Ich hätte nie gedacht, dass die YLine noch zäher werden kann als sie das in den letzten 13 Jahren des Verfahrens ohnehin schon war. Aber man kann sich irren. Noch vor Beginn der Hauptverhandlung „besuchte“ mich heute ein Gerichtsvollzieher im Verhandlungssaal und versuchte Forderungen aus dem Umfeld der YLine rund um die YLine-Beteiligungen Primus Online und FirstInEx bei mir einzutreiben.

Dazu muss man wissen, dass ich bei der YLine und ihrer Aufarbeitung eine Reihe von persönlichen Haftungen bzw. Verpflichtungen eingegangen bin, die dann halt schlagend wurden bzw. hat mir das Finanzamt für die von mir eingeräumten Managementaktien eine Steuerschuld von knapp € 900.000 aufgebrummt. Für diese Steuerschulden habe ich zunächst mein Haus verpfänden und dann verkaufen müssen. Im Anschluss an die Insolvenz durfte ich auch  eine Reihe von Prozessen führen, die allesamt nicht gut für mich ausgegangen sind. Da bleiben dann gleich ein paar Millionen Euro Verbindlichkeiten über.

Einer vernünftigen Vergleichsregelung haben meine Gläubiger bisher nicht zugestimmt, weil das Strafverfahren noch nicht erledigt ist. Auf die Erledigung warte ich seit mehr als 13 Jahren und genauso lange bin ich schon mehr oder weniger erwerbsunfähig. Und unabhängig davon, ob ich freigesprochen oder verurteilt werde, muss ich danach nochmals ein paar Jahre damit verbringen, mich aus meinen mit der YLine im Zusammenhang stehenden Verbindlichkeiten zu befreien. Die Perspektiven könnten ehrlicher gesagt deutlich erfreulicher sein, aber, wahrscheinlich gehört Blödheit wirklich bestraft.

In eine ähnliche Kerbe hat die heute vernommene Wirtschaftsprüferin geschlagen, die meinte, dass ich meine Ideen grundsätzlich mit einer intensiven Nachhaltigkeit verfolgen würde und dabei auch zu schnell unterwegs sei. Ich wäre halt mit meinem Zug „YLine“ auf einer Strecke, die nur eine Geschwindigkeit von 80 km/h vertragen hätte, glatte 360 km/h gefahren. Nun, damit hat sie angesichts meines morgendlichen Besuches durch den Gerichtsvollzieher wahrscheinlich recht, ich habe das damals aber nicht so gesehen. Die Geschwindigkeit war schon enorm aber mit IBM als strategischem Partner habe ich mich gestresst aber wohl gefühlt. Für mich war die Geschwindigkeit hoch, aber die Streckenführung der New Economy-Schienen auch auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt. Das mit den Managementaktien, den persönlichen Haftungen bzw. Verpflichtungen war aber sicher völliger Schwachsinn.

Aber genug Selbstmitleid, so ist es halt und niemand hat mich gezwungen, die YLine zu gründen. Es ist schlicht der Umstand, dass ich relativ ohnmächtig seit 13 Jahren in der Warteschleife der Justiz hänge das eigentliche Problem. Der heutige Verhandlungstag war insgesamt sehr konstruktiv. Ich hatte den Eindruck, dass die Richterin tatsächlich interessiert an den damaligen Abläufen war und daran, wie Wirtschaftsprüfer arbeiten. Dazu muss man bemerken, dass die Richterin derzeit ohne Gutachter arbeitet, was angesichts der komplexen Materie keine einfach Aufgabe ist. Das Gericht erarbeitet sich Schritt für Schritt eine Sicht über die damaligen Verhältnisse und Abläufe und das stimmt mich sehr positiv.

Morgen geht am Tag #12 die Vernehmung der Wirtschaftsprüferin weiter.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gericht, Prozesstagebuch