Der Tag #34 der HV war grundsätzlich wieder ein relativ kurzer. Dass er trotzdem bis knapp nach 15.30 dauerte hatte seine Ursache in einer knapp zweieinhalbständigen Unterbrechung. Beginnend mit 9.00 Uhr trug der Sachverständige seine beiden Teilgutachen zu den Sacheinlagen Webline und Kontornet vor. Das war nach knapp 70 Minuten vorbei. Auf die Gutachten sowie im Speziellen das sehr spannende Thema Webline mit all den Hintergründen gehe ich in einem der nächsten Beiträge separat ein (siehe auch Beitrag hier). Aus der Webline sind höchst erfolgreiche Nachfolgeunternehmen hervorgegangen, die alle unsere damals getroffenen Annahmen übererfüllt haben. Aber davon in Kürze mehr.

Seitens der Angeklagten und Verteidiger wurden keine Fragen an den Gutachter gestellt. Die knapp 2 Wochen nach den Weihnachtsferien waren einfach zu kurz und es geht hier bei der Frage nach der Unternehmensbewertung eben um eine Experten- und eine Rechtsfrage. Die Befragung des Sachverständigen wird daher in knapp 2 Monaten bei den im März 2015 anberaumten Tagsatzungen durchgeführt. Es blieben, soviel sei angekündigt, einige methodische Fragen offen, die u.a. ein bestellter Privatgutachter stellen soll.

Da der Sachverständige in seinen beiden Gutachten nach Meinung der Verteidiger bereits eine ihm nicht zustehende rechtliche Würdigung durchgeführt und in den Gutachten sowie im Vortrag tendenzielle Aussagen und eine herabwürdigende Wortwahl („absurd“, „völlig absurd“ etc) verwendet hatte, wurde seitens eines Verteidigers der Antrag auf Abberufung des Sachverständigen wegen Befangenheit gestellt. Nach einer etwas längeren Beratung des Senats wurde der Befangenheitsantrag abgelehnt allerdings in einer Form, die unter den Verteidigern die Meinung aufkommen ließ, dass die konkrete Formulierung der Ablehnung einen Nichtigkeitsgrund darstellen würde. Sogar der sonst eher zurückhaltende Dr. Eichenseder fand für den Antrag positive Worte. Da herrschte dann sogar unter den Verteidigern eine „Frohstimmung“. Ich sehe das nach knapp 14 Jahren Verfahrensdauer und vielen unglaublichen Vorkommnissen eher gelassen. Mag sein, mag nicht sein.

Der Höhepunkt war aber sicher das Erscheinen des Michael Lielacher als Zeuge. Nachdem dieser am Vortag unentschuldigt ferngeblieben war, ließ ihn die Richterin über die Polizei ausfindig machen (siehe Beitrag hier). Der Auftritt war dann gewohnt „liechaler-like“. Große Gesten, interessante Ausführungen, große Erinnerungslücken aber dafür gespickt mit Wortwitz und Anekdoten. Es war wie immer sehr unterhaltsam, seinen Ausführungen zu folgen. Inhaltlich hatte er aber wenig zu liefern. Natürlich wären damals alle Internetunternehmen irrsinnig hoch bewertet worden. Viel schlauere Leute als er und Böhm hätten das vorgegeben. Das wäre damals halt so gewesen. YLine hätte die AUA damals jederzeit mit einer kleinen Kapitalerhöhung kaufen können.

Die Richterin war sehr gut vorbereitet und konfrontierte ihn mit einigen Emails und Dokumenten, die seine Mitwirkung bei vielen YLine-Transaktionen belegen sollten. Lielacher konnte sich „nach 15 Jahren“ bei den Details nicht mehr erinnern. Vorgelegte Dokumente mit seiner Unterschrift – so seine Argumentation – würden gar nichts sagen, weil sie erstens aus dem Zusammenhang gerissen waren und man zweitens nicht wüsste, ob das letztlich die finale Version gewesen war. Und es sei halt 15 Jahre her!

Abschließen möchte ich mit einem Sager, der für Heiterkeit sorgte. Kontrontiert mit einer Email, das ihm die Richterin vorlas meinte Lielacher:

(a) das kenne ich nicht,
(b) daran kann kann ich mich nicht erinnern und,
(c) so ist es sicher nicht gewesen.

Ach ja, persönlich interessant fand ich seine Eigeneinschätzung, nicht zum „blauen Netzwerk“ gehört zu haben. Wenn nicht er wer dann, frage ich mich?!

Join the conversation! 4 Comments

  1. Stellen Sie das Gutachten wieder als Download zu Verfügung?

    Antwort
  2. Lieber Werner, wäre Mike Teil des blauen Netzwerkes gewesen, dann würde er mit Sicherheit auf der Anklagebank sitzen. Mfg Hermmann

    Antwort
    • Na ja, also wenn Mike kein Bestandteil des blauen Netzwerkes war, dann war das Hotel De France ein Busbahnhof. Tatsächlich sind die Blauen damals im Hotel De France, wo Lielacher sein Büro aufgeschlagen hatte, ein und aus gegangen. Warum hätte er denn, nominiert von den Blauen Aufsichtsrat der ÖBB werden sollen? Warum ist er ständig mit Ernst Hofmann herumgehangen. Oder mit Gerry Mikscha. Ach ja, und der Pressesprecher von Haider, Petritz oder so, hat sicher auch keine intensiven Kontakt zu Mike Lielacher gehabt. Aus meiner Wahrnehmung war Lielacher damals die personifizierte Verknüpfung der New Economy mit den Blauen. Warum er nicht angeklagt ist – naja, das ist in Österreich generell ein Glücksspiel, denke ich. Aber natürlich kann ich mich irren, Lg Werner

      Antwort

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