Historische Preisentwicklung bei Internetnutzer (Quelle: Standard)
Historische Preisentwicklung bei Internetnutzer (Quelle: Standard)

Historische Preisentwicklung bei Internetnutzer (Quelle: Standard)

Das Internet wird heuer 25 Jahre alt wobei die Kommerzialisierung Mitte bis Ende der 1990er Jahre mit Einführung des Webbrowsers erfolgte. Der STANDARD hat heute (Printausgabe Sa./So., 8./9. März 2014) im Artikel „Das digitale Dorf wird 25“ u.a. eine kleine Aufstellung der historischen Preisentwicklung pro Internetbenutzer im Zuge von bekannten Übernahmetransaktionen gebracht. Dabei wurden für jeden „umsatzlosen“ Benutzer der damals als Freehoster tätigen GeoCities anlässlich einer Übernahme von Yahoo im Jahr 1999 rund US-$ 830 (€ 600) bezahlt. Yahoo stellte später GeoCities bzw. deren Dienstleistungen ein. Ich habe anlässlich dieses Artikels die damaligen Transaktionen und Bewertungen angesehen – es ist ja Samstag und daher Zeit genug.

Würde man den Preis von GeoCities beispielsweise auf unsere WebLine umlegen, dann wäre diese im September 2000 mit 25.000 registrierten Benutzern zumindest knapp 15 Millionen Euro wert gewesen. Sogar noch deutlich mehr, denn die registrierten Benutzer der WebLine hatten im Gegensatz zu GeoCities sogar Umsatz gebracht (Inhalte mussten kostenpflichtig gekauft werden). Bei den vergleichbaren E-Commerce-Plattformen wie Amazon, Priceline oder eBay lagen die Bewertungen (Marktkapitalisierung durch Anzahl der registrierten Benutzer) damals pro Benutzer zwischen € 860 und 1.800. eBay hat beispielsweise im Juni 2000 das gerade mal ein halbes Jahr online befindliche Half.com um knapp 350 Millionen Dollar übernommen und dabei für jeden registrierten Benutzer nach eigener Auskunft umgerechnet € 1.000 bezahlt (siehe auch Presseartikel hier). Ein Benutzer der deutschen Auktionsplattform Ricardo.de wurde im Februar 2000 gar mit € 3.097 bewertet. Das Unternehmen selbst mit einem Multiplikator in der Höhe des 52,7-fachen des geplanten Jahresumsatzes.

Alle genannten Unternehmen waren damals gekennzeichnet durch hohe Verluste und enormen Geldbedarf. Insofern, meint der Gutachter Dr. Keppert, hätten diese Transaktionen nicht stattfinden dürfen. Denn, so seine Logik, verlustbringende (Internet)Unternehmen können mittels klassischer DCF-Methode niemals so positiv bewertet werden. Amazon, eBay, Google, Facebook und viele andere sehen das seit 20 Jahren anders.

Nimmt man für das Jahr 2000 einen Durchschnittswert von € 1.000 pro Benutzer von E-Commerce-Seiten, dann wäre der Wert der WebLine damals, im Herbst 2000, mit knapp € 25 Millionen anzusetzen gewesen. Wir haben die WebLine im Februar 2000 auf einer Bewertungsbasis von € 1,9 Millionen erworben, für 74 Prozent der Gesellschaftsanteile knapp € 1,5 in Aktien bezahlt und dabei einen Benutzer mit knapp € 500 bewertet. Das entspricht einem Multiplikator von knapp 4 im Hinblick auf den geplanten Jahresumsatz 2000.

Ein Gutachten des anerkannten Kapitalmarktexperten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Dr. Helmuth E. Frey vom Juni 2013 hält fest, dass die WebLine „deutlich höhere Umsätze als der durchschnittliche User von Ricardo.de“ lieferte und seitens YLine trotzdem nur ein Bruchteil der Ricardo- und Branchenbewertung gezahlt wurde.

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Investmentbanker, Unternehmen

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