Der Tag #8 der Hauptverhandlung begann damit, dass die Richterin Marion Zöllner, wie bereits hier berichtet, den bestellten Gutachter Dr. Werner Hallas abberufen hat. Das hat dann für einige Aufregung und eine positive Grundstimmung gesorgt. Da diese Entscheidung des Gerichts sich unerwartet und auf leisen Sohlen angeschlichen hat, war kurz sogar Verwirrung zu spüren. Aus meiner Sicht ist diese Entscheidung des Gerichts nach vielen Jahren des Kampfes gegen den Gutachter Dr. Keppert und seinen Erfüllungsgehilfen Dr. Hallas ein echter Meilenstein (hier der Bericht über die Gutachter). Jubel ist natürlich nicht angebracht aber Erleichterung, zumindest subjektive bei den meisten Angeklagten. Wie immer die Begründung für die Abberufung lautet ist mir eigentlich egal und klar, jetzt besteht die Gefahr, dass ein neuer Gutachter die Sachverhalte genau so sieht wie die alten. Aber, so sind die Rechtsvertreter überzeugt, es liegt soviel Neues, von den alten Gutachtern nicht berücksichtigtes Material am Tisch, dass es eine andere Sicht geben könnte. Jedenfalls aber einen unbefangenen Zugang.

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, ging es mit der Vernehmung der Zweitangeklagten weiter. Sie wurde heute von der Richterin und danach vom Staatsanwalt zu den Vorwürfen der Untreue in Verbindung mit den Sacheinlagen befragt. Aus meiner Sicht waren die Antworten exakt und überzeugend. Sie legte dar, wie sich damals in den Jahren zwischen 1998 und 2001 das Marktumfeld dramatisch verschlechtert hat und daher vor allem im Jahr 2001, nach dem Zusammenbruch des Börsenhypes, die YLine gezwungen war, sich durch Restrukturierungen an die Marktsituation anzupassen. Die angeklagten Sacheinlagen wurden, wie wir heute rückblickend wissen, exakt am Höhepunkt der New Economy durchgeführt. Danach ging es dann zunächst seitwärts und dann abwärts weiter. Ab dem September 2001 war dann nach dem 9/11-Ereignis überhaupt die Schockstarre eingetreten und alles vorbei. Insofern ist die YLine in diesen Jahren durch ein Wechselbad der wirtschaftlichen Zustände gegangen. Vom Hype in die Depression mit allen damit verbundenen Problemen!

Meines Erachtens konnten bei der heutigen Einvernahme auch die Vorgänge rund um die Sacheinlagen transparent dargelegt werden. Es wurde ausgeführt, wie die exakten Abläufe bei den drei angeklagten Sacheinlagen waren, wie die Bewertungen zustande kamen, wer konkret involviert war und warum was wie gemacht wurde und dass die Sacheinlagen komplexe Vorgänge mit zahlreichen Experten und Prüfungen waren, die kaum Raum für Manipulationen ließen. Ebenso wurde meines Erachtens sehr gut dargelegt, wie wir bei der Restrukturierung der Beteiligungen und der Neuausrichtung vorgegangen sind.

Vor allem wurde in der heutigen Einvernahme auch einmal geklärt, wie die operativen Verantwortungen verteilt waren und wer beispielsweise für das Geschäft der YLine Deutschland verantwortlich war. Diesbezüglich gab es in den Einvernahmen widersprüchliche Angaben und die natürliche Tendenz einiger Beschuldigter, ihre Rolle zu verkleinern.

Morgen geht es mit der Einvernahme weiter. Hier ist ein Bericht im Börse Express über den Tag #8 der Hauptverhandlung.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht, Prozesstagebuch