Man mag es fast nicht glauben aber es scheint wirklich so, dass sich die Akte YLine nach knapp 15 Jahren einem Ende nähert. Heute wurden von den noch vorhandenen 6 Angeklagten 2 weitere freigesprochen. Der angeklagten Wirtschaftsprüferin und dem ehemaligen Vorstand war nach Meinung des Gerichts kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorzuhalten.

Bei der Bewertung der Sacheinlagen wie auch im Rahmen der Bilanzerstellung müsse man auch berücksichtigen, dass damals, im Jahr 2001, das Internet noch neu war. Erfahrungen mit Internetunternehmen gab es noch nicht und entsprechend hoch war die Unsicherheit. So die Begründung des Gerichts. Die Wirtschaftsprüferin hätte nachweislich die globale Ernst & Young-Organsiation miteinbezogen, um die Aufgaben bestmöglich zu lösen. Eine Konstellation aus einem zumindest mit bedingten Vorsatz handelnden Vorstand und einer Beihilfe leistenden Wirtschaftsprüferin wäre damit nicht erkennbar gewesen.

Beim freigesprochenen Vorstand wurde vom Gericht u.a. damit argumentiert, dass man letztlich auch innerhalb eines Vorstandes eine Geschäftsaufteilung zu akzeptieren hätte. Und vom Technikvorstand kann man nicht verlangen, dass er Bilanzen erstellen oder Buchungsvorgänge beurteilen könne. Denn würde man das von ihm verlangen, dann müsste man vom Finanzvorstand umgekehrt verlangen können, dass dieser die Technik beurteilt. Der Technikvorstand konnte daher darauf vertrauen, dass die damalige Finanzvorständin ihre Sache richtig und in Übereinstimmung mit den entsprechenden Richtlinien erledigen würde. Und selbst der Gutachter konnte nicht ausschließen, dass die Ansicht der Finanzvorständig nicht doch richtig war! Freispruch daher! 

Bemerkenswert hartnäckig blieb der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er hielt nach wie vor die Anklage aufrecht und forderte eine Verurteilung. Dabei stellte er auf die vielen Fehler ab, die im Zuge von Berechnungen und Kalkulationen passiert wären. Ob er diese Sorgfalt irgendwann auch bei sich selber einmahnt? Seine Anklage ist erwiesenerweise fehlerhaft, schlampig und schludrig. Und an der Aufklärung in der Hauptverhandlung hat er so gut wie nicht mitgewirkt. Die Anzahl seiner Fragen über alle bisherigen 42 Verhandlungstage lassen sich mit bestenfalls auf 3% an der Gesamtanzahl der Fragen schätzen. Sorgfalt und Ernsthaftigkeit sieht anders aus. Aber er ist ja auch kein Vorstand!

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  1. Ein baldiger Freispruch sei Dir wirklich gegönnt, Werner. 15 Jahre am „public grill“ sind nach menschlichem Ermessen Strafe genug für das was Du ausgefressen hast. 🙂

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