Nach knapp 14 Jahren Verfahrensdauer – davon knapp 8 Monate Hauptverhandlung und ziemlich genau 2 Jahre nach Anklageerhebung – hat das Gericht einen längst fälligen Freispruch gefällt, der inzwischen auch rechtskräftig ist. Der ehemalige Investor, Aufrichtsrat und Vorstand der YLine, Christian Rosner, wurde in der Tagsatzung #30 Anfang Dezember 2014 freigesprochen. Für ihn ist das Verfahren zu Ende!

Ich habe nie verstanden, warum gegen Christian Rosner überhaupt Anklage erhoben wurde. Diejenigen, die uns beide näher kannten, wissen, dass Christian und ich während unserer Zeit im Vorstand der YLine unsere Differenzen hatten. Als Freunde könnte man uns also sicher nicht bezeichnen. Christian hat sich nach der YLine einen exzellenten Ruf als Investor und Manager erworben. Mit der Anklage-Erhebung im Dezember 2012 – also vor knapp 2 Jahren – musste Christian Rosner mit einer massiven Beeinträchtigung seines Rufes und seiner Arbeitsmöglichkeiten leben. Wie die übrigen Angeklagten auch! Was aber im Fall von Christian Rosner aus meiner Sicht eine besondere Farce war: der Staatsanwalt wusste offenbar gar nicht so recht, warum er Rosner tatsächlich angeklagt hatte aber zurückziehen wollte er die Anklage auch nicht und Anträge auf Freisprüche wurden bisher mit vorgefertigten Floskeln abgefertigt. Fragen an ihn hatten weder er noch das Gericht in den 30 Verhandlungstagen. Die meisten der 30 Verhandlungstage musste er halt einfach dasitzen und sich Dinge anhören, die nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der YLine passiert waren. Viele Zeugen kannten Rosner gar nicht und belastet hat ihn schon gar niemand. Es gibt tatsächlich deutlich entspanntere und günstigere Arten, seine Freizeit zu verbringen.

Der einzige Grund, warum es aus meiner Sicht zur Anklageerhebung hat kommen können ist, dass der Staatsanwalt von einer Verschwörungstheorie ausgeht. Staatsanwalt Alexander Marchart – persönlich durchaus sympathisch – nennt das „Tatplan“ und geht davon aus, dass Vorstand, Aufsichtsrat, Investmentbanken und Wirtschaftsprüfer unter hartnäckigem Wegsehen und/oder Pflichtverletzungen aller beteiligten Behörden und Rechtsberater einen umfassenden „Tatplan“ gehabt haben. Zwar hat der Staatsanwalt diesen Tatplan bis heute nicht einmal in kleinsten Ansätzen darlegen können – er hatte bisher auch kaum Fragen an „seine“ Zeugen – aber wie das halt mit Verschwörungstheorien so ist: sie klingen reisserisch, deren Gegenteil lässt sich leider auch nicht beweisen und sie gewinnen Eigendynamik.

Also hat Christian Rosner letztes Jahr 30 Verhandlungstage im Großen Schwurgerichtsaal verbracht, für dieses „Vergnügen“ wahrscheinlich eine Menge Geld an seine Verteidiger gezahlt und noch größere Einnahmenseinbußen hinnehmen müssen. Entschädigung? Niente! Reputationswiederherstellung? Nep! Das ist halt so, oder?

Wir übrigen werden – soviel ist sicher – den Jahrestag des Beginns der Hauptverhandlung im April 2015 begehen. Kein absehbares Ende in Sicht. Weiterhin auf der Spur der großen „New Ecomy Verschwörung“. Und jetzt kommt es dann offenbar zum „Duell der Gutachter“ in Sachen Unternehmensbewertung.

Christian Rosner wünsche ich, dass er sich von dieser emotionalen und psychischen Belastung erholt und diese Farce schnell vergisst!

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