Baron Münchhausen

Baron Münchhausen von IBM

Zusammengefasst hat sich in den letzten Tagen der Hauptverhandlung ganz einfach zu wenig getan, als das es jeweils einen Blogbeitrag wert gewesen wäre: Der von der Richterin außertourlich angesetzte 30. Tag der HV am 6. Dezember gestaltete sich eher kurz: Ernst Hofmann, unser ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender hat sich krankheitsbedingt seiner Einvernahme entschlagen, womit der einzige Punkt der Tagesordnung auch sehr schnell erledigt war.

Die Angeklagten, die für diesen Tag teilweise vom Ausland eingeflogen waren, wussten nicht so recht, wie ihnen geschah.  Sogar Rechtsanwalt Eichenseder, sonst die personifizierte Höflichkeit wurde ob der offensichtlich unnotwendigen Unkosten seines Klienten (Flugkosten Zypern hin und zurück ) doch etwas unwirsch im Gerichtssaal.

Der 31. Tag am 16. Dezember war der IBM gewidmet. Walter Fuchs, ehemaliger hochrangiger IBM-Mitarbeiter und zuständig für die YLine erinnerte sich an seinen Beitrag zur YLine – der ja eigentlich, wirklich ganz minimal war. Also er hatte absolut kein Entscheidungspouvoir und war mit der operativen Abwicklung der Partnerschaft nicht befasst. Pech nur, dass erst wenige Tage vor seiner Einvernahme ein Beweisantrag mit dem Gutachten des Privatsachverständigen Geyer (im Download hier verfügbar) zum Verhältnis IBM/YLine beim Gericht eingebracht wurde. In diesem lesenswerten Gutachten wird die Kommunikation zwischen IBM und YLine im Detail festgehalten. Ein schöner Handlungsfaden für das Gericht und tatsächlich widersprach Fuchs den Unterlagen dermaßen offensichtlich, dass ihn ein Verteidiger in der Pause als „Baron Münchhausen von IBM“ bezeichnete und den Zeugen vereidigen lassen wollte. Das ist aber, wie die Richterin aufklärte, nicht mehr vorgesehen. Der Zeuge steht ohnehin unter Wahrheitspflicht, die er im Vergleich mit dem Gutachten von Geyer sehr interessant auslegte.

Freimütig erzählte Fuchs, wie er sich im Vorfeld seiner Einvernahme mit unserem ehemaligen Vorstandsmitglied Günter Pridt abgesprochen und von diesem u.a. mit der Vorlage von „Beweisen“ beauftragt wurde. Tatsächlich legte Fuchs dann einen aus dem Jahr 2014 (!) stammenden handschriftlichen Aktenvermerk von Günter Pridt als „Beweis“ für eine Begebenheit im Jahr 1999 vor. Naja, wenn der auch von Pridt kommt, dann ist das schon eine Art notariell beglaubigtes Zeitdokument. Naja, die mit vielen Anglizismen und IBM-Jargon durchsetzte Fuch’sche Aussage war jedenfalls sehr unterhaltend.

Der 32. Tag war dann wieder sehr kurz, der geladene Zeuge Dr. Arthur Kozak, ein ehemaliger IBM-Manager, erschien nicht und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Danach verteilte die Richterin das erste Zwischengutachten zu den Sacheinlagen Webline und Kontornet. Womit wir für die Weihnachtsfeiertage mit einer interessanten Lektüre ausgestattet wurden.

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About ebit4u

CPA, Wirtschaftsprüfer, Gründer und Vorstand der Fintech.Academy, Autor der Bücher "Schwarmökonomie und Crowdfunding" und "Bitcoin und andere dezentrale Transaktionssysteme" erschienen im SpringerVerlag.

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IBM, Prozesstagebuch