Gestern hat einer unserer regelmäßigen und bekannt kritischen Leser einen Kommentar zum Beitrag „Eilmeldung: kippt die Hauptverhandlung wegen OGH-Urteil?“ hinterlassen, in dem er meinte, dass meine Beiträge hier durchwegs lächerlich sind (Kommentar hier). Das hat mich zum Nachdenken gebracht und zur Erkenntnis, dass das wirklich sein kein. Man kann diese Seite sehr berechtigt als durchaus lächerliche Übung bezeichnen. Wahrscheinlich betreibe ich die Akte YLine unbewusst aus einem kompensatorischen Motiv heraus. Irgendwo muss der Druck, der seit nunmehr bereits 13 Jahren über die Kriminalisierung durch die Justiz und Medien auf mich ausgeübt wird, irgendwo muss der hin. Und das Ergebnis ist halt die „Akte YLine“.

Meine Kinder sind in den letzten 13 Jahren mit der Kriminalisierung ihres Vaters groß geworden, müssen sich jetzt wieder damit konfrontieren und ihren Freunden erklären, mich rechtfertigen. Das war und ist nicht einfach für sie – und damit auch nicht für mich. Hey, das verursacht dann schon „Psychokist’ln“, wie ein befreundeter Psychologe meint. Wer glaubt zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man jedes Jahr zur Anklage geschrieben wird – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung – dem kann ich nur sagen: du weißt es nicht, weil es so etwas noch nie gegeben hat. Ich finde es lächerlich, dass Staatsanwälte ihren Job nicht anständig machen und die ihnen abverlangte Objektivität durch mediale Vorverurteilung mit Füßen treten (siehe hier den Beitrag über den ehemaligen Staatsanwalt Erich Müller). Ich finde es lächerlich, dass die Justiz nicht in der Lage ist, einem die verfassungsmäßig zustehenden Rechte auf ein rasches und faires Verfahren zu gewähren. Ich finde es lächerlich, dass die Anklage mittlerweile schon wieder seit knapp 14 Monaten daliegt und es noch immer keine konkreten Termine für eine Hauptverhandlung gibt. Ich finde es lächerlich, dass eine Staatsanwaltschaft, die das Verfahren über Jahre hinweg liegen gelassen hat, soviele Zeugen benennt, dass die Richterin dutzende Tagsatzungen anberaumen muss.

Zwei der Angeklagten sind Steuerberater und die können mit Erhebung der Anklage ihren Beruf nicht mehr ausüben. Und die Anklage ist eben schon wieder 14 Monate her. Wie und wovon soll man denn da leben, das ist doch lächerlich, oder? Ja, mein kritischer Leser hat vollkommen recht: die Akte YLine ist über das Absurde hinausgehend lächerlich!

Join the conversation! 2 Comments

  1. Sg. Herr W.B.
    ich kenne weder sie noch hatte ich jemals mit der YLine zu tun.
    Auf ihren Blogg bin ich auf Empfehlung und mehr oder weniger per Zufall gestoßen.
    Erlauben sie mir trotzdem ein paar Worte zur Causa, aus völlig wertfreier und neutraler Sicht.
    Unerheblich was auch immer in besagter YLine legal oder illegal geschehen sein mag, und auch genauso unerheblich wer darin verwickelt ist oder auch nicht.
    Als mündiger Bürger dieses Staates und mit ausreichend Hausverstand gesegnet, stellt sich für mich nur eine einzige Frage,
    “ WIE ZUR HÖLLE KANN ES NACH 14(!!) JAHREN VERFAHRENSDAUER EINER FUNKTIONIERENDEN JUSTIZ MÖGLICH SEIN, EINER FAIREN URTEILSFINDUNG GERECHT ZU WERDEN?“
    Gestohlene Beweismittel, ein ernsthaft zu hinterfragender Gutachter und eine mehr als skurrile Überlänge des Verfahrens lassen meiner Meinung nach alles zu, nur sicher nicht was man jedem unter Anklage stehenden Menschen wünschen soll und muss.
    In dieser sehr speziellen und zweifelsohne interessanten Causa kann man den Angeklagten nur wünschen auch wirklich ausreichend Dreck am berühmten Stecken zu haben, jeder eventuell Unschuldige müsste aus vielen Gründen schon verständlich verzweifeln.
    In der Causa YLine gibt es wohl ein sehr einzigartiges Phänomen, ausnahmsweise sitzen nämlich Angeklagte und Vorsitzende mal im selben Boot und sind jeder für sich in keiner Weise zu beneiden.
    Ich wünsche daher ihnen und allen Beteiligten weiterhin ausreichend Humor, aber auch eine Justiz für die Fairness und Gerechtigkeit zur Abwechslung mal keine Fremdwörter sind.

    In dubio pro reo

    Mag. Helmut K.

    Antwort
    • Vielen Dank für den Kommentar und nein, wir vom Vorstand haben unserer Meinung nach keinen Dreck am Stecken und nein, wir haben nichts verdient und ja, wir verzweifeln. Und ja, wir werden jetzt weitermachen und unsere Sicht samt Dokumentation in der Hauptverhandlung darlegen. Dieses Recht wurde uns über 12 Jahre aber bisher nicht gewährt, lg WB

      Antwort

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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Gericht

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