Der gestrige Tag startete mit einer technischen Panne und einer Verspätung von knapp 30 Minuten. Der von den Rechtsvertretern von Ernst Hofmann eingebrachte Antrag auf Ablehnung des Sachverständigen wegen Befangenheit wurde abgewiesen. Leider enthielt dieser einen Fehler mit dem sich der Staatsanwalt aber auch die Richterin formal gegen den Antrag stellen konnten. Bestellt wurde der ursprüngliche Gutachter Dr. Keppert, bei dem der nunmehr bestellte Dr. Hallas als Ermittlungs- und Erfüllungsgehilfe für das Gutachten tätig war, im Ermittlungsverfahren nach der alten StPO noch vom Untersuchungsrichter und nicht, wie im Antrag vorgebracht, von der Staatsanwaltschaft. Zwar wäre das materiell nach den letzten Erkenntnissen des OGH egal, meinten die übrigen Rechtsanwälte danach, aber formal konnte sich der Staatsanwalt daran in seiner ablehnenden Stellungnahme aufhängen. Jedenfalls ist damit aber einmal die Befangenheit des Sachverständigen auch als potenzieller Nichtigkeitsgrund protokolliert worden. Das Thema wird nächste Woche weitergehen!

Danach wurde der neu bestellte Sachverständige durch meinen Rechtsvertreter Dr. Oliver Scherbaum befragt. Die Fragen hat Dr. Hallas meines Erachtens höchstens schwammig und sehr ausweichend beantwortet. Gezählte drei mal führte er als Grund für seine schwammigen Antworten den Faktor Zeit an. Das alles wäre schon so lange zurückliegend. Interessant, oder? Gilt diese Entschuldigung dann nach 13 Jahren Verfahrensdauer und teilweise 15 Jahre zurückliegende Sachverhalte dann auch zu Gunsten der Angeklagten? Zumindest hat der Sachverständige diesbezüglich ein Beispiel vorgegeben an dem andere Aussagen gemessen werden können.

Nach der Befragung des Sachverständigen stellte Dr. Scherbaum den Antrag, den Sachverständigen Dr. Hallas bis zur Rechtswirksamkeit seiner Bestellung – derzeit läuft noch bis 30. April 2014 eine Frist für Beeinspruchung der Bestellung – von der Befragung auszuschließen. Nach kurzer Beratung durch das Gericht wurde diesem Antrag stattgegeben. Das war, meine ich, ein sehr fairer Vorgang, weil damit verhindert wurde, dass ich mich in erster Lesung gleich den Fragen des aus meiner Sicht natürlich befangenen Gutachter stellen musste.

Danach begann so gegen 11.00 Uhr meine Befragung, die dann mit einer kleinen Pause bis knapp 13.30 dauerte. Die Richterin Marion Zöllner wollte von mir u.a. meinen beruflichen Werdegang wissen, wann ich wen in und rund um die YLine kennengelernt habe. Ich habe die Befragung als kritisch-konstruktiv empfunden. Die Richterin hatte sich offenbar gut vorbereitet, ließ mich aber an der langen Leine meine Sicht der Dinge darlegen. Diese wurde dann aber auch relativ detailliert hinterfragt. Für mich war das sehr anstrengend und danach war ich „streichfähig“.

Beim Thema Friedrich Scheck hatte ich ein emotionales Hoppala, das die Richterin bemerkt haben dürfte, denn sie unterbrach an dieser Stelle die Einvernahme mit einer kurzen Pause. Danach ging es dann auch auf meiner Seite zumindest emotional entspannt weiter. Das Hoppala hatte seine unmittelbare Ursache in einem Ereignis am Vortag. Am WC des Gerichts hatte mich Friedrich Scheck nach dem angriffigen Plädoyer des Dr. Dohr angesprochen und gemeint, dass ich den Ball hinsichtlich Aussagen gegenüber ihm flach halten sollte, da er sonst erzählen würde, dass wir ihn beschwindelt und hinters Licht geführt hätten. Sogar durch die geschlossene WC-Tür hindurch hat er mir nochmals die von mir als nette Drohung empfundene Empfehlung von „Ball flach halten“ nachgerufen. Nach der Verhandlung passte er mich beim Ausgang ab und sagte mir nochmals, dass ich bei Aussagen ihn betreffend aufpassen solle ansonsten würde er entsprechend aussagen. Er würde sich von uns nicht als „YLine-Millionär“ hinstellen lassen. Letztlich hätte er das Geld aus dem Verkauf der von der YLine und mir erhaltenen Aktien in die i-online Software ag, an der wir beteiligt waren, investiert. Das war laut Aktenlage eine glatte Lüge. Auf die Frage, wann er mir die Schulden zurückzahlen würde, antwortete er, dass ich die ihm geborgten Aktien jederzeit zurückhaben könne. Auch das war laut Aktenlage – im Akt sind seine Bankdaten, Bankenkommunikation und Steuererklärungen – eine ebenso glatte Lüge.

Ich bin dann wortlos und wütend gegangen, habe über das Vorkommnis meinen Anwalt informiert, der mir riet, einen Aktenvermerk zumachen. Gestern hat sich das eben so ergeben, dass das Gericht diesen Aktenvermerk im Protokoll angebracht hat. Ob es schlau war, weiß ich nicht aber irgendwo hat nach knapp 13 Jahren alles seine Grenzen!

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht, Prozesstagebuch