Also wenn es nicht so traurig wäre, muss man sich doch auch manchmal dank der offensichtlichen Skurrilität amüsieren:

Gestern wurden die ersten Details zum geplanten Alternativfinanzierungsgesetz (AIFG) oder auch Crowdfunding-Gesetz bekannt. Das Gesetz soll eine neue Art der Finanzierung von Startups in Österreich ermöglichen: Crowdinvesting als Alternative zur Bankfinanzierung oder Private Equity Finanzierung. Darin finden sich absolut gute Ansätze, die auch im internationalen Vergleich herzeigbar sind: Prospektpflicht erst ab 5 Millionen Euro. Die Politik hat erkannt, dass Startups Eigenkapital brauchen, um Ideen und Innovationen zu entwickeln und zu testen. Startups sollen der „neue Jobmotor“ Österreichs werden (siehe diesen Bericht).

Das locker-flockige Video vom Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Dr. Harald Mahrer, (auch Mr. Startup in Österreich genannt)  zu diesem Thema auf dem YOUTUBE Kanal, ist aber doch etwas zum Schmunzeln:

Umso skuriller ist es, dass zur gleichen Zeit als Österreich zum Gründerland Nr. 1 aufsteigen will, 11 Angeklagte in der Akte YLine für ein im Jahre 2000 gegründetes New Economy Startup auf der Anklagebank sitzen. 15 Jahre nach Gründung des ersten börsenotierten Internetunternehmens in Österreich müssen sich Vorstand, Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer verantworten, dass sie Beteiligungen an Internetunternehmen zu den damals üblichen Bewertungen erworben haben und ein PC-Modell mit ISP Vertrag vertrieben wurde – analog zu den inzwischen allgemein üblichen Handy-Modellen, soweit zur Internationalität…

Die YLine hat damals neue Geschäftsmodelle unter Einbeziehung der damals führenden Industriepartner wie IBM, Metro, Allianz-Versicherung etc versucht und ist im Zuge des Platzens der New Economy – und letztlich wahrscheinlich auch aus Managementfehlern heraus – gescheitert. Daraus wurde dann ein Strafverfahren, weil ein Staatsanwalt der Wirtschaftsabteilung meint, dass das Versuchen neuer Geschäftsmodelle u.a. den Tatbestand der Untreue (Hauptvorwurf der Anklage!!) erfüllt und, ja, die Beteiligungsansätze waren ja viel zu hoch… Oh, ach ja, auch waghalsig im Sinne des Strafrechts (siehe u.a. diesen Beitrag) wären neue, noch nicht versuchte Ansätze. Nach dem Motto – nur Bewährtes ist (möglichweise) richtig.

Das derselbe Staatsanwalt weder den Unterschied zwischen ISP noch ASP Geschäftsmodell versteht, noch Begriffe wie Webmaster/Affiliate/Freemium-Modelle und Alexa Ranking irgendwie einordnen kann und überhaupt die Bedeutung von Geschäftsmodellen für eine Unternehmensbewertung nach nachvollziehen kann und überhaupt es kann doch nicht sein das ein Startup tatsächlich Investoren braucht und nicht sofort vom Start weg positiv ist.

Also so ganz das Gründerland Nr. 1 sind wir noch nicht…

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About ebit4u

CPA, Wirtschaftsprüfer, Gründer und Vorstand der Fintech.Academy, Autor der Bücher "Schwarmökonomie und Crowdfunding" und "Bitcoin und andere dezentrale Transaktionssysteme" erschienen im SpringerVerlag.

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