Da wir ja derzeit soviel Aufmerksamkeit bekommen, darf ich dieselbe nutzen, um die „Amigo-Affäre“ rund um Friedrich Scheck und Thomas Keppert zu beleuchten. Den Begriff „Amigo-Affäre“ habe ich mir aus der Causa BAWAG geliehen, wo Keppert an vielen Stellen auch seine Finger im Spiel hatte (siehe Bericht des ehemaligen AMIS-Chefs hier und meine Notizen hier). Man kann Thomas Keppert im besten Sinn des Wortes als „umtriebig“ bezeichnen. Aber nun zu unserer Amigo-Affäre:

Die Chronologie: KR Friedrich Scheck tauscht im Sommer 2000 eine 20% Beteiligung an seiner Gesellschaft i-online Software ag für exakt 96.768 YLine Aktien ein. Damaliger Wert: 20 Mio €. In der Folge schwatzt er mir auch noch Aktien von der i-online auf und bekommt nochmals rund 97.000 YLine Aktien. In der Folge  zieht er in den Aufsichtsrat der YLine ein und mischt so richtig mit. Beispielsweise  kauft Scheck von der YLine jene Gesellschaft (die YLine Web Access Services AG), in der sich die Verbindlichkeit gegenüber der IBM (die berühmten 30.000 PCs) befindet und versucht diese der Telefonica zu verkaufen (super Deal angeblich). Parallel dazu beginnt er sofort mit dem Verkauf der Aktien und realisiert € 12 Mio (siehe meine Notizen dazu hier) . Im September 2001 meldet die YLine wegen der Probleme mit IBM Insolvenz an – Friedrich Scheck hat entgegen seinen Zusagen die Verbindlichkeiten NICHT bedient (das mit der Telefonica war dann doch nicht so positiv) aber seine Aktien mit Millionengewinnen verkauft.

Im Oktober 2001 wird der unabhängige zerifizierte Sachverständige Dr. Thomas Keppert zunächst zum Gutachter in den Zivilverfahren rund um die Insolvenz bestellt, im Dezember 2002 wird er aufgrund  intensiver strafrechtlicher Vermutungen  (erstellt von ihm, siehe meine Notizen hier) vom Landesgericht für Strafsachen Wien zum Gutachter in der Strafsache YLine bestellt. Er beginnt mit der Arbeit am Gutachten und hat dabei knapp 20 Beschuldigte (alle Vorstände, Aufsichtsräte also auch Friedrich  Scheck und Wirtschaftsprüfer usw.) zu berücksichtigen.

Friedrich Scheck versuchte damals, bei der Abwicklung der Yline-Konkurses nochmals Kasse zu machen und stellt sich als armes und geschädigtes Opfer dar (siehe meine Notizen hier). Damals war der FMA-Bericht noch nicht veröffentlicht und daher seine Aktientransaktionen noch nicht bekannt. Aber schauspielern kann er, der Scheck, oder?

Mit der bei YLine verdienten Kohle gründete Scheck im Oktober 2003 die ECO-Immobilien Business AG gemeinsam mit seinem Freund Günter Kerbler  von der Conwert Immobilien Business AG. Das Grundkapital war ursprünglich zwei Millionen Euro. Im Sommer 2004 soll dann auch gleich eine Kapitalerhöhung bei der ECO AG durchgeführt werden und jetzt wird es wirklich spannend: ein potenzieller Investor, die Vereinigte Pensionskassa AG (VPK) beauftragte „zufällig“ Dr. Thomas Keppert mit der Due Diligence bei der ECO AG.  Der offensichtliche „Vermittler“ dieses Auftrag KR Parizek ging dann übrigens im Oktober 2004 in den Aufsichtsrat der ECO und erhielt 2005 eine Provision von 100.000 Euro für eine vermittelte Gründstückstransaktion (ein Schelm wer Böses denkt..).

Grundstückstransaktion mit Sideletter

Grundstückstransaktion mit Sideletter: man beachte im Verteiler Fritz Scheck!

Laut der mir vorliegenden Kommunikation zwischen der VPK und Keppert ging es dabei um eine „Grundstückstransaktion mit Sideletter“. Die VPK  wollte offensichtlich ein Grundstück an die ECO AG verkaufen. Dabei wurde lt dem beiliegenden email in einem Sideletter vereinbart, dass die Pensionskasse im Gegenzug zum Verkauf des Grundstückes an der laufenden Kapitalerhöhung teilnimmt und  das Geld wohl auf diesem Weg wieder zum Ursprung zurückfindet und die Pensionskasse aber das Grundstück (ich vermute, es handelte sich um das sehr renovierungsbedürftige Einkaufszentrum Traunpark in Wels) mit Gewinn (?) los war. Thomas Keppert hat in der Folge die Kommunikation mit Friedrich Scheck  (damals Alleinvorstand der ECO) aufgenommen und die Due Diligence dann auch zur vollen Zufriedenheit der  VPK durchgeführt. Die hat sich dann auch  an der ECO AG beteiligt.

Rechtlich betrachtet hat hier wohl eine verdeckte Sacheinlage stattgefunden!? Das würde wohl zumindest der unabhängige Buchsachverständige Prof. Dr. Mag. Thomas Keppert in der Sache YLine behaupten. Der Sideletter zu der Grundstückstransaktion deutet klar darauf hin. Bei der YLine hat es keine Sideletter gegeben, ich bin mir aber ganz sicher, dass, wenn es welche gegeben hätte, Keppert diese in seinem Strafrechtsgutachten irgendwie sicher als Betrug oder als Untreue qualifiziert hätte. Noch dazu, wenn, wie bei der ECO AG, im gesamten Geschäftsbericht nichts von dieser Grundstückstransaktion zu finden ist, lediglich der Hinweis darauf, dass es gelungen sei renommierte institutionelle Anleger wie die VBV Pensionskasse AG (früher: VPK) als Aktionär zu gewinnen.

Keppert hat sich übrigens erst im September 2004, nach dem erfolgreich abgewickelten Auftrag der VPK, die Zertifizierung zum unabhängigen Sachverständigen für Immobilien geholt. Und dann begann eine über Jahre hin geld- und fruchtbringende Zusammenarbeit mit Friedrich Scheck bzw. der börsenotierten ECO AG. Geprüft hat übrigens die ECO AG Bernhard Huppmann, bis  2008 ebenfalls Beschuldigter in der Strafsache YLine. Gegen ihn wurde als einziger das Verfahren im Jahr 2008 eingestellt. Also Amigos unter sich: Friedrich Scheck  (Beschuldigter im YLine Verfahren) ist der Vorstandsvorsitzende (2004 – 2010), Thomas Keppert (unabhängiger Gutachter im YLine Verfahren) bewertet die Immobilien der börsenotierten Immobilienbesitzgesellschaft (von 2004 – bis 2010) und Bernhard Huppmann  (Beschuldigter im YLine Verfahren) erstellt den Bestätigungsvermerk des börsenotierten Immobilienbesitzunternehmens.

Besonders intensiv wurde wohl die Zusammenarbeit zwischen Keppert und Scheck im Jahr 2005. Im Oktober 2005 bekam Keppert in der Sache YLine vom Straflandesgericht den Zusatzauftrag, sich die Insider-Aktientransaktionen der Organe auf ihre strafrechtlichen Implikationen anzusehen bzw. auch auf abgabenrechtliche Implikationen hin zu überprüfen (Hintergrund: Scheck hat für seine 12 Mio € Veräußerungserlös rund 300.000 Euro Steuer gezahlt).

Keppert sah natürlich überhaupt kein Problem damit, zeitgleich das Gutachten in Sachen YLine, wo Scheck als Beschuldigter geführt wird – gänzlich unbefangen und objektiv – zu erstellen und andererseits im Auftrag des Vorstandes der ECO (Vorstandsvorsitzender: Friedrich Scheck) die Immobilien des börsenotierten Unternehmens vier mal jährlich (Jahresabschluss sowie Quartalsabschlüsse) – ebenfalls  objektiv –  und gegen ein schönes Honorar zu bewerten. Für Keppert gelten nämlich andere Regeln: Erstens ist er immer unabhängig und sollte er das zweitens einmal nicht sein, tritt wieder erstens in Kraft.

Scheck ist übrigens „nur“ wegen seiner Insidertransaktionen angeklagt, Keppert hat zwar mehrmals in seiner Befundaufnahme darauf hingewiesen, dass es sich ausschließlich um Zwangsverkäufe gehandelt hätte (was nicht stimmte) aber die vielen Widersprüchlicheiten in den Aussagen von Scheck („er habe erst aus der Kronenzeitung von der Insolvenz der YLine erfahren“) dürften nun doch etwas zuviel für den Staatsanwalt gewesen sein.

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