Am Tag #23 war die Webline das Thema der Hauptverhandlung. Das ist eine Firmenbeteiligung an einer Online-Erotik-Plattform, die von uns im Wege einer Sacheinlage, also gegen Hingabe von YLine-Aktien erworben wurde. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet dabei, dass die Organe wissentlich zu überhöhten Preisen eingekauft und damit den Tatbestand der Untreue begangen hätten. Der Vorgang der Sacheinlage war durch diverse Gutachten, Wirtschaftsprüfer und Rechtanwälte begleitet und ist bestens dokumentiert.

Brisant wird das Thema dadurch, dass zwischenzeitlich aufgedeckt wurde, dass der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Ernst Hofmann kurz vor dem Erwerb der Beteiligung durch die YLine über einen Treuhänder die Mehrheitsanteile der Webline übernommen hatte und damit – ohne diesen Umstand den Organen offenzulegen – quasi sein eigenes Unternehmen mit schönem Profit an die YLine verkaufte. Ob dieser Umstand die Bewertung beeinflusst hätte, darf bezweifelt werden aber trotzdem!

Und ob damit der YLine ein Schaden entstanden ist, darüber können die Juristen trefflich streiten. Einige Juristen vertreten den Standpunkt, dass durch eine Sacheinlage dem aufnehmenden Unternehmen überhaupt kein Schaden entstehen könnte und wenn, dann hätte man ohnehin das Instrument der Haftung der Sacheinleger (siehe Beitrag hier). Klar ist aber jedenfalls, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst Hofmann der YLine offen legen hätte müssen, dass er der Hauptgesellschafter der Webline und das damit eine Transaktion mit einer verbundenen Person war.

Wie auch immer das juristisch zu beurteilen ist, heute haben sich die Zeugen beim Ablauf der Sacheinlage in entscheidenden Punkten widersprochen. Hier die Schilderung (Achtung – ist etwas komplex und nur mein Verständnis):

  • Die zwei geschäftsleitenden Gründer erzählten heute als Zeugen unter Wahrheitspflicht relativ gleichlautend dem Gericht, dass sie und zwei weitere Gesellschafter ihre Gesellschaftsanteile an der Webline kurz vor Übernahme derselben durch die YLine an den Mitgesellschafter Josef P. auf Basis einer niedrigen, selbst erstellten Unternehmensbewertung mit extrem niedrigen Bewertungen um jeweils ATS 700.000 verkauft hätten (in Summe um ATS 2,8 Mio). Warum die Unternehmensbewertung bei dieser internen Transaktion so niedrig war (ein Benutzer wurde nur mit einem Monatsumsatz (!) bewertet), das blieb vorerst ein Rätsel.
  • Die beiden Zeugen gaben an, NICHT gewusst zu haben, dass der übernehmende Mitgesellschafter Josef P. eigentlich nur treuhändig für unseren ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Hofmann agierte. Als Grund für die von ihnen erstellte, extrem niedrige Bewertung gaben sie u.a. ihre ländliche Herkunft und ihre damit erklärbare Bodenständigkeit an.
  • Josef P., der Treuhänder von Hofmann verkaufte dann die soeben übernommenen Anteile an der Webline auf Basis einer marktüblichen Unternehmensbewertung um rund ATS 15 Mio und somit mit einem wirklich sattem Gewinn an die YLine weiter.
  • Von dieser höheren Bewertung und dem hohen Gewinn hätten die beiden geschäftsführenden Gesellschafter damals nichts gewusst. Insofern, gaben die beiden Gesellschafter an, wären sie natürlich schon ein wenig sauer, weil sie gerne am Millionen-Profit des Ernst Hofmann partizipiert hätten. Aber mein Gott, das passiert halt, meinten sie sinngemäß und freundlich. Sie freuten sich auch über ihre ATS 700.000.

Die Geschichte hat sich gut und durchaus glaubhaft angehört – bis der übernehmende Mitgesellschafter Josef P. als Zeuge mit Wahrheitspflicht antrat. Dieser präsentierte im Zuge der ausführlichen Vernehmung eine andere Version:

  • Die zwei Gründer hätten selbstverständlich gewusst, dass er, Josef P., nur treuhändig für Ernst Hofmann agiert hätte. Er selber hätte Ernst Hofmann den Gesellschaftern als potenziellen Investor vorgestellt.
  • Selbstverständlich haben die beiden Gründer gewusst oder hätten wissen müssen, dass Ernst Hofmann die Anteile an die YLine weiterverkaufen würde. Schließlich war Ernst Hofmann bei der entscheidenden Besprechungen der Gesellschafter auch dabei und darüber hinaus hatte dieser – seines Wissens nach – sogar direkt mit den geschäftsführenden Gesellschaftern gesprochen.
  • Keine Rede also, dass Ernst Hofmann und seine eigene Treuhänderfunktion den beiden Gründern unbekannt gewesen wäre.

Zwangsweise Schlussfolgerung: entweder waren die Aussagen des Josef P. falsch oder jene der beiden Gründungsgesellschafter. Beide Aussagen können jedenfalls so nicht wahr sein. Und es bleiben Fragen offen – und jede Menge Emotionen!

Warum Josef P. solange geschwiegen hat? Weil er mit Ernst Hofmann im Jahr 2003 eine beim Notar hinterlegte Schad- und Klagloserklärung vereinbart hätte. Darin hat er sich zur Vertraulichkeit verpflichtet. Im Gegenzug hätte ihn Hofmann schad- und klaglos halten sollen, was dieser aber nicht gemacht hätte. Vielmehr wäre er, Josef P., auf vielen Kosten sitzen geblieben und hätte nichts von dem profitablen Deal gehabt. Josef P. legte die Vereinbarung dem Gericht vor.

Man könnte sich jetzt zusammenreimen, warum die erste, interne Bewertung so lebensfremd niedrig war, oder? Man könnte beispielsweise vermuten, dass die von den zwei Gründungsgesellschaftern selber angestellte Bewertung bewusst niedrig war, um andere Mitgesellschafter vielleicht günstig auszukaufen. Aber das ist nur eine sich aufdrängende Vermutung angesichts der heutigen Aussagen, und nicht mehr!

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