Leser des Blogs wissen um meine innige Verbundenheit mit den Herren Friedrich Scheck und Georg Plochberger. Die beiden haben über den Verkauf von YLine-Aktien in Summe knapp 12,5 Millionen Euro Verkaufserlöse erzielt. Erhalten haben sie die YLine-Aktien über 2 Tauschvorgänge, wobei die beiden Freunde Aktien der frisch gegründeten i-online software ag gegen YLine-Aktien eingetauscht und diese dann unmittelbar verkauft haben – siehe dazu auch den Bericht „Insiderhandel: Wie man eine Aktie systematisch ruiniert„. Vom doppelstelligen Millionengewinn haben sie knapp 750.000 Euro Steuer bezahlt,  was einen Steuersatz von ungefähr 7 Prozent ergibt. Nun, dass Friedrich Scheck ein kreativer Steuerberater ist, ein wahrer Zauberkünstler seines Metiers, ist allseits bekannt. Wen könnte es daher wundern, dass er ein genialer Steuervermeider ist. Aber manchmal kann man den Bogen überspannen und sitzt in der Steuerhinterziehung. Das vermutet auch der Staatsanwalt in der Akte YLine und behält sich eine diesbezügliche Ausweitung der Anklage vor.

Im Rahmen eines laufenden Klagsverfahren meiner Privatsstiftung haben wir ein Gutachten bei einem Steuerfachmann beauftragt, der sich die von Friedrich Scheck und Georg Plochberger angewandte Steuervermeidungsmethodik u.a. für die 12, 5 Millionen Euro im Detail angesehen hat.  Nun, das Gutachten liegt vor und kommt zur Schlussfolgerung, dass Scheck und Plochberger zuviel des Guten betrieben haben. Insbesondere schadet es, wenn man sich im Laufe der Zeit nicht mehr an seine eigenen Tricksereien erinnert und sich in seinen Einvernahmen und sonstigen Aussagen bei Gerichtsverfahren widerspricht.

Wie weit die Steuererklärungen von Friedrich Scheck und Georg Plochberger neben der Wirklichkeit liegen, das zeigt ein konkretes, auch für den Laien verständliches und mich direkt betreffendes Beispiel:

Fakten

Im September 2000 haben Herr Friedrich Scheck, Herr Georg Plochberger, Frau Erika Scheck, Herr Friedrich Scheck Jun. und Frau Dr. Elisabeth Plochberger in Summe 5.022 Stück Aktien der von YLine mitgegründeten Blue Bull AG um insgesamt 1,9 Millionen Euro von der YLine AG erworben. Der Börsengang der Blue Bull AG  stand bevor und man wollte halt derenseits wieder „mitnaschen“, siehe den offenen Brief an Erika Scheck hier.

Der Erwerb der Aktien erfolgte dabei durch jede der fünf beteiligten Personen persönlich. Die Aktien wurden auch auf deren Depots übertragen und in der Folge (im November, Dezember 2001) von deren Depots verkauft. Bezahlt wurden die Aktien jedoch erst im Jänner 2001. Diese Bezahlung war, wie bei Scheck üblich, begleitet von jeder Menge Ärger. Er konnte angeblich das Geld nicht auftreiben (eine platte Lüge, wie wir heute wissen) und ersuchte um meine Unterstützung. Meine ADU Privatstiftung räumte ihm daraufhin im Jänner 2001 eine Wertpapierleihe im Wert von rund 2 Millionen Euro ein. Mit dieser Wertpapierleihe als Sicherheit konnten Schecks und Plochbergers einen Kredit bei der Capital Bank aufnehmen, ihren Verpflichtungen der YLine AG gegebenüber endlich nachzukommen und die 1,9 Millionen Euro zu bezahlen (Anmerkung Scheck und Plochberger haben damals dem Vorstand gegenüber immer wieder beteuert, die YLine-Aktien nicht zu verkaufen, um nicht dem Kurs zu schaden und waren daher laut ihren Aussagen nicht liquide) .

Natürlich haben Scheck und Plochberger in der Folge die Wertpapiere aus der Wertpapierleihe nicht zurückgestellt und der Privatstiftung auch die dafür vereinbarte Provision nicht gezahlt. Daher auch die Klage (siehe Bericht hier) und das beauftragte Gutachten. Die erste Klage betreffend Provisionszahlung hat die Stiftung gewonnen, das zweite Verfahren wurde nach einer wohlwollenden Stellungnahme des Dr. Thomas Keppert unterbrochen und geht in Kürze weiter. Soweit der Sachverhalt und was haben Friedrich Scheck und Georg Plochberger daraus gemacht? Ich meine, ganz abgesehen davon, dass sie mich und meine Privatstiftung geprellt haben.

Steuerliche Fiktion

Der Anschaffungspreis der BlueBull-Aktien in der Höhe von 1,9 Millionen Euro wurde in der Steuererklärung des Jahres 2000 der SoftInvest Beteiligungen GmbH & Co Vermögensverwaltung KEG (jenes Vehikel, das Friedrich Scheck und Georg Plochberger zur Steuervermeidung kreativ genutzt haben) steuervermindernd als Ausgabe erfasst. Damit haben sich Friedrich Scheck und Georg Plochberger nach Meinung des vorliegenden Gutachtens knapp eine Million Euro an Steuern „erspart“. Die Fehler dabei sind,

  • dass die Anschaffung der Aktien eben genau nicht durch die SoftInvest erfolgte, sondern individuell durch die 5 Personen. Eine weiteres Problem ist der Umstand,
  • dass die „Ausgabe“, also die Bezahlung des Kaufpreises, gar nicht im Jahr 2000 erfolgte, sondern erst 2001. In der Steuererklärung 2001 der KEG tauchen übrigens die Erlöse aus den Verkäufen dieser Wertpapiere nicht mehr auf – die nächste Ungereimtheit.

Sogar dem Gerichtsgutachter Dr. Thomas Keppert waren das offensichtlich doch zu viele Ungereimtheiten in den Steuererklärungen 2000 und 2001 der Herren Friedrich Scheck und Georg Plochberger. In seinem Gutachten zum Thema „Finanzstrafverfahren Friedrich Scheck und Georg Plochberger“ zeigt er die offensichtlichen Unstimmigkeit auf (siehe Seite 677 des Gutachtens, hier im Auszug als PDF), unterlässt allerdings freundlicherweise die logischen Schlussfolgerungen.

Insgesamt scheint die BlueBull-Transaktion aber ohnehin noch das geringste steuerliche Problem zu sein. Denn von der Höhe her sind die möglicherweise nicht korrekt ausgewiesenen Gewinne aus dem Tausch- und Verwertungsvorgang der i-online/YLine-Anteile für die Finanz deutlich interessanter und rücken in Grasser’sche Dimensionen. Dessen Steuerberater ist im übrigen der „Scheck-geeichte“ Dr. Thomas Keppert. Darüber in Kürze mehr.

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