Der Ablehnungsantrag von Dr. Rohregger in Sachen Sachverständiger Dr. Hallas

Sogar ein juristischer Laie und nur oberflächlicher Prozessbeobachter weiß wahrscheinlich um die Bedeutung eines Sachverständigen für ein Strafverfahren. Daher ist der Sachverständige vor allem in komplexen Wirtschaftsverfahren auch regelmäßig im Scheinwerferlicht der Verteidiger. Diese wollen im Interesse ihrer Mandanten verhindern, dass befangene oder voreingenommene Sachverständige zum Einsatz kommen und damit die objektive Aufklärung von Sachverhalten erschweren oder gar verunmöglichen. Auch in dieser Beziehung ist die YLine – abgesehen von der extremen Überlänge – ein Fall für ein juristisches „Guiness-Buch der Rekorde“. Zum Beweis dafür: der von Dr. Michael Rohregger eingebrachte Ablehnungsantrag, der auch eine interessante Dokumentation der Akte YLine aus anderer Perspektive ist (hier als PDF zum Download verfügbar).

Der Ablehnungsantrag von Dr. Rohregger in Sachen Sachverständiger Dr. Hallas

Der Ablehnungsantrag von Dr. Rohregger in Sachen Sachverständiger Dr. Hallas

Im Ablehnungsantrag des Dr. Rohregger finden sich auf 29 Seiten die vielfältigen Interessenslagen, Verstrickungen und Aktivitäten der beiden bisherigen Sachverständigen Dr. Keppert und Dr. Hallas aufgelistet. Eigentlich sind die beiden zumindest juristisch betrachtet „eine Person“, weil sie gemeinsam eine Kanzlei führen und bisher ihre Gutachten stets gemeinsam verfassten. Zumindest in Sachen YLine, wo Dr. Keppert und Dr. Hallas als sachverständige Zwillinge mit exakter Rollenverteilung auftraten. Und Dr. Hallas hatte dabei bis vor kurzem die Rolle des Ermittlers, Sachverhalts-Konzeptionisten und Schreibers eingenommen.

Die Anklage als Blaupause des Gutachtens kommt von Dr. Hallas. Der Staatsanwalt hat dabei die kleinen Fehler des Dr. Hallas ebenso in seine Anklage übernommen wie die selektiv ausgewählten Belastungsbeweise und Sachverhalte (siehe Notizen hier). Konkret wurde beispielsweise der Vorwurf des waghalsigen Geschäfts gemäß § 159 StGB iVm dem PC-Geschäft mit IBM schon im Dezember 2002 von Dr. Hallas konzipiert, der dabei – ebenso wie die Anklage – die diesbezüglichen IBM-Vereinbarungen und das dokumentierte Umfeld völlig außer Acht ließ, ja nicht einmal erwähnte. Logisch, eigentlich, denn sonst hätte die Realität nicht mit dem konstruierten Sachverhalt korrespondiert. Also musste es halt eine konstruierte „Watzlawick’sche Realität“ sein. Ähnlich liegt das bei den angeklagten Sacheinlagen. Jetzt soll eben dieser Dr. Hallas als objektiver, unvoreingenommener und unbefangener Sachverständiger das Gericht dabei unterstützen, seine eigenen Konzeptionen zu prüfen. Na wie wird das in Kenntnis der menschlichen Natur wohl ausgehen?

Jeder Versuch, so zu tun, als wären Dr. Keppert und Dr. Hallas zwei voneinander unabhängige und in der Sache selbst unbefangene Sachverständige, ist Makulatur – und das belegt der nunmehr eingebrachte Ablehnungsantrag sehr schön. Es ist, wenn man den Antrag studiert, nachgeradezu erstaunlich bis bewundernswert, wie vielfältig man sich als Sachverständiger in einen Insolvenzfall verstricken und diesen „melken“ kann. Die Kanzlei Keppert/Hallas hat die letzten 13 Jahre mit YLine direkt und indirekt wirklich viel Geld verdient (siehe Bericht hier). Und jetzt soll es damit weitergehen?

Ich bin schon gespannt, wie das Gericht mit dem Antrag umgeht und das dann begründet.

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  1. […] Eine Entscheidung über den von Dr. Rohregger und Dr. Stuefer eingebrachten Ablehnungsantrag (siehe Beitrag hier) gab es heute noch nicht. Für mich insofern ein gutes Zeichen, als sich das Gericht die […]

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht, Gutachter

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