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Expertendialog schafft neues Google-Profil

Die nächsten Verhandlungstage im Mai 2015 dürften voraussichtlich dem Expertendialog (das Wort „Streit“ fände ich zu heftig) rund um die Zulässigkeit der Multiplikatormethode als Verfahren zur Unternehmensbewertung gewidmet sein. Ganz interessant finde ich, dass mein Blog bei der Google-Suche mit den Stichworten „Multipliklatormethode Bewertung Sacheinlagen“ bereits ganz weit oben auf der ersten Seite der Sucherergebnisse aufscheint – beispielsweise mit dem Beitrag über #14 der HV – Wirklichkeiten und Unendlichkeiten. Da gewinnt die „Akte YLine“ gleich ein neues Profil auf Google als „Expertenseite“ für Bewertung von Internet-Startups. Mal sehen, was man da noch daraus machen kann. Wahrscheinlich werden sich die Beiträge über Discounted Cash Flow (DCF)-Methode, Ertragswertmethode und/oder Multiplikatorverfahren für die Bewertung von Startups noch häufen.

Gutachten zum Gutachten

Im Hintergrund wurde und wird von renommierten Sachverständigen bereits an entsprechenden Gutachten über die „richtige“ Bewertung von Internet-Startups gearbeitet. Spät aber doch hielt der internationale Standard in Österreich Einzug – die Kammer erkennt das Multiplikarverfahren als markt-orientieres Verfahren für Unternehmensbewertung an, im übrigen auch für frühere Bewertungen (Download hier).

Es wurde in der letzten Tagsatzung im übrigen auch der Antrag gestellt, den bekannten Börsensachverständigen Dr. Christian Imo als Zeugen zu laden. Er soll über die damals am Kapitalmarkt übliche Art der Unternehmensbewertung Zeugnis ablegen, wenn ich es richtig verstanden habe. In jener Zeit war er Vorstand der Wiener Börse.

Ich denke, dass ich alle Gutachten gelesen und zum Teil auch verstanden habe. Letztlich ist es aber eine eigene Wissenschaft, die Expertentum voraussetzt, um „Beta-Faktor“ und sonstige Parameter richtig zu setzen. Für mich als ehemaligen Vorstand eines Unternehmens, der Unternehmensanteile in Form von Sacheinlagen zugekauft hat, stellt sich die Frage aber meines Erachtens etwas anders – vielleicht so: „konnten wir von einer mit Unterstützung der Investmentbanken damals getroffenen Entscheidung über einen Kaufpreis für ein Startup von dessen Richtigkeit ausgehen?“ Mit anderen Worten, konnten wir damals an das Geschäftsmodell des erworbenen Unternehmens berechtigt und begründet glauben? Am Schönsten wäre es diesbezüglich natürlich, wenn die YLine und deren Beteiligungen heute noch erfolgreich arbeiten würden. Dann wäre eine ex-post-Betrachtung eine Fingerübung. Leider musste ich aber die YLine damals in die Insolvenz schicken.

Nachfolgefirmen der erotischen Webline für ex-post-Analyse

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Ausschnitt aus der Webseite der MAXOLUTION

Aber halt! Da haben wir doch Überlebende gefunden! Die Firmen MAXOLUTION Internet Services GmbH (Webseite) und die telequest & Internet Solutions GmbH (Webseite). Beides sind Nachfolgefirmen der Webline, deren Tätigkeiten teilweise bereits zu Zeiten der Webline aufgenommen wurden. Während sich die MAXOLUTION, geführt von den ehemaligen Mitarbeitern und Partnern der Webline – Christoph und Markus Pass – auf erotische Inhalte fokussiert hat und heute nach eigenen Angaben bis zu 160 Millionen Besucher auf ihren Webseiten verzeichnet, wurde die Telequest vom ehemaligen Geschäftsführer Wolfgang Hutter gegründet und u.a. auf Abrechnungssysteme erotischer Inhalte mittels Mehrwertnummern ausgerichtet (z.B. ValueErotic 0930). Die Entwicklung von Zahlungsverkehrslösungen rund um die Erotik war auch damals Kern des Geschäftsmodells der Webline.

In den letzten Monaten wurden die Geschäftsberichte der beiden Unternehmen von Experten akribisch aufgearbeitet, Webseiten und Bekanntmachungen sowie Emails der Webline analysiert und es kann festgestellt werden – beide Firmen verdienen bis heute extrem gut mit dem Ansatz der Webline. Ein mir vorliegendes, von einem renommierten Gutachter und einer ebenso renommierten Rechtsanwaltskanzlei erstelltes Gutachten über die MAXOLUTION zeigt und interpretiert die Millionengewinne. Die wurden mit dem Geschäftsmodelle der Webline, den ehemaligen Assets der Webline (viele Domains der Webline wie www.stripline.at, www.strip-house.com) etc) und dem Know-How der Webline erwirtschaftet wurden. Empfehlenswert dazu auch das Buch „Von teuren Klicks und schnellem Sex: Heisse Jahre in der Online- Erotikbranche„. Darin wird u.a. der Erfolg der Gebrüder Pass (samt Interview) beschrieben (hier auf Amazon).

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In seiner Aussage vor in der Hauptverhandlung im Oktober 2014 hat Wolfgang HUTTER im übrigen bestätigt, dass die Gebrüder PASS als ehemalige Webmaster der Webline, heute sehr erfolgreich ein Erotik-Geschäft betreiben. Damit hat er dieses Gutachten erst ermöglicht. Vorher war uns das nicht bekannt. Vergessen hat er allerdings zu erwähnen, dass das u.a. mit den Assets der ehemaligen Webline aufgebaut wurde. Mir hat er bestätigt, dass die beiden Unternehmen nach wie vor kooperieren.

Das vorliegende Gutachten „simuliert“ nun die Anwendung der Ertragswertmethode mit den Echtdaten der Maxolution für die Jahre 2002 – 2007 und den Annahmen des gerichtlichen Sachverständigen und kommt zum Ergebnis, dass auch und sogar bei Anwendung der – grundsätzlich abgelehnten – Ertragswertmethode die Webline damals jedenfalls das wert gewesen ist, was wir für die Sacheinlage angesetzt haben. Sogar noch viel mehr! Naja, denke ich mir. Sollte doch passen! Wenn es im Nachhinein betrachtet funktioniert hat, dann können Annahmen und Bewertungen damals nicht so falsch gewesen sein, oder? Warum es dann in der Webline mit genau den nunmehr erfolgreichen Personen nicht funktioniert hat und wie die Assets in die Nachfolgefirmen kamen, das ist eine andere Geschichte, die noch zu erzählen sein wird.

P.S.: sobald ich die Freigabe habe, das Gutachten zu veröffentlichten wird dies hier passieren. Soweit ich informiert bin, sollte das Gutachten verbunden mit einem Beweisantrag dieser Tage an das Gericht gehen.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

Kategorie

Gutachter, Investmentbanker, Prozesstagebuch, Unternehmen

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