Ich hatte im Anschluss an den gestrigen Beitrag über das Wirken unseres Gutachters Mag. Alexander Stefan noch einige Diskussionen. Unter anderem wurde ich darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung Unfähigkeit in Verbindung mit der Vorgangsweise des Gutachters vielleicht der falsche Begriff wäre. Möglicherweise sei Willkür das geeignetere Wort. Das wurde mir dann auch gleich anhand konkreter Beispiele erläutert.

Der Gutachter hatte in seinen Gutachten zu den Sacheinlagen festgestellt, dass jeweils durch den Kauf der Beteiligung gegen Hingabe von Aktien (es war eine Sacheinlage) der YLine ein Differenzschaden entstanden wäre. Und zwar ergäbe sich dieser Differenzschaden aus dem Wert der als Kaufpreis an die Verkäufer übergebenen Aktien und dem tatsächlichen Wert der gekauften Beteiligung, wobei letzterer eben vom Gutachter ermittelt wurde. Dabei hat dieser willkürliche Werte für Marktrisikoprämie  (beim CAPM-Modell) und ebenso willkürliche pauschale Sicherheitsabschläge vom Gewinn festgesetzt  und sich damit eindeutig (aber aus nicht näher erörterten Gründen) nicht an das geltende Fachgutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KFS/BW 1) gehalten. Da er zugab, auch kein Sachverständnis über Startups und die New Economy zu haben (braucht er ja nicht, bei Erfüllung seines Auftrages) , muss sein nicht näher erörtertes und referenzloses Vorgehen wohl als Willkür bezeichnet werden.

Wirklich am deutlichsten wird nach Meinung meines Gesprächspartners der Umstand der Willkür daran gezeigt, wie der Gutachter den angeblichen Differenzschaden ermittelt hat. Er hat dabei in seine Kalkulation auch jene Aktien einbezogen, die wir den Verkäufern der Beteiligung gar nicht übergeben, sondern auf einem Treuhandkonto hinterlegt hatten. Die Ausbezahlung dieser Aktien erfolgte dann in Abhängigkeit von der Erreichung der geplanten wirtschaftlichen Ziele des erworbenen Unternehmens. Eine dem Sorgfaltsprinzip entsprechende Vorgangsweise. Tatsächlich wurde ein erheblicher Teil der Aktien dann auch nie übergeben, weil eben die Performancekriterien nicht erfüllt wurden und fielen damit wieder an die YLine zurück. Das war dem Gutachter auch bekannt und wurde in seinem Gutachten vermerkt aber bei der Berechnung des Schadens nicht berücksichtigt.

Obwohl dem Gutachter also bekannt war, dass der performanceorientierte Kaufpreis in Form von Aktien zu einem erheblichen Teil nicht an die Verkäufer ausbezahlt wurde, hat er auch diese nie an die Verkäufer übertragenen Aktien und sich im Eigentum der YLine befindlichen Aktien als Differenzschaden angesetzt. Widersinnig, oder?! Warum er das gemacht hat, das konnte der Gutachter dann auf Nachfrage in der Hauptverhandlung auch nicht erklären. Sein Auftrag wäre lediglich gewesen, so argumentierte Stefan, den Wert der Sacheinlage festzustellen. Mehr hätte er nicht gemacht. Diese Aussage von Stefan – die sich auch im Protokoll wiederfinden wird – war schlicht und ergreifend falsch. Tatsächlich hat er in seinem Gutachten sehr wohl den Differenzschaden (mit den niemals ausgezahlten Aktien) ermittelt und festgehalten.

Und ähnlich ist er bei einer zweiten Sacheinlage vorgegangen, wo er gleich ein ganzes Beteiligungspaket, das wir erworben hatten, verschwinden ließ. Konkret hatten wir 2 Beteiligungen von der Metrogruppe erworben und dafür mit Aktien bezahlt. In seinem Gutachten berücksichtigte Stefan allerdings bei Berechnung des Differenzschadens nur eine Beteiligung und ließ  die zweite Beteiligung völlig außer Ansatz. Und das obwohl diese zweite Beteiligung wertmäßig ganz erheblich war. Auch in diesem Fall war ihm das bewusst, weil er sich in seinem Gutachten u.a. auf den Rahmenvertrag mit der Metrogruppe bezog und dort festgehalten ist, was wir konkret erworben hatten.

Diese Vorgangsweise wider besseren Wissens wäre eben nicht Unfähigkeit, sondern Willkür. Ich habe also in Wikipedia nachgeschlagen und dort als Definition von Willkür im Zusammenhang mit Recht folgende sinngemäße Definition gefunden: „Willkür liegt vor, wenn eine Rechtsanwendung nicht nur fehlerhaft, sondern unter keinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar ist und sich daher der Schluss aufdrängt, dass er auf sachfremden Erwägungen beruht.“

Ja, das kommt hin denke ich! Willkür ist wirklich ein guter Begriff.

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About Redakteur

Gründer und CEO von YLine und damit ein authentischer Berichterstatter über die spannende Zeit des wirtschaftlichen und politischen Wechsels am Ende des alten Jahrtausends.

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Gutachter