Ich bin soeben aus dem Zug ausgestiegen und habe mich in das Restaurant beim Bahnhof Korneuburg begeben. Dort habe ich in Kürze eine Besprechung und nutze die Zeit bis dahin für einen kurzen Bericht über den Fortgang der Hauptverhandlung. Dort, im Wirtshaus, befinde ich mich auch in guter Gesellschaft, denn da verkehrt nachmittags gerne der Stammtisch der Richter und Juristen aus Korneuburg :). Letztlich will ich ja nicht auf Entzug gehen, oder?

Also wie war es die letzten beiden Tage? Fangen wir hinten an. Heute nachmittags waren drei ehemalige IBM-Manager am Wort die damals, in den Jahren 1999 und 2000 in die PC-Transaktion eingebunden bzw. ausgeschlossen waren. Vor allem der letzte Zeuge legte dar, wie er auf Geheiß´des ehemaligen IBM-Generals Günther Pridt von dem PC-Projekt ausgeschlossen wurde. Eigentlich, so der Zeuge, wäre die Transaktion in seinen Geschäftsbereich gefallen aber Walter Fuchs und Günter Pridt hätten die YLine zur „Chefsache“ erklärt. „Eine Linke“ wäre das gewesen, wie der Zeuge auf Nachfrage erklärte. Und ja, die damals für alle Geschäftsbereiche geltenden IBM-Regeln wären seiner Meinung nach zwangsweise verletzt worden. Diese Verletzungen wären durch Günter Pridt gedeckt worden. Eine Auslieferung von PC’s ohne schriftlichen Vertrag oder eine Finanzierung ohne Sicherheiten hätte innerhalb der „normalen Geschäftsbeziehungen“ ganz sicher nicht sein dürfen – das wiederum stützt unsere Argumentation, dass YLine ein besonderer Partner von IBM Europa und IBM Österreich außerhalb der üblichen Beziehungen war.

Ein anderer Zeuge – dieser war damals für die Finanzierung verantwortlich – legte dar, wie dringend IBM Europa das PC-Projekt und die Partnerschaft mit YLine wollte.

IBM, so dieser Zeuge, wollte dieses Projekt ganz dringend, vor allem IBM Europa sah darin eine tolle Vision und die Möglichkeit, gemeinsam mit YLine den Mitbewerbern im boomenden Internet entgegenzutreten. Deshalb wäre das gesamte Topmanagement von IBM Europa – CFO Jim Pollus, Finanzierungschef Arthur Kozak und auch CEO Mike Lawrie – eingebunden gewesen und hätte das Projekt massiv unterstützt. Und ja, natürlich war IBM über Walter Fuchs in die Entstehung der YLine eingebunden gewesen. Da deckten sich die Zeugenaussagen.

Interessant war auch, dass der Zeuge meinte, dass der mit IBM im September 1999 abgeschlossene Partnervertrag von Walter Fuchs nicht offengelegt wurde. Er, der Zeuge, hätte erst über meinen Blog davon erfahren.

Die Zeugen widersprachen jedenfalls den bisherigen Aussagen von Günter Pridt. Natürlich wäre dieser in die YLine-Transaktion voll eingebunden gewesen und ohne dessen Mitwirkung wäre diese PC-Transaktion gar nicht vorstellbar gewesen. Die Zeugen legten auch dar, dass ohne die Mitwirkung von Walter Fuchs und der IBM die YLine bzw. deren Börsengang gar nicht möglich gewesen wäre.

Im Übrigen ging es wieder um das Thema ARES, also unsere Softwareplattform. Was war wann da, wie gut oder schlecht war die Software und wie viele Programmierer waren damit befasst. Im meine, dass die Software ARES als Lizenz damals verkaufbar war, das hat bereits ein im Jahr 2006 durchgeführter Strafprozess ergeben, als untersucht wurde, ob die ARES-Umsätze Scheinumsätze gewesen sein könnten. Die Anklage vom damaligen Staatsanwalt Krakow wurde mit einem Freispruch erledigt. Es war damals sogar ein EDV Sachverständiger involviert. Und jetzt spielen wir das Alles nochmals durch … sogar die Fragen sind fast gleichlautend wie damals! So nach dem Motto: irgendein Weg, uns zu verurteilen, wird sich da um Gottes Willen doch finden lassen, oder? Wenn nicht in diesem Verfahren, dann halt in einem anderen!

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  1. Wen Willkür sich zum Ziel erkoren, der bleibt nicht lange ungeschoren.

    Mit den besten Wünschen weiterhin.
    Eine aufrechte Bürgerin aus Muku Town
    🙂

    Antwort

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About ebit4u

CPA, Wirtschaftsprüfer, Gründer und Vorstand der Fintech.Academy, Autor der Bücher "Schwarmökonomie und Crowdfunding" und "Bitcoin und andere dezentrale Transaktionssysteme" erschienen im SpringerVerlag.

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IBM, Prozesstagebuch

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