Günter Pridt war COO der YLine

Ex-IBM General und YLine COO wollte IBM-Verbindlichkeit in YLine verbucht haben sagt Wirtschaftsprüfer

Die mediale Vorverurteilung in Sachen YLine dauert jetzt schon gut 11 Jahre an. Subjektiv habe ich das Gefühl, dass es kaum einen Wirtschaftsjournalisten gegeben hat, der sich an dieser Hetze nicht beteiligt hätte. Das ist natürlich übertrieben aber nach über einem Jahrzehnt empfindet man das eben so. Sogar dem „Aufdecker“ der Nation, Alfred Worm, war die unmittelbar bevorstehende Anklage 2006 (also vor 7 Jahren) ein umfangreicher Artikel im NEWS wert. Er bezog sich auf Aussagen der Staatsanwaltschaft, die offenbar falsch waren. Und Worm hat über alle möglichen und unmöglichen schlimmen Dinge spekuliert. Tatsache ist, dass auch ein Worm irrte, falsch berichtet hat und NEWS dafür verklagt wurde. Die noch immer nicht rechtskräftige Anklage ist dann knapp 6 Jahre und 3 oder 4 Staatsanwälte später, Ende Dezember 2012, bei den Beschuldigten eingetroffen. Unmittelbar ist anders, oder? Im Übrigen hat die Staatsanwaltschaft nach Erscheinen des Artikels von Alfred Worm die Ermittlungstätigkeiten plötzlich eingestellt und erst 2011 wieder aufgenommen. Offenbar hat der Staatsanwaltschaft die mediale Verurteilung damals schon gereicht.

Ein weiterer Beleg, wie falsch die medialen Spekulationen regelmäßig gewesen sind, ist ein Standard-Artikel aus dem Jänner 2002, der auch in engem Zusammenhang mit dem Thema IBM steht. Abgesehen davon, dass man sich in dem Artikel wundert, dass ich wieder arbeite (soviel wie der abgezockt hat), fragt man sich darin, subtil kriminalisierend, wohin das Geld der YLine verschwunden sei. Beispielsweise wird  auf einen Sprecher (!) des Masseverwalters verwiesen. Der KSV-Insolvenzexperte Michael Schütz beurteilte ohne sachliche Grundlage oder Belege die YLine als „Geldvernichtungsmaschine“ und erwartete maximal eine „einstellige Prozentquote“ für die Gläubiger. Es geht wirklich nichts über profunde Aussagen, die Medien lieben das.

11 Jahre später wissen wir, dass das Geld nicht bei mir verschwunden ist, sondern größtenteils an die IBM gezahlt wurde. Insofern war also die IBM die „Geldvernichtungsmaschine“?!  Da kommen wir der Sache vielleicht schon näher. Das Geld der Investoren wurde von der YLine im Rahmen der Partnerschaftsvereinbarung mit IBM in deren Computer und Dienstleistungen und die Umsetzung der gemeinsam festgelegten Projekte investiert (zur Partnerschaft siehe auch Notizen hier). In diversen Gutachten und Stellungnahmen diverser Experten wurde festgestellt, dass – je nach Betrachtungsweise dieser Experten – zwischen 78 bis 85 Prozent der von der YLine über den Kapitalmarkt vereinnahmten Gelder in die Partnerschaft mit IBM geflossen sind. Darüber wurde dann in den Medien natürlich nicht mehr berichtet.

Der Konkurs der YLine wurde Mitte Juni 2011 (Beitrag im Standard) mit einer Quote von 35,2 Prozent abgeschlossen, also weit weg von den ursprünglichen (Un)Prognosen des KSV. Rechnet man die IBM als Gläubiger heraus – ich sehe die IBM, wie andere Angeklagte, Rechtsvertreter, Wirtschaftsprüfer und Sachverständige auch, weiterhin als Eigenkapitalersatz – dann hätte es eine Quote von über 100 Prozent gegeben bzw. wäre kein Konkurs erforderlich gewesen. Berücksichtigt man zudem den derzeitigen Wissensstand, dass die IBM-Verbindlichkeit gar nicht in der YLine war, dann ist auch nicht klar, warum der Masseverwalter diese in der YLine überhaupt anerkannt hat. IBM hat die Diskussion über ihre Stellung und eine ursprüngliche Klage des Masseverwalters mit einem gerichtlichen Vergleich und der Zahlung von knapp 3,1 Millionen Euro „abgedreht“ (siehe Notizen und Unterlagen hier). Mit dieser Zahlung hat sich die IBM dann auch den Status eines Gläubigers und Schutz vor Inanspruchnahme durch Aktionäre vom Masseverwalter gekauft.

Es gilt daher jetzt, die „Akte IBM“ Stück für Stück aufzurollen und die aufgestellten Behauptung mit Beweisen unterfüttert darzulegen. Das nächste Stück folgt in Kürze.

Join the conversation! 5 Comments

  1. Sehr interessant… Wieder eine neue Verteidigungslinie? Na ja, wenn es der Gutachter, den Sie bisher so in den Dreck gezogen haben, auch so sieht, dann ist es ja gut. Aber widerspricht er sich da nicht selbst? Der Wirtschaftsprüfer, den Sie beim Bild von Pridt erwähnen, ist wohl wieder die so „unabhängige“ Frau Sixt, also die Frau, mit der Sie ein Kind haben, oder? Na, dann viel Erfolg mit Ihrer Argumentation… Interessant ist auch, dass Sie offensichtlich keinerlei Geld auf die Seite geräumt haben wollen, wie Sie immer wieder behaupten… Nur, wer’s glaubt, wird selig…. Bin schon gespannt, wer letzten Endes wirklich ins Gefängnis wandert!

    Einer, der geschädigt wurde – und zwar durch Sie (und Ihre Kumpanen)…

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    • Wird es nicht langsam eher wirklich langweilig, mich ewig ins Gefängnis zu schreiben. Sogar für Sie? Aber ja, ich freue mich über jeden Klick, jeden Kommentar, weil sich das für eine kritische Diskussion gehört. Insofern vielen und wirklich ehrlichen Dank für den Kommentar, lg Werner Böhm

      Antwort
      • Na ja, zeitweise ist es schon langweilig, aber nur, weil die Justiz nicht weitermacht und es so lange dauert, bis der Prozess kommt. Ich kann den Ausgang zwar nicht beeinflussen, glaube aber daran, dass die „wirkliche Wahrheit“ siegt. Nicht die Ihre (sehr verdrehte)….
        Ich bleibe dran, auch wenn ich mich nicht immer melde…
        Ausserdem: Trotz gewisser Langeweile machen Sie es ja immer wieder interessant und merken gar nicht, wie….

  2. […] Vor sehr vielen Jahren, vor Beginn der Google-Ära und diversen Novellen der Strafprozessordnung, musste ich wegen der Probleme mit IBM und deren Sperrung unserer Gelder die Insolvenz der YLine anmelden. Das war im September Anno Domini 2001. Kurz darauf wurde der damals noch junge Dr. Christoph Stapf zum Masseverwalter bestellt und nahm noch im September seine Tätigkeit auf. Abgeschlossen wurde die Insolvenz dann ziemlich genau 10 Jahre später, im Juni 2011, mit einer Quote von 35,2 Prozent (siehe auch Notizen hier). […]

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  3. […] wurde der Konkurs der YLine mit einer unglaublich hohen Quote von 35,2 Prozent abgeschlossen (siehe Notizen hier). Irgendwer wird die Kosten zahlen müssen, entweder die eventuell verurteilten Angeklagten oder […]

    Antwort

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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Presse, Unternehmen, Wirtschaftsprüfer

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