Good News in Akte YLineNachdem schon vor einigen Monaten der Freispruch eines mitangeklagten ehemaligen Vorstands rechtskräftig wurde (siehe Bericht hier), war es jetzt wieder soweit.

Die zwei bereits im Mai 2015 vom Gericht ausgesprochenen Freisprüche gegen ehemalige Aufsichtsräte der YLine sind rechtskräftig (siehe auch Bericht hier), das schriftliche Urteil liegt vor. Die Staatsanwaltschaft hat nach 14 Jahren Verfahrensdauer auf weitere Schritte verzichtet. Bei der Anklage ging es u.a. um den Vorwurf der Untreue in Verbindumg mit Sacheinlagen. Schon die Sachlage per se ist hochkomplex und die Anzahl der verschiedene Sichtweise darauf ist gleich der Anzahl der hinzugezogenen Experten. Wie bewertet man ein Unternehmen, das man übernimmt und dann mit eigenen Aktien bezahlt? Noch dazu ein Internet-Unternehmen am Beginn der Internet-Ära, in der New Economy? Wie das bewertungstechnisch zu sehen ist, darüber gehen die Meinungen von Experten bis heute – mehr als 15 Jahre nach der New Economy – auseinander. Fakt ist heute nur, dass Internet-Unternehmen heute relativ höher bewertet sind als damals zu Beginn des Internets. Aus dem damaligen „Internet-Lüfterl“ ist die uns heute in jeder Minute begegnende digitale Welt geworden wo ohne Internet gar nichts mehr geht. Insofern wissen wir heute auch, dass die damals entwickelten Ansätze der YLine keineswegs „hirnrissig“ waren.

Die Staatsanwaltschaft hat den Angeklagten vorgeworfen, damals bewusst – in konspirativem Zusammenwirken mit dem Vorstand – Überbewertungen der zugekauften Beteiligung in Kauf genommen und damit eine Schädigung der YLine herbeigeführt zu haben. Die Begründung warum und wieso sie das gemacht haben sollten, die blieb die Staatsanwaltschaft in der Anklage ebenso wie in den Hauptverhandlungstagen schuldig.

Das Gericht hat die beiden freigesprochen, weil weder aus der Aktenlage, noch aus der Beweisaufnahme im Zuge der Hauptverhandlung Hinweise auf ein entsprechenes Fehlverhalten oder fraudulentes Verhalten erkennbar gewesen wären. Nach knapp 14 Jahren geht damit wieder für 2 Beteiligte ein unglaubliches Strafverfahren zu Ende. Niemand entschädigt sie für die Kosten für die Rechtsanwälte, die emotionale und psychische Belastung oder die Zeit, die sie verbringen mussten, sich gegen die Kriminalisierung zu wehren.

Ich stehe noch immer auf dem Standpunkt, dass die Anklage so wie sie daliegt und unter den Umständen unter denen sie zustandekam (Stichwort befangener Gutachter) bestenfalls grob fahrlässig war. Dafür haftet aber niemand.

Jetzt wünsche ich Anton und Gerhard jedenfalls alles Gute für die Zukunft, freue mich über ihre Freisprüche wie ein Schneekönig und bedanke mich für die gemeinsame Zeit 🙂

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Gericht