Der BUWOG-Prozess und die Ausführungen von Peter Hochegger rund um die „Grasser Homepage-Affäre“ in der ein Tochterunternehmen der YLine, die FirstInex AG (übrigens ganz ohne meine Involvierung) eine sehr prominente Rolle spielte, ruft so manche verstaubte Erinnerungen wieder in den aktuellan Arbeitsspeicher.

Und da ich mich momentan wie bereits vor Monaten geschrieben, nach dem Ende des Strafverfahrens mit der Aufarbeitung der „Akte YLine“ beschäftige, werden die damaligen Aktivitäten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young im Zusammenhang mit der YLine wieder aktuell für mich. Heute wie damals kann man dabei eigentlich nur den Kopf schütteln.  Beispiel gefällig? Bitte sehr!

Alfred Brogyanyi war damals (1999 – 2002) Wirtschaftsprüfer und einer der wesentlichen Gesellschafter und Geschäftsführer von Ernst & Young sowie auch Hauptverantworlichter für den Aufbau des Unternehmensberatungszweiges der EY. So nebenbei war er auch noch Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Dieser Herr hat damals auch eine interessante Rolle gespielt bei der Homepage-Affäre. Unter der Federführung von Brogyanyi war sich Ernst & Young – obwohl gleichzeitg Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und wie wir heute wissen auch Buchhalter der FirstInex – nicht zu schade, auch noch ein Gutachten zur Homepage-Affäre zu verfassen. Der erste gerichtlich bestellte Gutachter in der Akte YLine, Dr. Thomas Keppert, hat im übrigen damals die Ernst & Young der Bilanzfälschung  in der FirstInEx beschuldigt.

Ein paar andere Ernst & Young-Kollegen haben dann auch noch – es war ja eine wilde Zeit in der Standesregeln offenbar außer Kraft gesetzt wurden – ein anderes Startup finanziell unterstützt, das sich als Mitbewerb zu YLine positionierte und gleich auch dieselben Produkte wie YLine anbot. Kleines aber wichtiges Detail am Rande: die Gründer dieses Startups „enition AG“ waren ehemalige YLine-Mitarbeiter. Dr. Brogyani und seine Kollegen sind dann auch gleich in den Aufsichtsrat dieses Unternehmens eingezogen und haben damit den Interessenskonflikt „hier Wirtschaftsprüfer und beim Mitbewerber Aufsichtsrat“ institutionalisiert. Die Bewertungen der e-nition, die dann auch Basis für die durchgeführten Kapitalerhöhungen waren, wurden dann ebenfalls von einer EY-Gesellschaft durchgeführt. Was darin resultierte, dass wir uns im Strafverfahren der YLine auch gleich noch mit den Strafanzeigen wütender Anleger der e-nition auseinandersetzen mussten. Die damals für die Bewertung der e-nition zuständige damalige Wirtschaftsprüferin (die im übrigen auch mehrere Quartalsberichte der YLine unterschrieben hat) hat übrigens auch eine interessante Historie , aber das ist eine andere Geschichte. (Wir stehen auch mit den damaligen e-nition Aktionären, die sich dem YLine Strafverfahren als Privatbeteiligte auch bereits im Kontakt, auch diese geschädigten Aktionäre werden hoffentlich auf diese Weise ihr Geld von EY zurückerhalten).

Die Verlierer waren natürlich die YLine-Aktionäre. Nicht nur, dass EY als YLine-Wirtschaftsprüfer die Gründung von Mitbewerbsunternehmen mit ehemaligen YLine-Mitarbeitern gefördert und den Know-How-Abfluss unterstützt haben. Nicht nur, dass EY in der FirstInEx eine unrühmliche Rolle gespielt und angeblich bei deren Bilanzfälschung mitgewirkt haben. Schlimm ist vor allem, dass EY wie von ihnen  bereits amtskundig zugestanden wurde, nicht ordnungsgemäß bei der Tätigkeit für die Yline gearbeitet hat.

Die Gründungsaktionäre der YLine, die im Hinblick auf die erwartete professionelle Arbeit eines „Big Five Wirtschaftsprüfers“ EY zum Wirtschaftsprüfer bestellt haben, wurden von diesem schlicht hintergangen. Dabei ist EY die oben geschilderte Vorgangsweise nicht einfach nur „passiert“, sondern die einzelnen Verfehlungen wurden vorsätzlich mit dem Vorsatz der Bereicherung begangen.

Die Haftung für nicht ordnungsgemäße Durchführung der Wirtschaftsprüfung verjährt nach fünf Jahren, liegt jedoch  bedingter Vorsatz  (bloßes in Kauf nehmen reicht) vor – und wir meinen, dass wir einen bedingten Vorsatz mit den diversen Protokollen der vielen Gerichtsverfahren und mit den Akten aus dem Strafverfahren nachweisen können, dann beträgt die Verjährungsfrist für die Handlungen der EY beträgt 30 Jahre. Insofern stay tuned..

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Kategorie

Brogyanyi, EY, IBM