Michael Lielacher

Der 1959 in Wiener Neustadt bei Wien geborene Michael „Mike“ Lielacher wird den älteren Semestern wohl immer als der „Börsenbull“ in Erinnerung bleiben. Jüngere Semester hingegen werden mit dem Namen nichts mehr anfangen können.

Lielacher, der sich während seiner Studienzeit für die junge ÖVP engagierte, begann seine Karriere in den 1980er Jahren bei der damaligen Girobank. Nachdem der US-Hedgefondsmanager Jim Rogers im Jahr 1985 die Wiener Börse für die internationalen Investoren „entdeckte“ und so einen Boom auslöste, nutzte Lielacher die steigende Euphorie und konnte sich als führender Wertpapierhändler und „Börsenbulle“ etablieren. Später wechselte er in die Erste Bank, wo er zuletzt als Wertpapierchef tätig war.

Im Jahr 1991 gründete er gemeinsam mit mehreren Partnern die Vindobona Privatbank (VIP-Bank), wo er Sprecher des Vorstandes war. Die Bank wurde nach einigen Turbulenzen an die Länderbank AG verkauft. Die VIP-Bank war auch an der Emission von Aktien des Fußballvereins SK Rapid Wien beteiligt. Die Rapid-Aktie notierte allerdings nur für kurze Zeit an der Wiener Börse und verschwand im April 1994 wieder vom Kurszettel. In seiner ersten Ausgabe des Jahres 1991 widmete das österreichische Wirtschaftsmagazin CASH FLOW Lielacher die Titelgeschichte und kürte ihn zum „Bullen des Jahres 1990“.

Mit der New Economy der späten 1990er Jahre begann Lielachers zweite Karriere. Gemeinsam mit seinen ehemaligen Weggefährten aus der VIP-Bank, Josef Blazicek und Gerhard Auer, beteiligten sie sich an einer Reihe österreichischer Internet-Unternehmen und brachten diese an die Börse. Unter diesen Beteiligungen war auch die YLine. Während seine Kollegen im Investmentbereich blieben, betätigte sich Lielacher als Unternehmer. Er gründete mit Unterstützung von YLine die Börsenhandels- und informationsplattform BlueBull (Blue Bull AG), konnte diese aber nach dem Zusammenbruch der New Economy 2001 nicht mehr zum Erfolg führen.

Mit den börsennotierten Unternehmen Bluebull, webfreetv.com Multimedia Dienstleistungs AG und der Übernahme der CLC AG zur Sanierung schaffte Lielacher zwar ein kurzes Comeback an de Börse. Ab dem Jahr 2003 kam es aber bei mehreren Lielacher-Firmen zeitgleich zu schweren wirtschaftlichen Problemen – unter anderem auch bei der zum Übernahmezeitpunkt verschuldeten CLC AG, sowie seinem Finanzinformationsportal Bluebull. Das zum Großteil aus börsennotierten Unternehmen und Unternehmensbeteiligungsgesellschaften bestehende Konglomerat zerbrach nach einer Reihe von Konkursen schließlich zur Gänze.

Im September 2010 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Wien aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei webfreetv.com wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Betrug und betrügerischer Krida gegen mehrere aktive und ehemalige Vorstände des Unternehmens – darunter auch Lielacher – ermittelt.Gegen die webfreetv.com Multimedia Dienstleistungs AG wurde am 18. August 2011 ein Konkursverfahren eröffnet.Laut einem Bericht der Wiener Zeitung (die in diesem Zusammenhang Lielacher wortwörtlich als einen ehemaligen „webfreetv-Zampano“ bezeichnet), welche sich auf den Gläubigerschutzverband AKV beruft, soll das Unternehmen Schulden in Höhe von 2,166 Millionen Euro angehäuft haben.

Im Zuge der Prüfungstagsatzung vom 12. Oktober 2011 wurde bekannt, dass die Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 1,907 Mio. Euro anmeldeten.Das Unternehmen soll laut Masseverwalterin „absolut vermögenslos“ sein.Laut Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien – so die Wiener Zeitung im Oktober 2011 – ist das anhängige Ermittlungsverfahren nach wie vor offen.

Im Frühjahr 2012 begann schließlich ein Strafprozess am Wiener Straflandesgericht – Lielacher wird dabei der fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und des Vorenthaltens von Dienstnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung beschuldigt. Im Zuge des ersten Verhandlungstages bekannte sich Lielacher „nicht schuldig“, die Verhandlung wurde laut Medienberichten auf Ende Mai 2012 vertagt.

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