Für den oberflächlichen Betrachter und sicher auch für einige Angeklagte war der Tag #26 der Hauptverhandlung ein ereignisloser Tag aber unter der Oberfläche, da hatte er es durchaus in sich.

Wegen Krankheit Ausscheidung beantragt

Da beantragte Friedrich Scheck aus gesundheitlichen Gründen sein Ausscheiden aus dem laufenden Verfahren. Das Gericht wird jetzt, so habe ich es verstanden, gutachterlich feststellen lassen, ob Scheck verhandlungsfähig ist oder nicht. Ähnlich wie das auch beim ehemaligen Aufsichtsrat Ernst Hofmann passiert. Da soll das ärztliche Gutachten noch vor Weihnachten vorliegen.

Sollten die beiden Angeklagten ausgeschieden werden, dann entbehrt das – bei allem gebotenen Mitgefühl für Krankheiten, dem Verständnis, dass das höhere Gewalt ist und dem Wunsch einer raschen Gesundung – nicht einer heftigen Skurrilität. Dann wären jene beiden Leute draußen, die nachweislich am meisten mit der YLine verdient haben und deswegen auch angeklagt sind. Aus meiner Sicht wären ohne Mitwirkung dieser zwei Angeklagten wesentliche Punkte der Anklage auch gar nicht mehr sinnvoll gerichtlich zu diskutieren. Und deswegen sitzen einige andere Angeklagte weiterhin in der Hauptverhandlung. Unfassbar, eigentlich!

Interessante Zeugen im Dezember 2014

Interessant wird dann, wie die Richterin heute angekündigt hat, die vorweihnachtliche Verhandlungsrunde. Dann kommen nämlich die IBM-Zeugen Walter Fuchs, Arthur Kozak und der Investmentbanker Mike Lielacher, der bis kurz vor Anklageerhebung selber als Beschuldigter geführt wurde. Heiße Weihnachten also. Nächste Woche soll dann auch schon das neue Gutachten in Sachen IBM vorliegen.

Zur Rationale des PC-Projektes mit IBM

Ein ehemaliges Gründungsmitglied der YLine legte heute als Zeugin dar, wie sich der Anfang gestaltet hat und warum man das PC-Projekt genau so gemacht hätte. Sie konnte sich erinnern, dass IBM von Anfang in den ersten Planungsrunden bei Gründung dabei war, namentlich konnte sie sich an Walter Fuchs erinnern. Der Gutachter fragte bei der Darstellung des Geschäftsmodells konstruktiv nach womit sich dann – aus meiner Sicht – auch das richtige Bild über das PC-Projekt und das betriebswirtschaftliche Rationale ergab. Auch das Rationale der Partnerschaft mit IBM aus deren Sicht erklärte sie nachvollziehbar. Ich meine, das konnte man schön verstehen.

Zeuge stellt Aussagen richtig

Interessant war dann noch die Vernehmung eines Zeugen, der Aussagen bei der polizeilichen Einvernahme von 2003 – die laut Meinung meines Rechtsvertreters Dr. Oliver Scherbaum schlampig und ohne die gebotene Belehrung geführt wurde – in entscheidenden Punkten durch zusätzliche Ausführungen richtig stellte und damit der Anklage die Grundlage entzog.

Es wäre bei richtiger polizeilicher Einvernahme bzw. sorgfältigem Nachfragen durch die Staatsanwaltschaft wahrscheinlich zu gar keiner Anklage in diesen Punkten gekommen, denn, so mein Rechtsvertreter, man hätte den Zeugen beispielweise damals darauf hinweisen müssen, dass er in den befragten Punkten als Beschuldigter hätte geführt werden müssen und damit ein Entschlagungsrecht gehabt hätte. Denn so wie die Anklage die Sachlage vorbringt, wäre der Zeuge Beitragstäter für den Tatbestand der Untreue gewesen. Wie in anderen Punkten auch hat die Anklage in den heute behandelten Punkten gravierende Fehler, die unseres Erachtens aus der schlampigen Ermittlung der Staatsanwaltschaft resultieren. Die Richterin zeigte bei der Vernehmung denn auch erkennbare Emotionen.

Aber der Staatsanwalt zeigte sich einmal mehr als aufrechter Beamter – hartnäckig seine von ihm irgendwann einmal für richtig gehaltene Wirklichkeit mit beeindruckender Lustlosigkeit verteidigend. In seinen Befragungen kam bisher nicht einmal der Verdacht auf, dass sich der Staatsanwalt Marchart für die Sachlage interessiert. Na Hauptsache 11 – oder mittlerweile krankheitsbedingt nur mehr 9 – Leute müssen über 13 Jahre (mit noch offenem Ende) wegen dieser Fehler und Versäumnisse in der Geiselhaft der Justiz verbringen. Da kocht dann schon berechtigte Wut auf!

 

Join the conversation! 2 Comments

  1. Wie kommt es, dass die Sachverhalte, die zum 26.Verhandlungstag auf http://mobil.derstandard.at/2000006911441/Yline-Zeuge-verwickelt-sich-in-Widersprueche nachzulesen sind, hier nicht aufgeführt werden?

    Antwort
    • Wahrscheinlich deswegen, weil ich das eben nicht so gesehen habe wie die APA! Widersprüche ergeben sich nach meiner bisherigen Erfahrung in der HV bei fast jedem Zeugen, weil sie die meisten nach 14 Jahren eben nicht mehr erinnern können. Hätte sich die Justiz nicht dermaßen lange Zeit gelassen, dann hätten wir dieses Problem der fehlenden Erinnerungen und sich daraus eventuell ergebender Widersprüche sicher nicht!

      Antwort

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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