Der Tag #7 wurde mit meiner Einvernahme fortgesetzt. Begonnen wurde damit, dass mir die Richterin ein E-Mail unseres damaligen Investmentbankers Michael Lielacher an unseren Aufsichsratsvorsitzenden vorhielt, das dieser vor unserer Insolvenz verfasste. Lielacher bzw. seine Firma City M & A schuldeten uns damals 6,1 Millionen Euro. Die YLine hatte damals seine Internetplattform BlueBull entwickelt und betrieben. Lielacher brachte die BlueBull AG im Frühjahr 2001 an die Börse aber die vereinbarten Zahlungen an die YLine erfolgten trotz vielfacher Zusagen nicht. Sogar ein Überweisungsbeleg wurde uns im Juli 2001 per Fax übermittelt. Lediglich das Geld blieb ebenso aus und wie die versprochenen Sicherheiten (siehe auch Bericht hier). Ich habe dem Gericht diverse Belege dazu vorgelegt und auch eine rechtliche Stellungnahme unseres damaligen Anwaltes aus dem August 2001, der eine Betrugsanzeige empfahl.

Aus dem vorgelegten E-Mail ging hervor, dass Lielacher gar nie die Absicht hatte zu zahlen obwohl er das vielfach zugesagte. Vielmehr spekulierte Lielacher damals in seinem E-Mail an den Aufsichtsratsvorsitzenden mit der Insolvenz der YLine und was man danach gemeinsam mit anderen Aufsichtsräten der YLine aus den Resten machen könnte. Ich meine, Lielacher war auch unser Investmentbanker und hat von uns für die Wahrnehmung UNSERER Interessen viel Geld erhalten. Und dann das? So quasi als moralische Rechtfertigung für sein Vorgehen meinte er in dem E-Mail, dass das Geschäftsmodell der YLine mit der IBM ohnehin seltsam wäre. Lielacher hat damals, im Sommer 2001, IBM in der Vorgangsweise gegen YLine unterstützt (siehe auch Bericht hier) und sich auf diese Art letztendlich die Zahlung von € 6,1 Millionen erspart. Die von YLine gehaltenen Anteile an der BlueBull hat er sich dann um € 900.000 aus der Masse gekauft. Ein super Deal, eigentlich! Und wir waren mit dem E-Mail in der Tagsatzung #7 wieder beim Thema IBM.

Ich habe dem Gericht Dokumente vorgelegt aus denen hervorgeht, dass die Abwicklung des PC-Projektes mit IBM von Beginn weg über eine dafür errichtete Projektgesellschaft erfolgen sollte. Das wurde auf unseren schriftlichen Bestellungen an die IBM explizit vermerkt, war also Teil unserer Bestellkonditionen, wurde von IBM akzeptiert und IBM hat die ersten PC’s dann auch an diese Projektgesellschaft fakturiert und geliefert. Neben der Errichtung der Projektgesellschaft war für die Durchführung des Projektes die Partnervereinbarung mit IBM vom September 1999 die Grundvoraussetzung. Darin wurde die Errichtung einer “Errichtung und Betrieb einer für den europäischen Raum vorgesehenen Rechenzentrums- und Internetzugangsinfrastruktur” vereinbart  (siehe auch Bericht hier). IBM hat es mit dieser Vereinbarung u.a. auch übernommen, die erforderliche technische Infrastruktur zu planen. Das Projekt war also wohl überlegt und ausführlich vorbereitet.

Insofern führte sich die später von IBM vorgelegte Argumentation, dass sie der Übertragung der PC’s in die Projektgesellschaft nie zugestimmt hätte meines Erachtens ad absurdum. Auf Grund diverser Überlegungen kam es im Frühjahr 2000 zu einer Umstrukturierung unserer Gesellschaften und es wurde mit der YLine Web Access Services AG (YWAS)  eine neue (Nachfolge)Projektgesellschaft gegründet in die das PC-Projekt mit IBM eingebracht wurde. Auch über diesen formalen Schritt haben wir IBM schriftlich – per Fax direkt in die Rechtsabteilung der IBM gesandt – informiert. IBM hat dagegen keine Einwendungen erhoben, im Gegenteil – der damals für uns zuständige IBM Manager Walter Fuchs bzw. dessen Gattin haben sich gleich an der YWAS beteiligt. In den Investmentunterlagen war auch festgehalten, dass in dieser Gesellschaft die IBM-PC’s und die damit zusammenhängenden Verbindlichkeiten bilanziert wurden. Aus meiner Sicht gibt es auf Grund der nunmehr auch dem Gericht vorgelegten Unterlagen überhaupt keine Zweifel, dass das PC-Projekt als Teil des Geschäftsbereiches ISP mit Zustimmung der IBM in der YWAS war. Weil das eben Voraussetzung unsererseits für das Projekt war.

Es wurde mir vom Staatsanwalt vorgehalten, dass ich bei der Einvernahme gesagt hätte, dass es in der YWAS technisch-organisatorische Probleme gegeben hätte. No na, welches Großprojekt verursacht denn in der Anfangsphase keine Probleme. Und vor allem bei IT-Projekten sind Probleme eher der Regelfall als die Ausnahme. Der Staatsanwalt wollte damit darauf hinaus, dass das Projekt für die YLine eigentlich eine Nummer zu groß und zu gewagt war. Gott-sie-Dank haben wir im Sommer 2000, also einige Wochen nach Abschluss des großen PC-Projektes, eine technisch-organisatorische Due Diligence bei IBM beauftragt. Und die kam dann zum Schluss, dass wir im Vergleich zum Mitbewerb überdurchschnittlich gut arbeiten (Due Diligence-Bericht hier als Download verfügbar). Keine Rede davon, dass wir das Projekt nicht gut toll umgesetzt hätten. Und auch das ein Beleg, wie tief IBM in unsere Geschäfte eingebunden war.

Ich habe bereits am Tag #6 der Hauptverhandlung viele interne IBM-E-Mails vorgelegt aus denen hervorgeht, wie fundiert das Projekt mit YLine und innerhalb der IBM bis in die höchsten internationalen Ebenen diskutiert wurde. Risiken wurden abgewogen, Vorteile für IBM erarbeitet und Abwicklungsprozesse definiert. Die Rechtsabteilung der IBM hat dabei auch auf den Faktor hingewiesen, dass YLine ein Start-Up sei und damit entsprechende Risiken verbunden sind. Das wurde von den internen IBM-Stellen akzeptiert.

Es war der damalige Generaldirektor der IBM Österreich, Günter Pridt, der in internen E-Mails darlegt, wie wichtig dieses Projekt für IBM sei und dass man für YLine eigene Abläufe überlegen müsste. Es wird das PC-Projekt gerne so dargestellt, als wäre das eine spontane Eingebung von mir gewesen, ich zu IBM gegangen, hätte schnell einmal 35.000 PC’s bestellt und diese dann wie am Jahrmarkt irgendwie verteilt. Das war ein gemeinsames Projekt mit IBM, ein damals weltweit führender und ISO-9000-zertifizierter Technologiekonzern, und mit NEWS, dem führenden österreichischen Medienunternehmen. Da sagt einem doch schon der gesunde Hausverstand, dass da nichts mit „Spontaneingebungen“ geht, oder? Aber das macht halt für eine Anklage nicht viel her! Es wurde dann wieder viel über die weitere Entwicklung der IBM-Partnerschaft bis zur Insolvenz gefragt. Das Thema zieht sich halt wie ein Strudelteig durch (fast) alle Aspekte der Anklage und ist u.a. auch für die Frage von Zahlungsfähigkeit und Überschuldung relevant.

Das Thema Insiderhandel wurde dann im Express-Tempo abgehandelt. Ich legte dar, dass die bei mir angeklagten Aktienverkäufe nicht durch mich, sondern eigenständig durch meine Bank getätigt wurden. Dies deshalb, da ich die Aktien für einen Kredit bei der Bank verpfändet und zugestimmt hatte, dass diese unter einem bestimmten Kurs verkaufen könnte. Das hat die Bank in ihrem Interesse und ohne Insiderwissen auch eigenständig getan, dagegen hätte ich mich gar nicht wehren können. Dass das dann meinen Kredit reduziert und somit zu einem Vermögensvorteil geführt hat, das liegt auf der Hand.

Damit war dann die erste Runde meiner Einvernahme beendet.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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Gericht, IBM, Investmentbanker, Prozesstagebuch

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