Ich habe mir angewohnt, bei den Einvernahmen fleissig Aufzeichnungen zu führen, inhaltliche wie auch solche eher statistischer Natur. Vor allem die Aufzeichnung der statistischen Kategorie zeigen vielleicht die Skurrilität des Verfahrens deutlich auf. In den letzten 3 Verhandlungstagen wurden insgesamt 18 Zeugen vernommen, die von der Staatsanwaltschaft „nominiert“ wurden. Der Staatsanwalt Alexander Marchart hat an diesen 3 Verhandlungstagen in Summe gezählte 14 Fragen an die 18 Zeugen gestellt, an „seine Zeugen“ wohlgemerkt. An 7 Zeugen hat er gleich gar keine Fragen gestellt, sondern sie durchgewunken.

Die Befragung war meist witz- und weitgehend sinnlos. Der Verteidiger-Doyen meinte: „Das wird immer fader“!

Die lange Zeit hinterlässt, wie schon öfter festgehalten, ihre Spuren in der Erinnerung der Zeugen. Die polizeiliche Einvernahme erfolgte 2003 und 2004, also vor über 10 Jahren. Die am meisten gehörten Phrasen sind daher sinngemäß oder wörtlich „keine Ahnung“, „weiß ich nicht mehr“, „möglicherweise“, „könnte sein“ und dergleichen mehr. Dann verliest die Richterin die damalige Aussage der Zeugen vor der Polizei und regelmäßig hört man dann von den Zeugen: „Naja, wenn ich’s damals gesagt habe, dann wird’s schon stimmen aber heute weiß ich das nicht mehr“.

Der letzte Zeuge der dieswöchigen Verhandlungsrunde hat heute deutlich mehr als 30 mal in seiner knapp 45-minütigen Vernehmen diese Phrasen benutzt. Nach 30 Stricherln habe ich aufgehört mitzuzählen. Man muss da durchaus die Geduld der Richterin bewundern aber schuld daran ist die Staatsanwaltschaft! Die macht es sich – siehe oben – im Verfahren aber eher recht bequem.

Ich darf an dieser Stelle hinzufügen, dass bespielsweise zwei Angeklagte nur für die Beiwohnung an der Vernehmung dieses letzten Zeuges anreisen mussten. Einer davon aus Wels, also in Summe mehr als 5 Stunden Autofahrt (hin und retour). Da auch der Rechtsanwalt aus Oberösterreich anreisen musste, kommt zur verlorenen Zeit dann auch noch eine Menge Geld dazu. In Summe haben diese 45 „Keine Ahnung-Minuten“ alleine den beiden Angeklagten sicher wieder ein paar tausend Euros gekostet. Wäre da nicht die Vorgeschichte, dass die Justiz das Verfahren mittlerweile über 13 Jahre schleppt, dann könnte man vielleicht, eventuell und bei gutem Willen dafür Verständnis haben aber so?!

Ach ja, mittlerweile steht auch schon fest, dass es nach den 2 Verhandlungstagen im Dezember 2014, dann im Jänner 2015 weitergeht. Der Jahrestag am 23. April 2015 scheint sich also doch auszugehen. Das Verfahren sieht damit das 14. Kalenderjahr. Eine beruhigende Perspektive für alle Gewohnheitstiere!

Noch ein Wort zu den Daten: heute wurde uns vom Gericht quasi „amtlich“ bekannt gegeben, dass auf den, vom „alten“ Sachverständigen Dr. Thomas Keppert aufbewahrten Daten-CD’s knapp 60 Dateien unleserlich sind. Darunter Vorstandsprotokolle, Verträge, Vereinbarungen und andere wichtige Unterlagen. Der „neue“ Sachverständige ist also angesicht massiv lückenhafter Datenbestände und fehlender Erinnerung der Zeugen nicht wirklich zu beneiden…

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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