YLine-Vorstand Peter Hrdlicka beschwert sich bei IBM über deren Verhalten

Heute war den ganzen Tag nur meine Einvernahme auf der Agenda. Wie bereits am Freitag auch, wollte die Richterin Details erfragen. Dabei wurden mir E-Mails und Stellungnahmen aus den Jahren 2000 und 2001 zwecks Kommentierung vorgehalten. Auch wurde ich in Verbindung mit den Sacheinlagen im Frühjahr 2000 über die damaligen Pläne und Absichten einzelner Aktionen befragt. Da tut man sich dann, 13 – 14 Jahre danach schon echt hart. Auf die Frage, wie sich die Umsätze einer bestimmten Beteiligung vor 14 Jahren entwickelt hätten, da geht einem rasch die Erinnerung aus. Das ist mir tatsächlich sehr unangenehm, weil ich an und für sich nicht vom „Amnesie-Virus“ befallen bin. Aber selbst bei bestem Willen und größtmöglicher Anstrengung kann ich beispielsweise ein E-Mail, das im Februar 2000 geschrieben wurde und auf dem ich lediglich auf Kopie gesetzt war, nicht mehr authentisch kommentieren. Da verlieren sich Aussagen rasch in Spekulation und Mutmaßung und das ist ja gerade nicht Sinn der Hauptverhandlung, denke ich! Aber recht viel andere Alternativen hat wohl auch die Richterin nicht – da dürfen wir uns alle bei der Anklagebehörde bedanken, die das Verfahren so lange verschleppt hat!

Heute ging es um den Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit Sacheinlagen und Zahlungen. Konkret um die Frage, ob wir einzelne Sacheinlagen zu überhöhten Bewertungen gemacht hätten. Abgesehen davon, dass ich das Motiv nicht verstehe, das wir gehabt haben sollten, Beteiligungen zu überhöhten Bewertungen zu kaufen, wäre das bei der Fülle der involvierten Berater und der beteiligten Partner gar nicht möglich gewesen. Da waren immer die führenden Wirtschaftsprüfungs- und Rechtsanwaltskanzleien involviert. Das ist eine Verschwörungstheorie der Staatsanwaltschaft, wobei unter den involvierten Spitzenjuristen umstritten ist, ob bei einer Sacheinlage überhaupt ein Schaden für eine Gesellschaft und damit der Tatbestand der Untreue entstehen kann. Sehr viel kompliziertere Themen als Sacheinlagen und deren Auswirkung gibt es im Wirtschaftsrecht wirklich nicht mehr und die Staatsanwaltschaft hat daraus eine sehr komplizierte Anklage konstruiert, die zumindest ich in der Substanz nicht wirklich verstehe!

Die FAZ über Metro und Primus Online

Die FAZ über Metro und Primus Online

Bei der Beteiligung an der Primus, unserer größten Sacheinlage und Beteiligung, hat es sich beispielsweise um die Online-Tochter des börsennotierten deutschen Metro-Konzerns gehandelt (siehe historischen Bericht in der FAZ). Mit einem damaligen Tagesumsatz von einer Million D-Mark (eine halbe Million Euro) war dieser E-Commerce-Händler damals eine große Nummer im deutschsprachigen E-Commerce. Ich war tatsächlich froh, dass wir (a) die Beteiligung überhaupt und (b) so günstig erhalten haben. Die Metro wollte damals, dass wir ihre Online-Tochter Primus Online lediglich mit den gleichen Maßstäben bewerten wie das Start-Up YLine. Das habe ich damals als sehr günstig empfunden. Hinter uns stand keine Metro, wir hatten keinen Umsatz von € 500.000 am Tag!

YLine-Vorstand Peter Hrdlicka beschwert sich bei IBM über deren Verhalten

YLine-Vorstand Peter Hrdlicka beschwert sich bei IBM über deren Verhalten

Die Richterin war in diesem Zusammenhang berechtigt skeptisch als ich ihr darlegte, dass unsere Primus-Beteiligung die Grundlage des gemeinsamen Kompetenzzentrum mit IBM sein sollte, IBM in der Folge ihre Verpflichtungen nicht eingehalten und uns damit massive Probleme verursacht hätte. Das wäre ja widersinnig, meinte sie! „Ja“, antwortete ich, so würde ich das auch sehen. Auch mir entzieht sich bis heute die Logik des IBM-Vorgehens. Zuerst schließt man eine Kooperationsvereinbarung mit IBM ab und dann macht IBM ohnehin alles alleine – nachdem wir Personal für dieses Kompetenzzentrum aufgebaut und investiert hatten. Hier (Bild links) ein nettes E-Mail vom damals für unsere Primus-Beteiligung zuständigen Vorstand Peter Hrdlicka, der sich darüber beschwert, dass IBM sich nicht an die Vereinbarungen für das gemeinsame Kompetenzzentrum gehalten und ohne uns – beispielsweise und ausgerechnet –  bei Metro angeboten hat. Aber so sind Konzerne halt manchmal – wir haben Gott-Sei-Dank interne IBM-Emails, die unsere Sicht bestätigen, sonst wären wir wegen der inhärenten Unlogik auf verlorenem Posten.

Neben den Sacheinlagen ging es heute auch um Zahlungen, die ich als Vorstand an ehemalige Mitarbeiter, Rechtsanwälte und Investmentbanken freigegeben bzw. veranlasst haben soll und die Frage, ob es sich dabei um betrieblich bedingte Zahlungen gehandelt hat. Andernfalls wäre das nämlich der Tatbestand der Untreue.

Ein besonders schönes Beispiel ist dabei die Zahlung, die YLine im Sommer 2001 an einen der führenden Wirtschaftsanwälte geleistet hat, der hat auch unsere Vorgangsweise gegen IBM begleitet. Diese konkrete Zahlung soll, so behauptet die Staatsanwalt, auf Grundlage des Gutachtens des Sachverständigen Dr. Keppert, privat motiviert gewesen sein und ich hätte daher wissentlich meine Befugnis als Vorstand der YLine missbraucht. Als Indiz dafür führt die Anklage an, dass die Rechnung zunächst auf mich privat ausgestellt gewesen wäre und ich danach veranlasst hätte, dass die Rechnung dann auf die YLine ausgestellt wurde. Ups, Fehler, tatsächlich war es genau umgekehrt, zuerst wurde die Rechnung an die YLine ausgestellt aber danach habe ich veranlasst, dass sie auf mich privat ausgestellt wurde. Aber diese ganz offensichtliche und einfache Datumsverwechslung hat zur Anklage geführt. Ist halt so! Sooo kleine Fehler können nach 13 Jahren schon passieren, oder?

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht, Prozesstagebuch