Die lange Verfahrensdauer der Akte YLine hat zumindest den Effekt, dass sich dieser Blog mit seinen Beiträgen immer weiter durch das Internet wälzen und Leser gewinnen kann. Man kennt man dieses Phänomen unter dem Begriff „Longtail“. Selbst der älteste Beitrag wird immer wieder einmal aufgerufen, weil er beispielsweise bei der Google-Suche aufpoppt. Der „Longtail“ sorgt auch dafür, dass mich immer mehr Leute kontaktieren und Informationen liefern oder einfach auch nur tratschen oder schimpfen wollen.

Der Turbo-PC der Krone

Kronenzeitung-LogoDiese Woche erhielt ich auf diese Art eine interessante Information zum Thema IBM, Cybertron und Kronenzeitung, die neue Aspekte im Hinblick auf die IBM-Partnerschaft lieferte.

Und die Geschichte geht so: Die Krone wollte damals offensichtlich im allgemeinen Internet-Hype um die Jahrtausendwende auch eine „YLine“ werden. Mit vielen Internet-PC’s und einem Portal auf dem die Benutzer dieser PC’s dann landen und Pageviews sowie Klicks produzieren sollten. Das Portal nannte man damals „kronline.at“, hmm, nicht gerade phantasievoll, oder? Man kupferte die „YLine“ brutal ab. Damit das auch ja gut funktionieren (hätte sollen) holte man sich die YLine-Partner IBM und Cybertron an Bord. Beide Partner störte es nicht, dass sie so ein Projekt auf Grund der Vereinbarungen mit YLine eigentlich gar nicht hätten machen dürfen. „That’s business stupid“ würden uns die IBM’er wahrscheinlich erklären. Aber das mit der Exklusivität konnte ja die Kronen-Zeitung nicht wissen. Naja, vielleicht doch, denn die Geschäftsführung der Online-Tochter der Krone war zu diesem Zeitpunkt, im Mai 2000 als unsere PC’s gerade ausgeliefert waren, mit mir als Vorstand der YLine in Verhandlung über eine Kooperation. Jetzt verstehe ich auch, warum daraus nichts geworden ist.

Die Krone brachte also mit IBM und Cybertron „kronline-Internet-PC’s“ nach dem „Rollenmodell YLine“ auf den Markt. Hier ein Zitat aus der Presseaussendung vom Mai 2000 (Pressesendung ist hier):

Ein besonderes Zuckerl für „Neueinsteiger“ ist das IBM Turbo PC Paket von Kronline. Ohne besondere Vorkenntnisse können auch Computer-Neulinge sofort damit arbeiten: Der PC ist leistungsstark und trotzdem handlich, die Software vorinstalliert, Boxen und weiteres Multimedia Zubehör sind auch sofort einsatzbereit. Und mit Kronline ist die Verbindung zum Internet auch schnell eingerichtet. Dieses Angebot überzeugt: Bereits wenige Stunden nach der Präsentation interessierten sich tausende Kunden für dieses weltweit einzigartige Angebot (Anmerkung: farbliche Hervorhebung ist von mir, weil das eine so dreiste Falschheit ist).

Fazit – Bauchlandung mit Nebenwirkung

Das „einzigartige“ Projekt ging dann mit „Turbo-Geschwindigkeit“ in die Hose, denn aus den vielen tausend interessierten Kunden wurden nur knapp 3.000, dann wurde es abrupt gestoppt. Angeblich schaffte es Cybertron nicht, richtige Rechnungen zu erstellen (ja, das Billing-Problem kennen wir).Da half auch das viele Geld der Kronenzeitung nicht und auch nicht, dass man das führende österreichische Medienunternehmen war/ist. So blöd kann also unsere Idee nicht gewesen sein, wenn sich der Marktführer auch drauf setzen wollte – und bei nur 3.000 PC’s gescheitert ist. YLine hat 35.000 ausgeliefert, fakturiert und betrieben. Wir hatten auch unsere Probleme aber unsere Leute haben das zumindest großteils hinbekommen. Heute noch „Hut ab dafür“ liebe Ex-YLiner.

Die Abrechnungschwierigkeiten  müssen so schlimm gewesen sein, dass der alte Dichand persönlich  – aufgrund böser Briefe unzufriedener Kunden, die falsche Abrechnungen, die teilweise auch „YLine-Inhalte“ aufwiesen   erhalten hatte –  zur Ordnung rief.

IBM und Cybertron haben also ein Riesenprojekt, das sie wegen der Partnerschaft mit YLine gar nicht hätte machen dürfen, grandios versemmelt und Geld versenkt. In der Folge – und diesen Teil kennen wir aus der Hauptverhandlung – wurden die zuständigen IBM-Manager gefeuert. Jetzt ergibt sich da schon ein rundes Bild und erklärt auch die Schweigsamkeit bzw. die Erinnerungslücken der IBM-Zeugen.

Wie gesagt, das ist eine Geschichte, die mir so berichtet wurde. Die Geschichte ist schlüssig, denn dass die Cybertron massive Abrechnungsschwierigkeiten hatte, haben auch wir leidvoll erfahren und dass sich die IBM um ihre Zusagen uns und unseren Aktionären gegenüber einen „Scheiss“ scherte, wissen wir inzwischen auch. Übrigens wies Günter Pridt in seiner Zeit als Vorstand bei uns nicht einmal auf dieses kleine Experiment der IBM mit der „kronline“ und der Cybertron hin, im Mai/Juni 2000 war er ja auch noch Generaldirektor der IBM Österreich – ah, ich habe vergessen, eigentlich war er ja dafür sicher auch nicht zuständig.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

IBM, Unternehmen

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