Zugriffe auf die Akte YLine

Zugriffe auf die Akte YLine

Viele Beobachter und Beteiligte meinen, dass die Akte YLine nach den 12 Jahren, die seit der Insolvenz vergangen sind und in denen ein bis heute nicht abgeschlossenes Strafverfahren anhängig ist, dazu führt, dass die Medien es vergessen. Mitnichten, YLine polarisiert noch immer. Renate Graber hat gestern einen Bericht im Standard gebracht in dem sie meint, dass man beinahe schon Wirtschaftshistoriker sein muss, um sich noch an die YLine zu erinnern (Artikel im Standard hier) und heute berichtet sie über die Anklage (Artikel hier im Standard). Natürlich wird dabei mit Hinweis auf den „FPÖ-Touch“ der YLine entsprechend medialer Lärm erzeugt. Das zieht beim Standard immer und erzeugt halt dann auch auf meinem Blog Zugriffe (siehe oben).

Bei aller Wertschätzung für Renate Graber als Aufdeckungsjournalistin, ihre beiden Berichte sind von bemerkenswerter bis nachgeradezu zynischer Oberflächlichkeit. Wäre es nicht so traurig, könnte man als Betroffener zumindest verzweifelt lachen. Da zitiert Graber in ihrem Beitrag „Loch-auf-Loch-zu bei Yline“ ausgerechnet eine E-Mail-Kommunikation zwischen unserer verstorbenen Finanzchefin Petra Wohlfahrt und unserem damals für das operative Geschäft verantwortlichen Vorstand Günter Pridt:

Im Jänner 2001 etwa wurden alle Vorstandsmitglieder von einer inzwischen verstorbenen Yline-Managerin aufgefordert, „in Zeiten wie diesen sparsam mit Cash umzugehen“. Ein Kollege antwortete ihr „zur Cash-Situation: Jedem von uns ist klar, dass dies ein kritischer Erfolgsfaktor für uns alle und für unser Unternehmen ist.“

Die diesbezüglich im Akt vorliegende Gesamtkommunikation beweist genau das Gegenteil von dem, was Graber wohl zeigen wollte. Hintergrund ist, dass der ehemalige IBM-Generaldirektor Günter Pridt damals eine hohe Prämie für einen seiner Mitarbeiter (auch ehemaliger IBM’er) ausbezahlt haben wollte und Petra Wohlfahrt sich im Hinblick auf gebotene Sparsamkeit zu Recht gewehrt hat. In der Folge wurde sie von Günter Pridt entsprechend unter Druck gesetzt. Wohl gemerkt – hier eine junge Managerin eines Start-Ups und dort der ehemalige Generaldirektor der IBM, der bemerkenswerter Weise nicht angeklagt ist! Und wenn man sich im Zuge einer Recherche erkundigt, wo das Geld der YLine denn hingegangen ist, dann erfährt man sogar über das Gutachten, dass knapp 80 Prozent davon die IBM erhalten hat. IBM hat bis zuletzt Terror gemacht, um das Geld der YLine zu erhalten und Petra hat sich bestmöglich dagegen gewehrt. Das sind Fakten.

Mediale Fehlinterpretationen passieren halt und sind im Laufe der 12 Jahre laufend passiert, weil aus dem Zusammenhang heraus gerissen und ohne weitere Recherchen berichtet wurde. Nicht schlimm, oder? Na ja, doch! Wie mir Familienmitglieder von Petra Wohlfahrt mitteilten und mir auch persönlich vorwerfen (!), war das schier endlos laufende YLine-Verfahren und die daraus für ihre Lebenssituation resultierenden Fakten – sie konnte wie die meisten aus unserem damaligen Managementteam wegen des mittlerweile 12 Jahren laufenden Verfahrens keinen Job mehr finden – der Grund für ihren Selbstmord. Das hat mir zumindest Kid Möchel, Petras Cousin und Verfasser des von Renate Graber zitierten Kurierberichtes, in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Wer Petras letzte Eingabe an das Gericht liest, der kann auch als nicht Betroffener ihre Verzweiflung nachvollziehen (hier die Eingabe). An dieser unsäglichen Situation haben die sensationsgeilen und gleichzeitig erstaunlich unberührt arbeitenden Journalisten definitiv Mitschuld. Da werden ein Start-Up und seine Mitarbeiter – natürlich bei stets geltender Unschuldsvermutung – über ein Jahrzehnt hinaus kriminalisiert. Verfassungsmäßige Rechte, wie ein zügiges Verfahren, werden einfach verwehrt und dann kommt noch der Zynismus der Medien dazu. Staatsanwälte haben mehrmals gewechselt, sechs Jahre war Ermittlungspause und man hat uns einfach in der Kriminalisierung belassen. Beschwert man sich dagegen, wird man verunglimpft! Was soll ich mehr sagen? Braucht es wirklich noch mehr, um die Lebensfreude zu verlieren?

Zuletzt noch ein Wort zur angeblich fehlenden Finanzierung: die YLine war ein (von IBM unterstütztes) Start-Up, das in jedem Kapitalmarktprospekt die (potenziellen) Anleger darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir nicht ausfinanziert und über die Anfangsjahre zur weiteren Entwicklung auf laufende Finanzierung über den Kapitalmarkt angewiesen sind. Das wiederum war und ist die Regel und nicht die Ausnahme! An dieser Stelle verweise ich der Aktualität halber auf Twitter, Facebook und andere vielversprechende Start-Ups. Dass ein Gutachter wie Dr. Thomas Keppert – siehe meine Berichte – hier aus Befangenheit und Eigeninteresse heraus vorsätzlich falsche Schlussfolgerung trifft, das wird zu beweisen sein. Auch diesbezüglich hätte man sich auf Seiten von Frau Graber im Sinne eines gut recherchierten Beitrages zumindest informieren können – zum Beispiel auf diesem Blog, der ganz oben auftaucht, wenn man auf Google nach „YLine“ sucht. Und mich darüber zwecks Stellungnahme kontaktieren können. Zuviel Aufwand! Renate Graber hat nicht einmal auf den Blog hingewiesen, keine Kontaktaufnahme versucht und keine Gegenposition gebracht. Hier gilt keine Unschuldsvermutung, auch nicht für Karin Graber! Nun ja, es waren ja auch nur zwei schnell dahingeschriebene Artikel, oder? Nicht weiter schlimm …

Wie bereits des Öfteren hier festgehalten: es wird noch ein interessantes Verfahren – mit entsprechender Medienbegleitung!

Join the conversation! 2 Comments

  1. Gratuliere!
    Schon interessant, wie Sie in diesem Artikel wieder einmal versuchen, die Verantwortung auf die Journalisten abzuwälzen… Noch dazu mit dem Hinweis auf die letzte (verzweifelte) Eingabe von Petra W… Dabei belastet diese Eingabe Sie selbst nicht unerheblich! Sie leiden offensichtlich wirklich an Realitätsverweigerung… Na ja, nach so langer Zeit kann man schon etwas verwirrt werden…
    Wie gesagt: wird spannend… Ich bleibe gerne dran!

    Antwort
    • Mein lieber stets namenswechselnder Leser: ich kann lesen und kann interpretieren und weiß, dass diese Eingabe auch mich belastet. Ich veröffentliche ja auch Ihre stets negativen Kommentare, oder? Das ist aber gar nicht der Punkt. Dieser ist vielmehr, dass uns seit 12 Jahren die zustehende Rechtfertigung, also ein Verfahren, verweigert wird und das wiederum natürlich existenzielle Probleme bei allen Beteiligten verursacht. Es geht längst nicht mehr (nur) um Schuld oder Unschuld. Es geht darum, wie dieser Rechtsstaat aber auch die Medien mit uns umgehen. Und nicht alle können damit umgehen. Sollte dieses Vorbringen als Realitätsverweigerung gesehen werden, na dann bitte. Ich sehe es trotzdem so!

      Antwort

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht

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