Wie vor ein paar Tagen angekündigt, darf ich mit der Serie über die IBM-PC-Verbindlichkeit beginnen, deren unberechtigte Geltendmachung durch die IBM verbunden mit der Gier eines dem Unternehmen nahestehenden Aktionärs die Insolvenzursache der YLine war. Ich werde darlegen, dass diese Verbindlichkeit zunächst nicht rechtswirksam entstanden ist und zuletzt gar nicht mehr in der YLine war. Da dieser Sachverhalt komplex ist und bisher im Gutachten auch nicht entsprechend berücksichtigt wurde, möchte ich diesen in leichter verdaulichen Häppchen servieren. Ich beginne mit der Entstehung der Verbindlichkeit und deren Auslagerung in eine Tochtergesellschaft der YLine. .

Umstrittene Entstehung

Auf Grundlage der Partnervereinbarung vom 30. September 1999, die im Übrigen vom gerichtlichen Sachverständigen Dr. Thomas Keppert in seinem Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt wird (hat für ihn die Sache natürlich stark vereinfacht), hat IBM im Zeitraum vom Jänner bis März 2000 insgesamt 30.000 PCs, vorinstalliert mit dem von YLine entwickelten Internetzugangsprogramm, an die YLine ausgeliefert. Bis zum 22. März 2000 bestand über die Partnervereinbarung hinaus keine Vereinbarung über Sicherheiten, Eigentumsvorbehalt oder ähnliches. Erst kurz bevor alle PCs ausgeliefert waren, schaltete sich IBM Europa ein und erzwang unter Androhung eines Lieferstopps den Abschluss einer für uns sehr nachteiligen Finanzierungs- und Ratenvereinbarung. Der Masseverwalter hat diese Vereinbarung, weil unter Androhung von Zwangsmaßnahmen zustande gekommen, später angefochten (Auszug aus der Klage des Masseverwalters hier). Die Details, Fakten und Unterlagen zur Entstehung dieser Verbindlichkeit wurden bereits im Beitrag „Irrtümer und Widersprüche in Bezug auf das IBM Projekt“ ausführlich dargelegt.

Ausgliederung des Geschäftsbereiches

Im April 2000 haben wir in Abstimmung und mit Zustimmung der IBM den Geschäftsbereich Internet Service Providing (ISP) in die Tochtergesellschaft YLine Web Access Services AG (YWAS) ausgelagert. Das bedeutet, dass sowohl der Kundenstock (u.a. die 30.000 Internet-PC-Kunden) als auch die IBM-Verbindlichkeiten aus dem PC-Projekt – also der Vertrag vom 22. März 2000 – rechtswirksam in die YWAS übertragen wurde. Die Ausgliederung war natürlich mit den zuständigen IBM Managern Dr. Artur Kozak und Walter Fuchs konzipiert und abgestimmt worden. Die eigenständige Finanzierung des rasch wachsenden ISP-Bereiches war auch im Interesse der IBM gelegen, weil damals auch der Einstieg des NEWS-Verlages und neue Finanzierung geplant war.

Walter Fuchs war Gründungsinvestor der YWAS

Walter Fuchs war über seine Frau Gründungsinvestor der YWAS

Die Erteilung der Zustimmung zur Übertragung wurde später, im Dezember 2000, von IBM, vertreten durch Walter Fuchs und von Günter Pridt (inzwischen Vorstand in der YLine) bestritten. Anhand des konkludenten Verhaltens der IBM kann jedoch dargelegt werden, dass IBM über den Vorgang der Ausgliederung informiert und mit diesem auch einverstanden war.

Hier dürfen ein paar Notizen zu konkludenten Handlungen von IBM und ihren führenden Mitarbeitern dargelegt werden:

  • IBM Manager und YLine Verantwortlicher Walter Fuchs als Gründungsinvestor: . Im Juni 2000 wurde ein Private Placement Memorandum erstellt, das Grundlage für potenzielle Investoren war. Darin wird das Geschäftsmodell im Detail beschrieben. Bereits vor den offiziellen Finanzierungsmaßnahmen zeichnete der IBM-Manager Walter Fuchs als Gründungsinvestor der YWAS bzw. dessen Frau im Mai 2000 Aktien der YWAS. Dies bestätigt Walter Fuchs 2004 in seiner Aussage vor dem Handelsgericht Wien im Zuge der Klage des Masseverwalters (siehe Auszug oben). Walter Fuchs wusste, dass der ausschließliche Geschäftszweck der YWAS der Betrieb des ISPs war und die 30.000 PCs sowie die dazugehörende IBM-Verbindlichkeit dessen Herzstück war. Er führte in der Folge als Aktionär der YWAS auch direkte, erfolglose, Gespräche mit dem NEWS-Verlag über weitere PC-Projekte, wie er vor dem Handelsgericht Wien bestätigte. Die erfolgreiche Entwicklung der YWAS lag im Interesse von Walter Fuchs und IBM:
Walter Fuchs führt Gespräche mit NEWS über YWAS

YWAS-Aktionär und IBM-Manager Walter Fuchs führt Gespräche mit NEWS

  • Prüfung und Due Diligence durch IBM: Auf Ersuchen von Walter Fuchs haben wir noch im Juni 2000 die IBM mit der Durchführung einer Due Diligence an der YWAS beauftragt. Die erfahrenen Experten der IBM Unternehmensberatung haben in der Folge im Laufe des Juli/August 2000 eine umfangreiche Prüfung der YWAS durchgeführt und im August den Due Diligence-Bericht vorgelegt (als PDF hier verfügbar). Darin wird festgehalten, dass die YWAS der ausgelagerte ISP der YLine ist, dass die 30.000 PCs übertragen wurden und geplant wäre, die YWAS zu verkaufen. IBM verrechnet für diesen Bericht mehr als 2 Millionen Schilling an Honorar und legte damit auch dar, dass sie über alle Vorgänge sowie Abläufe Bescheid wusste und keinen Einspruch tätigte oder ihr Einverständnis zurückziehen würde. Im Gegenteil erhielt die YWAS von IBM eine sehr positive Beurteilung.
  • Kapitalmarktprospekt: Im Juni 2000 hat YLine gemeinsam mit Nomura und deren Anwälten für eine Kapitalerhöhung einen Kapitalmarktprospekt erstellt. IBM hat an der Erstellung dieses Prospektes aktiv mitgearbeitet und u.a. über IBM Europa eine schriftliche Bestätigung hinsichtlich der Partnerschaft und deren Ausrichtung gegeben. In diesem endgültigen Kapitalmarktprospekt vom Juli 2000 ist die Auslagerung der ISP-Aktivitäten von der YLine in die YWAS im Detail ebenso beschrieben, wie die finanziellen bzw. bilanziellen Implikationen derselben. Der Kapitalmarktprospekt war IBM natürlich bekannt, da sie mitgearbeitet und zum Inhalt ihre Zustimmung erteilt hat. Ohne diese Zustimmung hätten die Prospektanwälte von Nomura den Kapitalmarktprospekt nicht freigegeben.

Das waren jetzt nur drei Beispieleaus einer Reihe von Handlungen, die belegen, dass IBM mit der Auslagerung einverstanden, dieser zugestimmt und im eigenen wirtschaftlichen Interesse gefördert hat. Es ist daher aus meiner Sicht völlig unbestritten, dass der Geschäftsbereich ISP mit den PCs und den Verbindlichkeiten mit Zustimmung der IBM im April 2000 in die YWAS ausgelagert wurde. Dieser Vorgang war bereits verbunden mit der Zielsetzung einer eigenständigen Finanzierung und dem späteren Verkauf. Festzuhalten ist für alle Zweifler auch, dass der Gutachter Dr. Thomas Keppert in einem von ihm 2003 erstellten YWAS-Gutachten diesen Übergang der Verbindlichkeiten festhält und beschreibt. Meine Notizen dazu ergänzen dessen Ausführungen, widersprechen dem Gutachter aber nicht.

Eigenständige Unternehmensführung

Ab dem Sommer 2000 operierte die YWAS als eigenständiges Unternehmen am Markt. Zunächst war ich noch Vorstand, wurde aber dann aber von einem erfahrenen Medienmanager abgelöst, um eine nachhaltig positive Entwicklung des Unternehmens sicherzustellen.

Bereits im Sommer 2000 gab es erste Interessenten für eine strategische Partnerschaft und entsprechende Verhandlungen. Darüber und über den Verkauf der YWAS an die i-online software ag aber in den nächsten Notizen.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gutachter, Unternehmen

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