerechnet knapp 70 Prozent des insgesamt durch Kapitalerhöhungen aufgebrachten Kapitals der YLine. Im Betrachtungszeitraum der Partnervereinbarung von September 1999 bis September 2001 wurden insgesamt rund € 24,5 Millionen an die IBM gezahlt. Damit hat IBM knapp 51 Prozent des insgesamt bei Kapitalerhöhungen aufgebrachten Kapitals der YLine konsumiert. Hinzu kamen Zusatzinvestitionen für die Partnerschaft im Ausmaß von € 9,5 Millionen, wie eine 2004 für ein Zivilverfahren von Wirtschaftsprüfern erstellte Stellungnahme darlegt. Die Partnerschaft mit IBM konsumierte also in Summe 34 Millionen Euro unseres Geldes. Ebenfalls ansetzen muss man jene rund € 1,8 Millionen, welche das Engagement des ehemaligen IBM-Generaldirektos Günter Pridt kostete (siehe auch Beitrag hier). Damit wurden seitens YLine knapp 35,8 Millionen Euro in die Partnerschaft investiert. Das entspricht rund 71 Prozent des von den Aktionären in das Unternehmen eingezahlten Kapitals. Wir haben das Geld aus dem Börsengang im November 1999 ausschließlich für die Umsetzung der Partnervereinbarung mit IBM geholt.

Bitte lächeln…

Angesichts dieser unglaublichen Summen und der Gerichtsentscheidung ist es wohl für Viele unverständlich, warum der Gutachter auf die Partnerschaft mit IBM kaum eingeht und es unterlässt, die Rahmenbedingungen der YLine darzulegen und in das tatsächlich damals gegebene Umfeld – eben die Partnerschaft mit IBM – einzubetten. Unterlagen und Schriftverkehr dazu gibt es in ordnerfüllenden Ausmaßen und auch in den beiden Kapitalmarktprospekten ist die Partnerschaft im Sinne der Aktionäre bestens dokumentiert. Insofern ist das Gutachten hier durch Auslassungen und Weglassungen schlicht falsch, was zu beweisen sein wird.

Hauptversammlung YLine Mai 1999

Teilnehmer der Hauptversammlung im Mai 1999 mit IBM-Manager Walter Fuchs

Nachsatz: IBM hat sich mit dem PC-Projekt auch eine Option (Warrant Agreement) um 27 Millionen Schilling auf YLine-Aktien einräumen lassen. Der für uns zuständige IBM-Manager Walter Fuchs war einer der ersten Aktionäre (siehe Beitrag hier und Bild rechts), der Generaldirektor von IBM Österreich, Günter Pridt, wechselte zu uns in den Vorstand, der Finanzchef von IBM Europa, Arthur Kozak, war in unserem Beirat, der damalige IBM Europa-Chef Mike Lawrie hat in Wien persönlich das PC-Projekt und die Partnerschaft angekündigt, der Vice President Finance Jim Polus kam zur Vertragsunterschrift an einem Samstag zu mir nach Wien aber ansonsten … ansonsten war YLine nur ganz ein normaler Kunde. Ein frisch gegründetes Startup, dem IBM auf mein nettes Lächeln hin ohne Kreditprüfung und ohne Sicherheiten schnell einmal 30.000 PCs und zwei Großrechner um insgesamt knapp 460 Millionen Schilling verkaufte. Ist das glaubwürdig? Ach ja, der Finanzierungsvertrag wurde erst nach Lieferung des Großteils der PCs unterfertigt, war ja nicht weiter wichtig. Ein ganz übliches Geschäft halt für einen Weltkonzern, oder? Sicher hat IBM das öfter so gemacht und kann uns das auch darlegen!

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  1. […] Computer und Dienstleistungen und die Umsetzung der gemeinsam festgelegten Projekte investiert (zur Partnerschaft siehe auch Notizen hier). In diversen Gutachten und Stellungnahmen diverser Experten wurde festgestellt, dass – je nach […]

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