Man spürt, dass der Beginn der Hauptverhandlung näher rückt. Diese Woche war – zumindest bei mir – mit knapp 20 Stunden Vorbesprechungen und Abstimmungen vollgepflastert. Hinzu kam die Aufbereitung für den Strafverteidiger, die weitere Stunden verschlingt. In Summe, so habe ich überschlagsmäßig nachgerechnet, habe ich in die Akte YLine in den bisherigen 12 Jahren des Verfahrens – das sind mehr als 630 Wochen oder 4.300 Tage – in etwa 3.000 Arbeitsstunden investiert. Das entspricht knapp 375 Arbeitstagen oder 75 Arbeitswochen oder fast zwei Arbeitsjahren. Setze ich pro Stunde die typischen Beratungshonorare von sagen wir € 120,00 an, dann habe ich damit Opportunitätskosten von knapp € 360.000. Dazu kommen noch die Kosten für die Rechtsanwälte mit denen man sich laufend abstimmen sollte. Das Geld dafür verdient man hoffentlich durch den Rest der freibleibenden Zeit, wenn man einen Job hat.

Für die genannten Summen bekommt man ein schönes Haus samt Garten, Swimming Pool und Gärtner. Nur eine kleine Zahlenspielerei, die zeigt, dass derartig überlange Verfahren für die Betroffenen neben dem Stress auch extrem hohe finanzielle Belastungen bringen. Und jetzt kommt die Hauptverhandlung als schmackhafter Zuckerguss auf diese lang gebackene Torte: monatelange Erwerbsunfähigkeit garniert mit tatsächlichen Kosten!

Offenbar realisieren die „Ärmeren“ unter den Angeklagten, wie beispielsweise ich, dass man sich dieses Verfahren als Normalsterblicher einfach nicht leisten kann. Kein Wunder daher, dass nach meinem Wissensstand bereits fünf Angeklagte einen Antrag auf Verfahrenshilfe gestellt haben oder gerade dabei sind, diesen zu stellen. Wie soll man sich denn auch Kosten von geschätzten € 200.000 für ein Verfahren bei gleichzeitigem Einnahmenausfall über zumindest 8 Monate leisten können. Geht das Verfahren in die nächste Instanz, dann kommen nochmals viele Monate und Kosten dazu. Da muss man schon mit YLine-Aktien oder anderweitig genug Geld verdient haben, um zu diesem erlauchten Kreis der Habenden zu zählen. Bei uns „Ärmeren“ ist daher der Stress aus der andauernden Erwerbsunfähigkeit daher konsequenterweise größer als wegen der Hauptverhandlung selbst. Da wünscht man sich in schwachen Momenten, ganz geheim, dass man doch gemacht hätte, was einem vorgeworfen wurde. Dann könnte man sich auch das dazugehörende Verfahren leisten! 

Aber genug gejammert – auf in die Akten! Was kostet die Welt?

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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